Gänseessen wird zu einem teuren Vergnügen

Viele Kunden sind bereit, mehr für einen Gänsebraten im Restaurant zu bezahlen.
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Viele Kunden sind bereit, mehr für einen Gänsebraten im Restaurant zu bezahlen.

Trotz der Energiekrise und gestiegener Kosten halten viele Gastronomen an der Martinsgans fest.

Von Alexander Riedel

Wermelskirchen. Krieg, Inflation und die Angst vor kaum mehr bezahlbaren Energiepreisen lassen uns bekanntlich alle sorgenvoll in Richtung Winter schauen. Da tut es wahrhaft gut, wenn man sich trotzdem auf schöne Erlebnisse freuen kann – wie das gemütliche Gänseessen mit Freunden in der Zeit rund um St. Martin.

Oder doch nicht ? Der erste Gedanke an die Zerstreuung durch alljährliche, liebgewonnene Rituale wird schnell eingeholt von der Realität – und dem Blick auf die Preisliste: „Die Preise werden um 30 bis 40 Prozent höher als im Vorjahr sein“, kündigt Christian Warnke, Inhaber des Hotel-Restaurants „Zum Schwanen“ in Wermelskirchen an. Und das bilde allenfalls die gestiegenen Einkaufskosten für Fleisch und Zutaten ab – nicht aber den Energieaufwand, der mit einer langen Garzeit verbunden ist. So hielten es auch andere Gastronomen, berichtet Warnke.

Die Krise zwingt in der Branche offenkundig zum Abwägen: Was ist der Gast bereit zu zahlen ? Wie sehr lässt sich dementsprechend am Preis drehen? Lohnt es sich überhaupt, die Martinsgans auf die Speisekarte zu setzen? Was aber, wenn Stammgäste angesichts eines fehlenden Angebots ausbleiben ?

Im Hotel-Restaurant „Zum Schwanen“ wird es ab 4. November Gänse- und Wildgerichte à la Carte geben. Für das Angebot gebe es schon einige Reservierungen, erklärt Christian Warnke. Zudem warte man noch auf kurzfristige Anfragen, da sich das Reservierungsverhalten der Gäste verändert habe. Ein geplantes Gänsebuffet sei schon ausverkauft.

Auch das Restaurant und Hotel „Zu den drei Linden“ an der Staelsmühler Straße lädt Gäste weiterhin zum Gänseessen ein – auch wenn es weniger als sonst gebe, heißt es von dort. Bestellungen seien ebenfalls schon eingegangen. Festhalten wird auch das „Landhaus Spatzenhof“ am Gänsemahl. Was das genau die Gäste kosten wird, könne man aber noch nicht sagen, betont Betriebsleiter Malte Heß: „Da sind wir noch bei der innerbetrieblichen Kalkulation und schauen, wie wir uns aufstellen.“

Gänsekeule und Brust gibt es auch in diesem Jahr bei Janin Distell in ihrer „Preyersmühle“. In einem weiteren Wermelskirchener Restaurant warte man erst die Entwicklung ab, entschieden werde, ob die Gans zur Saison auf den Tisch komme: Derzeit müsse er einen Einkaufspreis von 17,50 Euro für eine Gänsekeule zahlen, sagt ein Gaststättenbetreiber: „Das wäre als fertiges Gericht einfach viel zu teuer.“ Viele Kollegen, ergänzt er, spekulierten noch auf ein leichtes Sinken der Preise.

Nur auf Vorbestellung gibt es die Gans in diesem Jahr beim „Jägerhof“ in Dhünn: Die Vorfreude der Genießer auf die Gaumenfreuden sei weiterhin da, berichtet Inhaber Dirk Siebel. „Wir haben treue Stammgäste, die die Preiserhöhungen auch mitgehen.“ Günstigere Alternativen wie Entenfleisch würden dagegen eher weniger angenommen: „Die meisten bevorzugen das klassische Gänseessen mit Rotkohl und Klößen“.

Umfrage

Laut des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes haben zahlreiche Betriebe wegen der Preise Existenzsorgen. Die Energiekosten steigen demnach ab Oktober um 55 Prozent. Für September zahlten die Gastronomen im Durchschnitt 26 Prozent mehr für Lebensmittel.

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