Schwanenplatz

Für viele ist es das erste Kirmeserlebnis

Der Autoscooter fasziniert von jeher jüngere und ältere Kirmesbesucher.
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Der Autoscooter fasziniert von jeher jüngere und ältere Kirmesbesucher.

Auf dem Schwanenplatz geht es noch bis Sonntag rund – Nach der Corona-Pause ist die Freude groß.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Donnerstagmorgen auf dem Schwanenplatz mitten in Wermelskirchen. Die Eröffnung der Frühjahrskirmes ist für 11 Uhr angesagt, aber schnell ist zu erkennen, dass diese Uhrzeit illusorisch ist. Die Hälfte der Schausteller ist noch mit ihren Fahrgeschäften, den Losbuden, Schießständen oder kulinarischen Angeboten beschäftigt, die andere Hälfte der Anbieter hat ihre Stände noch geschlossen.

Vom Autoscooter, der gerade die Boxen auf extreme Lautstärke testet, stürmt ein Hit der Dire Straits über den Platz. Hier wird geputzt, dort geordnet, ein letzter Rundgang durch das Geisterhotel angetreten. Gäste der Kirmes sind noch nicht zu sehen. Aber nach dem Soundcheck am Autoscooter und bevor es wirklich losgeht, kann Jaqueline Schmidt von der Schaustellerfamilie, die die Wermelskirchener Frühjahrskirmes traditionell organisiert, etwas erzählen.

„Man kann schon sagen, dass Kirmes zurzeit einen Hype hat.“

Jaqueline Schmidt, Schaustellerin, über ihre Einschätzung zum Phänomen Kirmes

„Die Planung der Kirmes ist immer gleich“, sagt sie. „Im Sommer und Herbst des Vorjahres planen wir das gesamte Schaustellerjahr. Das ist auch notwendig, weil man viele Dinge bedenken muss. So muss man zum Beispiel schon im Vorfeld das Personal ansprechen, gerade heutzutage sehr wichtig. Viele andere Dinge müssen berücksichtigt werden, so die Daten der anderen und zum Teil großen Kirmessen – ich sage nur: Crange und Rheinwiesen.“

Die Menschen genießen die Frühjahrskirmes.

Die Schausteller wissen, dass in der Zeit, in der kein Kirmesbesuch möglich war, eine völlig neue Generation an Kirmesgängern herangewachsen ist. Viele Besucher kommen zum ersten Mal in den Genuss, den Trubel einer Kirmes zu erleben. „Man kann schon sagen, dass Kirmes zurzeit einen Hype hat“, ist die allgemeine Meinung der Schausteller.

So leer, wie die Kirmes um 11 Uhr noch ist, ist sie um 17 Uhr des gleichen Tages nicht wiederzuerkennen. Der Schwanenplatz ist, wie man so sagt, proppenvoll von Besuchern. Vor dem Entenangeln steht eine große Traube Menschen, dreiviertel von ihr Kinder, die ungeduldig auf ihren Gewinn warten. In den Gastronomiebetrieben sind fast alle Sitzplätze besetzt, Kinderkarussel und Autoscooter, letzterer mit zehn Wagen mit Drift-Funktion ausgestattet, sind sehr gut ausgelastet, vor dem Geisterhotel hat sich eine lange Warteschlange gebildet.

Auch das Lieblingsfahrgeschäft der heranwachsenden Jugend, der Break Dance, kann sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. Einige mutige Mädchen versuchen, die Fahrt im Stehen zu überleben. Ein spezieller Schießstand bietet unter dem Namen „Piratenschlacht“ Bogenschießen für jedermann an.

Etwas ruhiger wird es, wenn man die Treppen zur Straße Schwanen hinabgeht. Dort stehen einige Süßigkeiten-Buden. Zurück auf dem Platz ist das Aufkommen am Auto-Scooter möglicherweise noch gewachsen.

Bertha und Joline, zwei Freundinnen, denen der Break-Dance dann doch etwas zu heftig ist, warten auf das Ende der aktuellen Runde, um ins Fahren und Driften einzusteigen. „In Wermelskirchen ist ansonsten für Jugendliche ja nicht so viel los“, sagen sie. „Da freut man sich auf die Kirmes.“ Sie haben von ihren Eltern einen Geldschein bekommen, um ihn auf der Kirmes zu verjubeln. „Das Geisterhotel ist uns zu albern“, sagen sie, „und der Break Dance zu wild. Da bleibt ja nur der Scooter.“ Sie teilen sich einen Wagen, der leider nicht driften kann. Aber Spaß haben die beiden augenscheinlich trotzdem.

Frühjahrskirmes

Die Wermelskirchener Frühjahrskirmes, die im Jahr 1539 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, ist noch bis zum Sonntag, 29. Mai, auf dem Schwanenplatz zu besuchen. Offizielle Öffnungszeiten sind von 14 bis 22 Uhr. Aber Jaqueline Schmidt von der gleichnamigen Schaustellerfamilie weiß, dass die Kirmes durchaus an manchen Tagen länger in Betrieb ist. „Im Umfeld wohnen eine Menge Menschen“, sagt sie. „Und da muss man schon aufpassen, dass man nicht überzieht.“ Bei „ihrem“ Auto-Scooter sind die Fahrpreise im Vergleich zur Herbstkirmes 2021 nicht erhöht worden. Das ist nicht überall der Fall. So wird ein Fischbrötchen für 7 Euro angeboten. Angesichts der Preissteigerungen gerade im Lebensmittelbereich ist dies sogar verständlich.

Standpunkt von Susanne Koch: Frohe Botschaft

susanne.koch@rga.de

Für Kirmesfans beginnt nach der vorläufigen Hochzeit der Pandemie eine neue Zeitrechnung. Die Kirmes durfte wieder öffnen. Und es gibt tatsächlich kleine Menschen, die jetzt erstmalig mit ihren Eltern eine Kirmes besuchen können. Das Kirmesvergnügen hat noch bis Sonntag geöffnet.

Und zum Glück fallen – außer bei Lebensmitteln, wie beispielsweise das Fischbrötchen zu sieben Euro – die Preise auch noch moderat aus. Denn das müssen viele Familien inzwischen berücksichtigen: Sie brauchen viel mehr Geld, um ihre Energiekosten und das benötigte Benzin zu zahlen, und um ihre Lebensmittel zu begleichen. Und das müssen die Familien an anderer Stelle einsparen.

Da ist es fast eine frohe Botschaft, wenn die Kirmespreise auf humanem Niveau geblieben sind. Jetzt wollen wir für alle Kirmesfans hoffen, dass sie auch die Herbstkirmes in Wermelskirchen besuchen können und ihnen da keine neue Viren-Mutante einen Strich durch die Rechnung macht.

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