Kattwinkelsche Fabrik

Für die Kultur ist es schwieriger geworden

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Die 78 Twins kommen am Sonntag ins Haus Eifgen. Der Eintritt zu diesem Workshop und anschließendem Konzert ist frei.
  • Markus Schumacher
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In der Katt, im Haus Eigen und im Film-Eck muss um Besucher gerungen werden

Wermelskirchen. Schweren Herzens absagen musste Achim Stollberg, der künstlerische Leiter der Kattwinkelschen Fabrik das für Freitag geplante Konzert des The 10String Orchestras. „Wir hatten dafür bis zum vergangenen Wochenende erst zwei Kartenbestellungen“, berichtet er. Die Künstler hätten nach telefonischer Rücksprache zwar zugesagt, auch vor nur zwei Leuten aufzutreten. „Aber das wollte ich denen nicht zumuten“, sagt Stollberg, „die wären dafür extra aus Sachsen angereist.“ So bleibt das Bühnenlicht am Freitagabend aus.

Einen Negativtrend für die Veranstaltungen in der Katt sieht Stollberg nicht „Aber es ist schwieriger geworden“, räumt er ein, „und wir haben noch längst nicht wieder den Besucherzuspruch wie vor Corona.“ Das Programm sei ja auch mit Absicht weg vom Mainstream, da komme es bei speziellen Angeboten auch mal vor, dass sie nicht angenommen werden.

Mit dem Blick auf die kommenden Wochen und Monate wird Achim Stollberg aber wieder optimistisch: „Wir haben ein tolles Programm“, ist er überzeugt. Er freut sich persönlich schon auf den Kabarettisten Urban Priol, der am Donnerstag, 28. Oktober, mit seinem Programm „Im Fluss“ in der Katt auftritt. „Und einen Tag später kommen Tschirpke & Krämer“, wirbt Stollberg, „das wird auch sehr unterhaltsam.“

Stollbergs Tipp ist Tina Teubner am 5. November: „Die aufregendste, nachhaltigste und unterhaltsamste Frau der deutschen Kleinkunstszene“, zitiert er aus der Ankündigung. Sie hätte eine volle Katt verdient, sagt Stollberg. Nur könnte das schwierig werden, weiß er auch.

„Es ist vom Gefühl her weniger“, sagt auch Michael Dierks zu den Besucherzahlen im Haus Eifgen. „Die Leute tun sich wohl noch schwer“, glaubt er. Die Konzerte im Biergarten seien jedenfalls sehr gut angenommen worden, aber jetzt, wo es wieder nach drinnen ging, läuft es eher schleppend.

„Durchschnittlich haben wir sonst 65 Besucher“, sagt Dierks. Für Freitag, wenn die Krissy Matthews Band ab 20.30 Uhr im Haus Eifgen auftritt, sei bisher aber nicht einmal für die Hälfte der Karten bestellt.

„Von unserem Stammpublikum kommen viele nicht mehr.“

Michael Dierks, Kulturinitiative

Eine Beobachtung hinterlasse ihn komplett ratlos: „Von unserem Stammpublikum, den Mitgliedern, kommen viele nicht mehr zu den Veranstaltungen.“ Woran das liege, wisse er beim besten Willen nicht.

Stollberg und Dierks bemerken beide, dass sich viele Besucher wohl erst auf den letzten Drücker für ein Konzert entscheiden. „Da spielt sicher die 2G- oder 3G-Diskussion eine Rolle“, ist Stollberg sicher: „Das macht was mit den Menschen. Die wollen sich daher auch nicht jetzt schon entscheiden, ob sie im Januar zu einem Konzert gehen.“

Dass die Leute unsicher wegen Corona sind, hat auch Klaus Schiffler in seinem Kino Film-Eck beobachtet. „Wir haben ja bereits seit dem 3. Juli wieder auf“, sagt er, „aber viele haben das noch gar nicht mitgekriegt.“ Am Freitag startet der Film „Nahschuss“ und dafür hat Schiffler auch schon einige Kartenbestellungen. „Das ist harter Tobak“, weiß er nach dem Probelauf. Mit einem vollen Saal rechnet er nicht.

Die Veranstaltungen auf dem Rhombus-Gelände seien eine tolle Sache gewesen, findet Dierks. Aber die seien umsonst und draußen gewesen. „Es gibt so viele kulturelle Angebote in der Stadt“, sagt Dierks, „vielleicht gibt es da auch eine gewisse Übersättigung?“ Das Thema will er beim nächsten Kulturstammtisch auf jeden Fall besprechen.

Am Freitag startet auch das AJZ-Programm nach dem Lockdown wieder. | Standpunkt

Band-Workshop

„Play it like the Beatles“: In dem von Bastian Korn und der Band 78 Twins am Sonntag, 17. Oktober, von 10 bis 17 Uhr im Haus Eifgen angebotenen Kurs wird den Teilnehmern das Spielen von vier bis fünf bekannten Beatles-Songs beigebracht. Korn wird außerdem einige interessante geschichtliche Hintergründe und Anekdoten zu den Songs erzählen. Im Anschluss an den Band-Workshop gibt es ein öffentliches Abschlusskonzert. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung aber erforderlich.

www.kultin-wk.de

Standpunkt

markus.schumacher @rga.de

Kommentar von Markus Schumacher

Selbst in der Fußball-Bundesliga hat mancher Verein Schwierigkeiten, sein Stadion nach Corona wieder voll zu kriegen. Die Leute strömen nicht wieder zurück, nur weil sie es jetzt dürfen. Ganz ähnliche Beobachtungen machen die Kattwinkelsche Fabrik, Haus Eifgen und das Film-Eck: Es ist schwerer geworden, die Häuser voll zu kriegen als noch vor der Pandemie. Zum Teil ist daran wohl auch die nicht enden wollende Diskussion um 2G oder 3G schuld. Das verunsichert viele. Bei manchem macht sich womöglich auch eine längere Kurzarbeit noch im Portemonnaie bemerkbar. Und andere haben vielleicht ganz andere Hobbys im Lockdown für sich entdeckt. Mit denen müssen die hiesigen Veranstalter jetzt konkurrieren. Zudem könnte der größte Hunger nach Kultur hier auch schon durch die Veranstaltungen auf dem Rhombus-Gelände gedeckt worden sein. Das war umsonst und draußen. Jetzt geht es wieder nach drinnen – und kosten tut es auch etwas. Wenn dann noch Konzerte parallel stattfinden sollen, kannibalisiert man sich auch noch gegenseitig. Das sollte vermieden werden.

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