Berliner Straße

Friedhof soll historisch aufgewertet werden

Friedhofsverwalter Thomas Pleil vor dem historischen Grab der Familie Kattwinkel, das der Stadt gehört. Foto: Anja Carolina Siebel
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Friedhofsverwalter Thomas Pleil vor dem historischen Grab der Familie Kattwinkel, das der Stadt gehört.
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WNK/UWG schlägt Runden Tisch vor – Stadt bemüht sich um den Erhalt historischer Gräber.

Wermelskirchen. Der WNK/UWG liegt der Erhalt historischer Gräber auf dem Stadtfriedhof auf der Berliner Straße am Herzen. Diesbezüglich hat die Fraktion eine Anfrage an die Stadt gestellt.

Anlass für das Anliegen sei eine Friedhofsführung mit dem Wermelskirchener Geschichtsverein gewesen, bei der „wissenswerte Informationen übermittelt“ worden seien. „Die Erinnerung und die Geschichte unserer Stadt Wermelskirchen sollte auch für Wermelskirchener Bürgerinnen und Bürger, Neubürger und künftige Generationen eine tragende Rolle spielen“, sagt Antragssteller Stefan Kind auf Nachfrage.

Hierzu bedürfe es allerdings „deutlicher Bestrebungen der Stadt Wermelskirchen“ im Sinne des Erhalts schützenswerter Grab- und Gedenkstätten. Zu vermeiden sei es, dass geschichtlich wertvolle Grabstätten – wie die der Industriellenfamilie Schumacher (seinerzeit hinter dem Ehrenfriedhof gelegen) – wie geschehen dem Erdboden gleichgemacht und durch seelenlose Mustergräber ersetzt werden würden. Gleiches gelte für das Grab des ehemaligen Bürgermeisters Mebus und des Lehrers Kufuß am Hauptweg des Stadtfriedhofes.

Am Runden Tisch sollen Gespräche geführt werden

Die Fraktion der WNK/UWG hat nun beantragt, den Stadtfriedhof entsprechend historisch aufzuwerten: Dazu gehöre unter anderem ein enger, kontinuierlicher Austausch zwischen der Stadt und dem Bergischen Geschichtsverein sowie geschichtlich Forschenden. „Zum Beispiel bei einem Runden Tisch“, schlägt Stefan Kind vor.

Aber auch die Nutzung sogenannter Sperrvermerke, so dass schützenswerte Gräber nicht einem neuen Urnenfeld zum Opfer fallen, sowie der Druck von Flyern zur Geschichte des Stadtfriedhofs und dessen Entwicklung sei der Fraktion wichtig.

Thomas Pleil von der Friedhofsverwaltung betont indes, dass es all das längst schon gibt in Wermelskirchen. „Seit 1993 arbeite ich in der Friedhofsverwaltung und kümmere mich seitdem intensiv darum, dass historische Gräber erhalten bleiben“, unterstreicht der Verwaltungsmann. Dabei gehe es ihm und der Stadt sowohl um Gräber bekannter Wermelskirchener Familien als auch um solche, die von besonders erhaltenswerten Grabsteinen geziert würden.

Gräber sind als schützenswert gekennzeichnet

„Dazu stehe ich auch im dauerhaften Kontakt mit dem Vorsitzenden des Bergischen Geschichtsvereins“, sagt Pleil. Von ihm habe er bereits vor Jahren eine Liste mit historisch schützenswerten Gräbern erhalten. Pleil: „Und die sind auch alle als solche gekennzeichnet, damit auch Mitarbeiter im Zweifel Bescheid wissen.“

Im Falle der bekannten Wermelskirchener Familie Schumacher hätten die Angehörigen darüber entschieden, das Grab auf dem Friedhof nicht weiter aufrechtzuerhalten. „Dafür haben wir zur Erinnerung an die Familie aber Grabplatten am Eingang des Friedhofs Höhe Berliner Straße abgelegt“, berichtet Thomas Pleil.

Die Grabkultur habe sich im Laufe der Jahre zwar auch in Wermelskirchen verändert. „Aber eben nicht so, wie es oftmals öffentlich publiziert wird“, findet Thomas Pleil.

Insgesamt gebe es 17 Bestattungsarten, darunter beispielsweise die klassische Erdbestattung im Wahl-, Reihen- oder Wiesengrab sowie die Bestattung im Kolumbarium. Nur drei Prozent der Bestattungen würden Baumbestattungen ausmachen.

„Das denkt man vielleicht nicht, weil man oft hört, dass diese Bestattungsart populär ist“, sagt Pleil. „Es ist aber oft gerade für ältere, immobile Menschen sehr umständlich, zu einem Friedwald zu gelangen. Und oft stellt sich auch hinterher heraus, dass die Hinterbliebenen doch lieber eine Stelle hätten, wo sie Zwiesprache mit dem Verstorbenen halten und sein Grab pflegen können. Dafür ist es dann oftmals zu spät.“

Friedhöfe

Stadt: Die Stadt Wermelskirchen ist zuständig für folgende Friedhöfe: Stadtfriedhof (Berliner Straße), Waldfriedhof (Vorm Eickerberg), Hünger (Hünger), Neuenhaus (Kirchweg), Dabringhausen (Friedhofsweg).

Kirche: Außerdem gibt es noch diese kirchlichen Friedhöfe in Wermelskirchen: Grunewald (K 16) Dhünn (Tannenweg).

Historie: Der Stadtfriedhof ist der älteste von ihnen. Im Jahr 1826 wurde der rund um die Stadtkirche liegende Gottesacker wieder zur Wiese und der Friedhof wanderte auf seinen heutigen Platz.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Gräber sind Stätten zum Gedenken an verstorbene Menschen. Vor allem für die Angehörigen und engen Freunde sind sie oftmals ein wichtiger Ort. Zum Abschiednehmen, Trauern und auch für die stille Zwiesprache mit den Verstorbenen, die im wirklichen Leben wegfällt. Besonders ältere Menschen planen häufig ihre Bestattung schon so, dass sie ihren Angehörigen „möglichst nicht zur Last fallen“. Dabei kommen auch oft ein Kolumbarium oder ein Friedwald zur Sprache. Argumente, die der Friedhofsverwalter anführt, werden dabei manchmal außer Acht gelassen. Zum Beispiel die Tatsache, dass immobile Menschen oft Schwierigkeiten haben, den Friedwald zu betreten und somit möglicherweise gar nicht mehr zur Begräbnisstätte der Verstorbenen gelangen können. Das sind aber Argumente, die wichtig sind. Denn wenn das Begräbnis erst stattgefunden hat und man sich dann vielleicht nach einem Ort sehnt, an dem man dem oder der Verstorbenen nahe sein kann, ist es zu spät. Und man hat falsch entschieden. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig Gedanken zu machen über die letzte Ruhe und vor allem, miteinander zu reden.

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