Terrassenkonstruktion

Fraktionen unterstützen Außengastronomie

Kommende Woche soll ein unabhängiger Baumexperte den Aufbau am Weihnachtsbaum begutachten. Foto: Markus Schumacher
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Kommende Woche soll ein unabhängiger Baumexperte den Aufbau am Weihnachtsbaum begutachten.

Ortspolitiker haben wegen der Terrassenkonstruktion am Weihnachtsbaum zunächst keine Bedenken.

Von Anja Carolina Siebel

Sie waren wohl die ersten, die von aufgebrachten Bürgern angesprochen wurden: Die Wermelskirchener Grünen haben sich jetzt selbst ein Bild vom umstrittenen Terrassenbau der Gastronomin Anna Fanelli am Naturweihnachtsbaum Obere Remscheider Straße gemacht.

„Neben der Verwaltung, die um entsprechende Informationen gebeten wurde, haben wir auch unsere Experten für Garten- und Landschaftsbau sowie diplomierte Agrarwissenschaftler befragt. Nach den uns bisher vorliegenden Informationen wird der Baum durch die Terrasse glücklicherweise in keiner Art und Weise gefährdet“, teilt die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Conchita Encina-Finken mit. Die Baugenehmigung der Terrasse sei ebenfalls nach Hinzuziehen eines Experten erfolgt, „so dass man uns aus städtischer Sicht versichert hat, dass dem Baum weder Luft noch Wasser genommen wird“, heißt es. „In dem Fall hätten wir einen sofortigen Rückbau der Terrasse beantragt.“ Die Grünen räumen indes ein: „Wünschenswert wäre gewesen, wenn die Verwaltung, ob der Brisanz des Themas, die Kommunalpolitik in die Entscheidungsfindung einbezogen hätte.“

„Ich vertraue auf die Genehmigung der Verwaltung.“

Jochen Bilstein, SPD

Ähnlich sieht das Henning Rehse (WNK/UWG). „Ich kann den Standpunkt des Geschichtsvereinsvorsitzenden Volker Ernst durchaus nachvollziehen, aber er hätte sich unserer Ansicht nach mit seinen Bedenken direkt an die Stadt und die Gastronomin wenden sollen“, sagt Rehse. Auch er hätte sich einzig von Stadt und Gastronomin „ein bisschen mehr Transparenz“ gewünscht. „Dann hätten wir das vorher diskutieren können.“

Jochen Bilstein (SPD) fasst sich kurz: „Fachlich kann ich mich dazu nicht äußern, vertraue aber auf die Genehmigung der Verwaltung. Ich freue mich, wenn wieder Menschen die Außengastronomie nutzen können.“ Michael Schneider (CDU) möchte ebenfalls auf die Entscheidung der Verwaltung vertrauen: „Selbst angeschaut habe ich mir das noch nicht.“

FDP-Mann kritisiert die Diskussionsmentalität

Oliver Platt (BüFo) steht hinter der Gastronomin: „Wir sind alle keine Baumexperten, einzig können wir den derzeitigen Holzaufbau am Weihnachtsbaum geschmacklich in Frage stellen. Und da muss ich sagen: Machen wir mal ein Foto, wenn dort irgendwann Menschen sitzen und gemütlich essen. Dann sieht das sicher schon ganz anders aus.“

Richtig sauer ob der öffentlichen Diskussion ist Marco Frommenkord (FDP). „Ich finde die Art der Kommunikation einfach unsäglich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Anna Fanelli sich immer ehrenamtlich engagiert hat. Zum Beispiel für den Weihnachtsmarkt. Aber auch für den Baum. Sie hat eigenhändig die Fläche dort saubergehalten und den Baum gewässert.“ Er mache sich „inzwischen richtig Gedanken um unsere Diskussionsmentalität.“

Dass er die Gastronomin „nicht in Misskredit“ hätte bringen wollen, unterstreicht im Nachgang seines offenen Briefes Geschichtsvereinsvorsitzender Volker Ernst: „Stattdessen habe ich von vorneherein mein Verständnis für die Gastronomie in Corona-Zeiten zum Ausdruck gebracht. Es kann auf gar keinen Fall sein, dass hier auf Einzelpersonen oder Institutionen herumgehackt wird“, sagt Ernst. Und: „Ich möchte alle an der Diskussion Beteiligten auffordern, zu einer gerne kontroversen jedoch in jedem Fall konstruktiven und wertschätzenden Art zurückzufinden. Zur Demokratie gehört meines Erachtens nicht nur das Recht auf freie Meinungsäußerung, sondern auch die aufmerksame Wahrnehmung von fremden Ansichten. Meine ausschließliche Absicht war und ist es, die Wichtigkeit des Wermelskirchener Mammutbaumes als identifikationsstiftendes Naturdenkmal herauszustellen und auf die Risiken hinzuweisen, die durch die Zweckentfremdung des Betonringes für den Baum entstehen können.“

Im Sinne des Baumes bitte er „um eine wirklich objektive Klarstellung der Sachverhalte“.

Hintergrund

Bedenken: Der Geschichtsvereinsvorsitzende Volker Ernst hatte vorige Woche in einem öffentlichen Brief Bedenken zur geplanten Außengastronomie am Weihnachtsbaum geäußert. Er sorgte sich um die Gesundheit des Baumes unter der Holzkonstruktion. Unter anderem ging es um mangelnde Bewässerung und darum, dass Zigarettenkippen oder Essensreste unachtsam ins Beet geworfen werden könnten.

Standpunkt: Sturm im Wasserglas

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Die Sorge der Wermelskirchener um „ihren Baum“, „ihr Wahrzeichen“ in allen Ehren – aber ist diese Holzkonstruktion die Aufregung wirklich wert? Es wird sich ja nun bald zeigen, ob eine gastronomische Nutzung sowie der Aufbau aus Holz dem Wachstum und der Gesundheit des Mammutbaumes tatsächlich schaden könnten. Wäre das so, müsste die Fläche wahrscheinlich abgebaut werden. Bisher sieht es aber danach aus, als sei die Aufregung umsonst gewesen. BüFo-Vorsitzender Oliver Platt hat wohl recht: Dann bleibt nur noch die Geschmacksfrage. Da die Fläche aber noch gar nicht fertig ist, kann man sie dahingehend auch noch gar nicht beurteilen. Also warten wir es doch erst einmal in Ruhe ab. Und wenn dann irgendwann die Gäste dort sitzen und ganz sicher dem Baum noch ein bisschen mehr Beachtung schenken als zu gewöhnlichen Zeiten, sieht die Welt vielleicht auch schon etwas anders aus. Und dann erweist sich der ganze Trubel, der Shitstorm in Internet und für die Gastronomin Anna Fanelli vielleicht auch als das, was es wirklich ist: ein Sturm im Wasserglas. Schonen wir besser unsere Nerven.

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