Förderprogramm hilft bei Mitgliederschwund

Seit der Pandemie bietet der TuS Online-Kurse an; die Trainerinnen, hier Joana und Heidi Herbst (v. l.), machen die Übungen vor der Kamera vor. Archivfoto: Stephan Singer
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Seit der Pandemie bietet der TuS Online-Kurse an; die Trainerinnen, hier Joana und Heidi Herbst (v. l.), machen die Übungen vor der Kamera vor. Archivfoto: Stephan Singer

Während des Lockdowns hatten es Sportvereine schwer

Von Marei Vittinghoff

Die frühere Sparkassen-Filiale in Tente ist seit einigen Monaten zugleich Fitness- und Filmstudio. Ausgerüstet mit Monitoren, Kamera, Laptop und Doppel-CD-Player, bietet der TuS Wermelskirchen dort montags bis freitags verschiedene Sportkurse via Zoom an. Erst als Ersatz für das Training in der Halle. Nun als zusätzliches Angebot für alle, die immer noch lieber im heimischen Wohnzimmer trainieren.

Und trotzdem: Training vor dem Bildschirm – das ist nicht für jeden was. 31 Mitglieder weniger als im Vorjahr zählte der Verein bei einer letzten Bestandsaufnahme am 1. Januar. „Das ist aber eigentlich noch eine gute Zahl. Viele Vereine hatten erheblich größere Verluste zu verzeichnen“, sagt Norbert Galonska. Er ist der Vorsitzende des TuS. Auch wenn die verbliebenen 680 Mitglieder ihre Beiträge größtenteils weiterbezahlt hätten, eine finanzielle Belastung bleibt die Pandemie. So fehlten zum Beispiel die Beiträge derjenigen, die sonst – finanziert durch die Krankenkasse – am Rehasport teilgenommen haben.

Ein neues Förderprogramm des Landes soll Vereinen wie dem TuS nun unterstützen. Nun können sie auf Antrag bis zu 30 Euro pro verlorenem Mitglied aus dem Programm „Coronahilfe Breitensport NRW“ erhalten. Abzüglich eines Sockelbetrages von 1000 Euro wird die Hälfte des so errechneten Betrages zur Milderung der Einnahmeverluste sofort ausgezahlt. Gewinnt der Verein Mitglieder zurück, wird das im Frühjahr 2022 mit einer Zahlung der zweiten Hälfte honoriert. Maßgeblich für die Berechnung sind die Mitgliederzahlen zum 1. Januar dieses Jahres.

„Wir haben zwar nicht so viele Mitglieder verloren, aber die Förderung nehmen wir natürlich gerne in Empfang. Für einen Verein ist das viel Geld“, sagt Galonska. Die Chancen, dass es mit der vollständigen Zahlung des Betrags klappen könnte, stehen gut. Etwa seit den Sommerferien gehe es mit den Mitgliederzahlen wieder bergauf.

Die Vereinstreue ist in Wermelskirchen ziemlich hoch

Diese Erfahrung macht auch Andreas Gall vom Dabringhauser Turnverein. Der Verein hat bisher noch keine Mittel aus dem Förderprogramm beantragt, überlegt aber genau wie der TuS dies zu tun. Etwa 100 Mitglieder hat der DTV seit dem 1. Januar 2020 verloren. Durch alle Altersgruppen und Bereiche hinweg. Mit einer Ausnahme: die Tennis-Abteilung. „Da hatten wir sogar einen enormen Zuwachs. Die Zahl der Mitglieder liegt jetzt bei 73 und hat sich quasi verdoppelt“, sagt Gall.

Der scheidende Vorsitzende (| S. 17) führt das vor allem auf drei Faktoren zurück: das Engagement der Abteilungsleitung, die Sanierung der Tennisplätze am Höferhof und die Tatsache, dass das Training beim Tennis im Vergleich zu den Mannschafts- und Hallensportarten immer schon relativ früh wieder möglich gewesen sei. „Insgesamt sind wir bisher finanziell gut durch die Pandemie gekommen“, sagt Gall. Der Verlust der 100 Mitglieder mache sich aber natürlich auch in der Gesamtsumme der Beiträge bemerkbar. Um in Zeiten der Pandemie ein Zeichen zu setzen, hatte der Verein seinen Mitgliedern Anfang des Jahres die Möglichkeit gegeben, ihre Beiträge auszusetzen. Laut Gall hätten jedoch nur wenige diese Möglichkeit auch in Anspruch genommen. „Ich glaube, dass es einfach noch eine sehr große Vereinstreue gibt“, vermutet Gall.

Davon kann auch Dirk Hohlmann berichten. Er ist Geschäftsführer von Tura Pohlhausen. Im Seniorenbereich sei die Zahl der Mitglieder ihm zufolge in den vergangenen Monaten relativ stabil geblieben. Im Vorjahr habe man dort so gut wie keine Leute verloren. Ob der Verein die Fördermittel beantragen werde, wolle man mit Blick auf die Zahlen aus der Jugendabteilung noch besprechen. Finanzielle Einbußen in der Vereinskasse habe es auf jeden Fall auch in Pohlhausen gegeben. Im Vereinsheim hätten schließlich monatelang keine Veranstaltungen stattfinden können.

Auch im Wermelskirchener Turnverein möchte man erst einmal noch prüfen, ob die Fördergelder beantragt werden sollen oder nicht. Das sagt Geschäftsführer Walter Thiel. Mitglieder habe man durch die Pandemie auch dort verloren, durch den fehlenden Spielbetrieb seien schließlich zwischenzeitlich keine neuen Sportlerinnen und Sportler dazugekommen. Etwa 40 bis 50 Mitglieder weniger habe der Verein darum nach einem Jahr gezählt. „Im Moment steigen die Zahlen aber wieder so stark an, dass wir – wenn die Entwicklung so weitergeht – bald wieder auf dem Stand von 2019 sind“, sagt Thiel. „Am meisten schmerzt uns noch immer der Schwimmbereich, weil wir da nur eine begrenzte Zahl an Kindern ausbilden können“, sagt Thiel.

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