Hochwasser

Flut im Freibad: Hilfe war überwältigend

Nach der Flut im Juli vor einem Jahr hatten die Helfer geglaubt, das Freibad müsse schließen.
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Nach der Flut im Juli vor einem Jahr hatten die Helfer geglaubt, das Freibad müsse schließen.

Braune Schlammmassen hatte der Starkregen im Juli 2021 hinterlassen. Aber da waren so viele Unterstützer.

Von Anja Carolina Siebel

Die Hochwasser-Geschichte des Freibads Dabringhausen ist keine grausame. Sie erzählt nicht, wie andere Flut-Geschichten, von Opfern und be unter Wasser begrabenen Existenzen. Aber sie erzählt von einer riesigen Welle der Hilfsbereitschaft, die vor dem 14. Juli 2021 wohl so niemand erwartet hatte.

Es war Mittwoch, der 14. Juli 2021, als der Regen kam. „Zuerst stark, dann etwas schwächer, dann wieder sehr stark“, erinnert sich der Vorsitzende des Freibadvereins Dominik Roenneke, der diesen Tag und die darauffolgende Zeit wohl niemals vergessen wird.

Mittags bekam ich dann ein Foto geschickt – und das, was ich da sah, konnte und wollte ich gar nicht glauben. Die Linnefe, ansonsten ein kleiner, beschaulicher Fluss, war über die Ufer getreten und hatte sich als braune Welle ihren Weg ins Freibad gebahnt. „Vorsorglich hatte unser Technischer Leiter Ralf Magney schon alle Anlagen abgeschaltet“, erinnert sich Roenneke, „aber das Wasser bahnte sich immer weiter den Weg Richtung DLRG-Haus und Technik-Raum.“

Roenneke fuhr schnurstracks Richtung Coenenmühle, kämpfte vor Ort mit an diesem Tag noch einer Handvoll Mitstreiter gegen die braunen Fluten der Linnefe an, die sich durch den anhaltenden Starkregen zu einem reißenden Fluss gewandelt hatte. Die Helfer versuchten, den Technikraum mit einem Damm zu sichern. Vergebens: Die Pumpen hatten kurz Alarm gegeben, sich dann ausgeschaltet und waren später im schlammbraunen Wasser versunken.

Vier bis fünf Leute seien an diesem Tag vor Ort gewesen. Roenneke: „Uns war ja nicht klar, welche Schäden das Ganze jetzt verursacht hatte.“ Auch in der Nacht sei er noch mal ins Freibad gefahren. Hilflosigkeit machte sich breit, ob des Bildes, das sich ihm dort bot. Immerhin sind es Ehrenamtler, die das Freibad in den letzten Jahren am Leben erhalten haben – in ihrer Freizeit.

Die Resignation verschwand indes rasch. „Als ich am nächsten Morgen mit Kurt Genz vom Vorstand da stand und auf die Anlage blickte, war uns zwar nicht klar, wie wir die Saison retten werden, dass wir sie retten wollen, stand aber da schon fest“, erinnert sich der Vorsitzende.

Und eigentlich bedurfte es nur eines oder mehrerer Aufrufe – und schon waren Helfer zur Stelle. Zunächst am Freitag, 16. Juli, waren es 150, die die Ärmel im Linnefetal hochkrempelten. Das Wasser war da schon von Wiesen und Wegen abgeflossen. Zurückgeblieben war viel brauner Schlamm, der wegmusste: Den galt es abzutragen. Ein Taucher hatte bereits am Donnerstagabend im schlammigen Wasser das Sieb vor dem Abfluss entfernt. Dann war das braune Wasser teilweise abgelassen worden. Am Beckenboden waren an diesem Freitag rund 30 Freiwillige im Einsatz, um den Schlamm zum Rand zu kehren, wo die nächsten Ehrenamtlichen mit großen Eimern warteten. Zudem halfen Freiwillige mit Schubkarren, den Schlamm abzutransportieren und wieder zur Linnefe zu transportieren. „Hier sind Stammgäste im Einsatz, aber auch Menschen, die wir noch nie gesehen haben“, sagte Dominik Roenneke damals gerührt. Es waren nicht nur Helfer aus Dabringhausen.

Vereine hatten Freiwillige geschickt. Familien, die sonst zum Schwimmen kamen, arbeiteten mit. Und auch Bürger, die wenig Bezug zum Bad, aber Urlaub hatten, wollten helfen, die Badesaison zu retten.

Nach zwölf Tagen öffnete das Bad schon wieder

Nach zwölf Tagen konnte das Freibad tatsächlich wieder öffnen. Ein kleines Wunder. „Die große Solidarität, die den ehrenamtlichen Helfern zugetragen wurde, wird noch lange nachklingen“, ist Vorsitzender Dominik Roenneke sicher. „Da können wir uns nur immer wieder bei den vielen Helfern bedanken, aber genauso bei jedem Spender, ob Privatperson, Firma oder Verein. Das ist großartig, wie viel Unterstützung wir erhalten haben“, freut sich Roenneke. Eine Woche verlängerte das Team die Saison 2021 schließlich. Die Statistik war dennoch mau, denn schlechtes Sommerwetter kam hinzu. „Wir hoffen auf diesen Sommer“, sagt Roenneke. Die 7000er-Marke an Besuchern sei immerhin bereits geknackt.

Freibad

Das Freibad Dabringhausen ist in der Saison 2022 seit dem 24. Juni und noch bis zum 9. August geöffnet. Bisher laufe die Saison bereits besser als voriges Jahr, resümiert Dominik Roenneke. Er hofft deshalb natürlich auf noch mehr Sonne in den kommenden Wochen.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Kleines Wunder

anja.siebel@rga.de

Natürlich ist die Geschichte der Flut im Freibad nicht vergleichbar mit den unzähligen Schicksalen, die der 14. Juli 2021 anderswo hervorgebracht hat. Aber dass sich spontan so viele Helfer gefunden haben, weil sie dem Team der Ehrenamtler im Linnefetal helfen wollten und für die Sache eingestanden haben, das ist schon ein kleines Wunder.

Denn während beispielsweise im benachbarten Freibad Eschbachtal die Saison nach dem Hochwasser beendet werden musste, konnte sie in Dabringhausen rotz erheblicher Schäden durch die schlammigen Wassermassen bereits nach zwölf Tagen wieder aufgenommen werden. Seit vorigem Jahr ist klar: Das ist nicht irgendein Freibad, das man in Dabringhausen und Umgebung einfach so aufgibt. Es ist etwas, womit sich Generationen identifizieren. Vielleicht auch, weil sie Stunden ihrer Kindheit dort verbracht haben. Es gibt also auch noch Flut-Geschichten mit Happy End. Und zwar in Dabringhausen.

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