Stellplatz für neues Fahrzeug

Feuerwehr wird zum Streitpunkt im Rat

Das Feuerwehrgerätehaus in Dhünn ist zu klein für das neue Fahrzeug. Foto: Anja Carolina Siebel
+
Das Feuerwehrgerätehaus in Dhünn ist zu klein für das neue Fahrzeug.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
    schließen

Die Stadt bekommt ein neues Feuerwehrauto für Dhünn, hat derzeit aber keinen geeigneten Unterstand.

Von Anja Carolina Siebel

Ein knallrotes Feuerwehrauto, das noch nicht einmal in Wermelskirchen angekommen ist, wurde am Montagabend zum Stein des Anstoßes im Stadtrat. Es war die letzte Sitzung des bestehenden Rates. 23 Mitglieder werden in der nächsten Wahlperiode, die mit der konstituierenden Sitzung am 2. November beginnt, nicht mehr dabei sein.

Und es schien, als wollte sich das bestehende Gremium noch einmal richtig ins Zeug legen bei dieser letzten Sitzung.

Ein Punkt auf der allein im öffentlichen Teil mit über 30 Punkten bestückten Tagesordnung war der Umbau des Feuerwehrgerätehauses in Dhünn. Der Grund: Im Januar 2021 bekommt die Freiwillige Feuerwehr Dhünn ein neues Fahrzeug, das aufgrund seiner Größe nicht in die Garagen des Bestandsgebäudes Am Wiesenhang 1b passt. „Die Einfahrtsbreite sowie die Größe der Halle sind nicht ausreichend, ein Umbau ist geprüft worden und aus bautechnischen Gründen nicht möglich. Aus diesem Grund ist sofort eine Halle zu errichten, in die das Fahrzeug untergebracht werden kann“, steht in der Vorlage.

Es gibt zudem einige Voraussetzungen, die der Unterstand erfüllen muss: So besitzt das Feuerwehrfahrzeug einen Wassertank und muss frostsicher untergebracht werden. Und: Die Aufbewahrungsfächer am Fahrzeug können nicht abgeschlossen werden, aus diesem Grund sollte das Auto am Stellplatz möglichst gut vor Vandalismus und Diebstahl geschützt werden.

Ein temporäres Gebäude zu bauen, wie beispielsweise in Dabringhausen mittels Container, sei in Dhünn aufgrund fehlenden Raums nicht möglich. Die Halle muss offiziell genehmigt werden.

Deshalb soll das bestehende Gebäude stattdessen erweitert und umgebaut werden. So schlagen es Fachamt und Bauamt vor. Martin Fleschenberg (CDU) kritisierte am Rednerpult, dass die Stadt „zuerst ein Auto angeschafft“ und dann erst überlegt habe, dass es dazu ja auch eine passende Halle geben müsse. Er räumte zwar ein, dem Beschluss zustimmen zu wollen, die Anmerkung sei ihm aber wichtig. Sowohl der für die Feuerwehr zuständige Dezernent und Erste Beigeordnete Stefan Görnert als auch der Technische Beigeordnete Thomas Marner betonten, dass die geplanten Umbauarbeiten an der Halle ja längst angekündigt gewesen seien. Allerdings hätten bei Anfrage der Fachämter die erforderlichen Mittel nicht bereitgestanden. Weil das Fahrzeug jetzt schneller als erwartet nach Wermelskirchen ausgeliefert würde, dränge die Zeit.

Gebäude-Alternative für Dhünn soll in Habenichts sein

Zum Hintergrund: Im Doppelhaushalt 2019/2020 wurde im Unterpunkt „Planung Feuerwehrgerätehäuser“ nach Aussage der Fachämter nur ein investiver Ansatz für Planungskosten in Höhe von 400 000 Euro eingeplant. Ein Ansatz für Baukosten bestehe bisher jedoch nicht.

Einzelanschaffungen müssten ab einem Betrag von 100 000 Euro im Haushalt einzelveranschlagt werden. Für die Umbauarbeiten in Dhünn liege eine Kostenschätzung in Höhe von 300 000 Euro vor. Diese Mittel müssten qua Gesetz durch den Rat bereitgestellt werden.

„Weil das Fachamt durch die Lieferung des Fahrzeugs Anfang 2021 gezwungen ist, die Baumaßnahme schnellstmöglich abzuwickeln und entsprechend nicht auf eine Freigabe des Haushaltes 2021 warten kann, schlägt das Fachamt in Abstimmung mit der Kämmerei vor, das Budget des entsprechenden Kontos zur Planung und Erstellung einer Halle als zusätzlichen Stellplatz am Gerätehaus der FFW Dhünn als Deckung zu nutzen“, heißt es.

Friedel Burghoff sorgte mit einer kryptischen Andeutung, ein anderes geeignetes Grundstück für die Halle bereitstellen zu können, für Aufruhr. Deshalb wurde der Punkt letztlich in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung verschoben. Nach WGA-Informationen soll sich das Grundstück in Habenichts befinden. Am Ende stimmten die Ratspolitiker für den Umbau.

Mietfahrzeuge

Weil der Fuhrpark der Feuerwehrautos an den Gerätehäusern zunehmend überaltert, hat die Stadt zum Teil auf Miet-Fahrzeuge zurückgegriffen. Das bestätigt Dezernent Stefan Görnert auf Anfrage. Die seien aber eigentlich dafür ausgelegt, nur für einige Wochen entliehen zu werden und entsprechend teuer. Deshalb fiel die Entscheidung für ein neues Fahrzeug für den Löschzug Dhünn.

Standpunkt: Einiges im Argen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Ein Auto anzuschaffen, das dringend untergestellt werden muss, und dann nicht die passende Garage dafür zu haben, das ist wirklich auf den ersten Blick etwas fragwürdig. Blickt man etwas hinter die Kulissen, wird aber klar, dass die Fachämter keineswegs unüberlegt gehandelt haben, sondern ihnen die Hände gebunden waren, weil die nötigen Mittel dafür zunächst nicht locker gemacht wurden. Dass allerdings ein Ratsmitglied mit kryptischen Worten einen alternativen Stellplatz aus dem Hut zaubert und das Ganze dann kurzerhand in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung geschoben wird, gleichwohl es um die Bereitstellung öffentlichen Geldes geht, das ist schon starker Tobak. Und auch andere Details der am Ende unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Diskussion wären durchaus interessant für die Bürger gewesen. Zum Beispiel die Tatsache, dass der ominöse alternative Stellplatz in Habenichts sein soll. Das würde für die Dhünner Wehrleute bedeuten, dass sie ihr Kern-Domizil ausweiten müssten. Vielleicht sollte fürs nächste Mal klar sein, dass man sich nicht auf dem Viehmarkt befindet, sondern in einem Ratssaal.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Visionen für das Rhombus-Gelände
Visionen für das Rhombus-Gelände
Visionen für das Rhombus-Gelände
Max geht jetzt sehr gern spazieren
Max geht jetzt sehr gern spazieren
Max geht jetzt sehr gern spazieren
Zwei Cousins sichern sich den Sieg
Zwei Cousins sichern sich den Sieg
Zwei Cousins sichern sich den Sieg
Explosion: Weitere Proben auf Prüfstand
Explosion: Weitere Proben auf Prüfstand

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare