Corona

Fahrschüler müssen sich gedulden

Der Fuhrpark von Fahrlehrer Markus Fahlenbock ruht derzeit. Archivfoto: Fahlenbock
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Der Fuhrpark von Fahrlehrer Markus Fahlenbock ruht derzeit.
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Lockdown-Einschränkungen zerren an den Nerven – Prüfungen finden nur in Lennep statt.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Giulia Spiess (17) hatte alles vorausgeplant. Die Gymnasiastin aus Wermelskirchen hatte sich extra früh zum Führerschein angemeldet, die Theorieprüfung bestanden und mit ausreichend Fahrstunden auf die praktische Prüfung hingearbeitet. Am 16. Dezember sollte es soweit sein. Aber dann kam alles anders. Die Bundesregierung beschloss den zweiten Lockdown und die Fahrschule, in der Giulia Spiess ihre Prüfung absolvieren sollte, bot keine Prüfung mehr an.

„Obwohl der Prüfer an dem Tag noch vor Ort war, konnten die Prüflinge nicht zur Prüfung antreten“, berichtet Giulias Mutter Cynthia Spiess. Bitter für die betroffenen Jugendlichen: Sie müssen jetzt nicht nur warten, sondern vor ihrer Prüfung, wann immer die sein wird, sicher noch einige Fahrstunden nehmen, die Geld kosten. „Meine Tochter zahlt ihren Führerschein selbst, hat extra dafür gespart. Für sie ist das viel Geld, was da zusammenkommt.“

Und noch eine Erschwernis kommt für die Wermelskirchener Fahrschüler hinzu: „Seit Neuestem fahren die Fahrschulen nicht mehr die Prüfung in Wermelskirchen, sondern in Lennep, wo der Standort des Tüv ist, der die Prüfer stellt“, berichtet Cynthia Spiess. Das bedeute ebenfalls, dass die Fahrschüler mehr Fahrstunden brauchen, denn in Lennep kennen sie sich nicht aus.

Jörg Meyer zu Altenschildesche, stellvertretender Konzernsprecher beim Tüv Rheinland, bestätigt das. Die Änderung sei coronabedingt: „Zurzeit ist es uns nur erlaubt, die praktische Fahrprüfung an eigenen Standorten des Tüv Rheinland zu starten“, erklärt er.

Hygienevorschriften müssen auch bei Prüfungen eingehalten werden

Dies sei für die Umsetzung der Corona-Schutzverordnung vorgesehen, um die Hygienevorschriften verlässlich einhalten zu können. „Konkret bedeutet das in Wermelskirchen, dass es nicht zulässig ist, von einem anderen Ort aus die praktische Prüfung zu starten, wie es früher der Fall war. Die Abfahrt für die praktische Prüfung erfolgt in der Regel deshalb über unseren Standort in Lennep. Wir sind froh, wenigstens diese Möglichkeit anbieten zu können.“ Vor dem ersten Lockdown im März starteten die Wermelskirchener Prüflinge nach WGA-Informationen vom Obi-Markt am Biberweg aus. Dort hatten Prüfer und Prüflinge dann die Möglichkeit, sich die Hände zu waschen oder die Toilette zu nutzen. Durch den Lockdown ist das nun nicht mehr möglich.

„Wir wissen, dass das für die Fahrschülerinnen und Fahrschüler sowie die Fahrschulen mehr Aufwand bedeutet. Deshalb wollen wir in Zukunft sofort wieder zur alten Regelung zurückkehren, wenn uns dies zulässig ist“, versichert Meyer zu Altenschilde.

Für die Fahrschulen gelte derzeit, dass nur Prüflinge, die unmittelbar vor der Prüfung stünden und solche, die ihren Führerschein für einen so genannten systemrelevanten Beruf, also etwa Feuerwehrleute oder Polizisten, benötigen, Fahrstunden nutzen dürften. Die meisten Fahrschulen bieten das aber nicht an.

„Wir wollen nicht nur uns, sondern auch unsere Fahrschüler und deren Familien schützen“, sagt beispielsweise Anja Niewöhner von Franks Fahrschule. „Wir wollen deshalb erst dann wieder fahren, wenn der Lockdown vorbei ist, beziehungsweise es Lockerungen gibt. Uns tut das natürlich leid für die Fahrschüler und wir haben auch praktisch täglich Anfragen von ungeduldigen Schülern, die gern fahren möchten, aber die Gesundheit geht nun einmal vor.“

Auch Fahrschulbetreiber Markus Fahlenbock von Markus Fahrschule an der Eich handhabt es so. „Wir warten jetzt erst einmal ab, was die neuesten Gespräche von Bund und Ländern ergeben“, sagt er. Erst danach wolle er sich Gedanken machen, wie und wann es für sein Team und seine Fahrschüler am Steuer weitergehe. 

Hintergrund

Der Betrieb von Fahrschulen ist im aktuellen Lockdown, den Bund und Länder am 5. Januar bis Ende Januar beschlossen, nur noch für berufsbezogene Ausbildungen zulässig und ansonsten untersagt. Ausnahmen gab es aber nicht nur für sogenannte systemrelevante Berufe wie angehende Feuerwehrleute, Polizisten oder auch Altenpfleger im mobilen Dienst, sondern auch für Fahrschüler vor den Prüfungen.

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Die Zeiten sind für alle kompliziert, schwierig, oft belastend und für viele auch noch existenziell bedrohlich. Natürlich ist es deshalb einzusehen, dass die meisten sich wohl als erstes Gedanken darüber machen, wie sie und ihre Nächsten gut durch diese Krise kommen. Allerdings gibt es viele Bereiche, bei denen mehrere Seiten zu betrachten und letztlich auch zu berücksichtigen sind. Beispiel: Fahrschulen. Verständlich, dass viele Fahrlehrer ihren Betrieb eingestellt haben, weil sie sich und andere durch die Nähe im Fahrschulauto nicht gefährden möchten. Allerdings sind da auch die Fahrschüler, vielfach Jugendliche, die zum Teil ihren Führerschein selbst zahlen und dafür von langer Hand gespart haben. Wenn sie nun erheblich mehr zahlen müssen, weil sie zusätzliche Stunden kloppen und auch noch in einer anderen Stadt ihre Prüfung absolvieren müssen, sollte da vielleicht schon ein gewisses Entgegenkommen von den Fahrschulen möglich sein. Ein Entgegenkommen auf beiden Seiten müsste doch zu schaffen sein. Denn das wäre ja auch Werbung für nachfolgende Generationen von Fahrschülern.

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