Fachkräftemangel ist mehr als eine abstrakte Gefahr

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Die Woche

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Von Sven Schlickowey

Traditionell beginnt am 1. August das neue Ausbildungsjahr. Und damit für viele junge Menschen, die gerade erst die Schule verlassen haben, der nächste Ernst des Lebens. In einer dualen Ausbildung, dieser Kombination aus praktischer Lehre und Berufsschule, um die uns die halbe Welt beneidet.

Und doch wird es in vielen Bereichen immer schwieriger, passende Azubis zu finden. Das hat zahlreiche Gründe, im Coronajahr gehört dazu auch, dass sich viele Schulabgänger angesichts der diversen Horrormeldungen aus der Wirtschaft unsicher zu sein scheinen, ob es sich überhaupt noch lohnt, eine Bewerbung loszuschicken. Doch der Hauptgrund ist in vielen Fällen vermutlich eine Mischung aus Unwissen und Vorurteilen.

Gerade bei handwerklichen oder gewerblich-technischen Berufen hält sich hartnäckig das Bild, dass sie einem nur Schmutz, schwere körperliche Arbeit und ein überschaubares Gehalt bescheren. Obwohl das oftmals nachweislich falsch ist, hält es ganze Generationen von Schülern davon ab, sich mit solchen Berufen auch nur einmal auseinanderzusetzen.

Das Ergebnis ist ein veritabler Fachkräftemangel in einigen Branchen, der von den Wirtschaftsverbänden oft besungen, von vielen Menschen aber eher als abstrakte Gefahr wahrgenommen wird. Obwohl er gerade eine Industriestadt wie Remscheid hart trifft und das hiesige Wirtschaftswachstum bremst.

Doch nach dem Hochwasser wird dieser Mangel für viele Betroffene deutlich greifbarer, wenn sie zum Beispiel einen Handwerker suchen, um einen Wasserschaden am Haus beseitigen zu lassen. Viele Betriebe aus dem Bauhandwerk hatten vor dem Hochwasser schon genug zu tun, entsprechend lang werden manche Flutopfer warten müssen.

An dieser Situation etwas zu ändern, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und eine wichtige dazu. Eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Mechatroniker muss die gleiche gesellschaftliche Anerkennung finden wie ein BWL-Studium von sechs Semestern. Und ein Meister muss so viel wert sein wie ein Master. Wie übrigens auch der Besuch einer Meisterschule nicht mehr kosten darf als ein Studium.

Natürlich brauchen wir Ingenieure, Ärzte und Sozialpädagogen. Wir brauchen aber auch Schreiner, Industriemechaniker und Köche. Und wichtiger als das Image sollte bei der Berufswahl junger Leute ohnehin sein, dass sie in ihrem Job glücklich werden.

Die steigende Sieben-Tags-Inzidenz bereitet auch vielen Wermelskirchener Gastronomen Sorge. Viele befürchten, wieder schließen zu müssen.

Viele Wermelskirchener engagieren sich für die Flutopfer.

sven.schlickowey @rga.de

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