Rheinische Fachhochschule Köln

Fachhochschule gibt ihren Standort auf

Im Berufskolleg fanden bis 2020 noch Vorlesungen der Rheinischen FH statt. Archivfoto: acs
+
Im Berufskolleg fanden bis 2020 noch Vorlesungen der Rheinischen FH statt.

Bildungsinstitut zieht sich aus dem Bergischen zurück. Bürgermeisterin will noch Gespräche führen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. In der Nachbarstadt Remscheid war es vorige Woche ein Schock. Die Stadt ist zum Ende des Wintersemesters 2024 keine Studentenstadt mehr: Die Rheinische Fachhochschule Köln will ihren Standort im dortigen Stadtteil Honsberg aufgeben. Und auf Nachfrage bestätigt jetzt Dr. Johannes Berens, Studienkoordinator der Rheinischen Fachhochschule: Auch Wermelskirchen ist für das Bildungsinstitut kein Thema mehr. Bereits seit Pandemiebeginn im Frühjahr 2020 hätten am Berufskolleg an der Kattwinkelstraße, das bisher als Dependance der Fachhochschule diente, keine Präsenzveranstaltungen mehr stattgefunden.

„Der Träger aus Gummersbach hat uns als Nutzer des Gebäudes damals den Vertrag gekündigt“, berichtet Berens. Grund sei unter anderem gewesen, dass es keinen Hausmeister gegeben hätte, der abends hätte nach dem Rechten sehen können. „Wir gehen aber auch nicht davon aus, dass der Standort Wermelskirchen in irgendeiner Form wieder reaktiviert werden kann“, sagt Berens.

„Wir wollen uns generell digitaler ausrichten“, kündigt der Studienkoordinator an. Das war auch die Begründung der Schließung in Remscheid gewesen. Mit digitalem Unterricht am heimischen PC trage man dem Wandel in der Bildungslandschaft Rechnung, hieß es auch dort vorige Woche. Dr. Johannes Berens sagt: „Die Rheinische Fachhochschule hat im Bergischen ausschließlich berufsbegleitende Studiengänge angeboten. Die Studierenden haben die Ausbildung also neben ihrem Hauptjob absolviert.“ Für die meisten sei es einfach bequemer, abends vor dem Rechner zuhause zu arbeiten und sich dabei lange Anfahrten zu ersparen und vielleicht noch Zeit mit den Kindern verbringen zu können.

„Die Corona-Pandemie war eine klare Zäsur in der Bildungslandschaft und auch im Arbeitsleben“, findet Berens. „Sie hat uns ganz klar verstärkt zum digitalen Arbeiten gebracht.“ Präsenzvorlesungen gibt es bei der Fachhochschule auch weiterhin. Die finden jetzt aber in Köln statt, an acht Samstagen pro Semester. Neben den Standorten in Wermelskirchen und Remscheid sollen auch dezentrale Angebote der Fachhochschule in Neuss, Bergheim, Heinsberg, Schleiden und Euskirchen in den nächsten zwei Jahren zum Auslaufmodell werden.

Für Bürgermeisterin Marion Lück kam die Nachricht der Schließung des Fachhochschulstandortes „völlig überraschend“, wie sie auf Nachfrage sagt. „Ich habe weder von der Kündigung noch vom Rückzug der FH gewusst. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass mich die Studienleitung darüber informiert hätte“, sagt sie. Sie plane aber weitere Gespräche. Lück: „Ich werde mich mit der Studienleitung und dem neuen Leiter der Wermelskirchener Volkshochschule zusammensetzen“, kündigt sie an. Möglicherweise könne es künftig eine Kooperation zwischen VHS und Fachhochschule geben. „Das könnte ich mir gut vorstellen, denn das Konzept der VHS würde gut zu dem der Fachhochschule passen.“

Bürgermeisterin findet: Auch Präsenzunterricht ist wichtig

Das Argument der Hochschule, künftig verstärkt Digitalunterricht anbieten zu wollen, verstehe sie. „Aber ich denke, dass gerade auch die Präsenzveranstaltungen wichtig für die Studierenden sind. Es wäre schade, wenn wir diese Möglichkeit in Wermelskirchen nicht mehr bieten könnten.“

Zum Wintersemester 2019/20 war die Rheinische Fachhochschule mit einem großen Standort in Remscheid an den Start gegangen.

Als diese Entscheidung im Herbst 2018 bekannt wurde, war das für die Stadt Wermelskirchen wenig erfreulich. Der damalige Bürgermeister Rainer Bleek räumte damals ein, sich „intensiv gekümmert“ zu haben. Hatte man doch damals noch den Plan, eine bergische Dependance auf dem Rhombus-Gelände anzusiedeln. Der Zuschlag ging dann aber nach Remscheid – für den Standort wurden dort Teile einer Grundschule in Honsberg freigeräumt. In Wermelskirchen blieb es beim Raumangebot im Berufskolleg. Bis zum Frühjahr 2020, als die RFH sich zurückzog.

Fachhochschule

Die RFH hat ihren Hauptsitz in Köln, wo sie sich auf mehrere Studienorte verteilt. Die Hauptverwaltung befindet sich in der Schaevenstraße 1 a–b, Ecke Mauritiuswall. Darüber hinaus gibt es weitere Studienorte in der Weyerstraße und in der Lindenstraße sowie im Kölner Stadtteil Ehrenfeld auf dem Campus Vogelsanger Straße. Auf der Internetseite der Rheinischen Fachhochschule sind bisher sowohl noch der Standort Remscheid als auch der Standort Wermelskirchen aufgeführt.

Standpunkt: Seltsam und bitter

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Es ist bitter, dass sich die Rheinische Fachhochschule offenbar aus ihren bergischen Dependancen zurückziehen möchte. Ist es doch immer auch ein Aushängeschild für eine Stadt, wenn dort studiert werden kann. Und: Potenzielle Studierende mussten bisher nicht weite Wege zu den Präsenzveranstaltungen in die Domstadt in Kauf nehmen. Gerade weil es zumeist Menschen sind, die einem Hauptberuf nachgehen und das Studium an der RFH berufsbegleitend durchziehen. Nicht umsonst hatte die Verwaltung vor Jahren versucht, einen noch größeren Standort der Fachhochschule auf dem Rhombus-Gelände zu etablieren. Wäre das doch auch ein Wirtschaftsfaktor für Wermelskirchen gewesen. Denn: Gut ausgebildete junge Menschen vor Ort bedeuten auch immer ein Pfund für die heimische Wirtschaft. Aber es mutet auch etwas seltsam an, dass niemand so recht von dem Rückzug der RFH gewusst hat. Zumindest die Stadtverwaltung hätte darüber informiert sein müssen, dass es in Wermelskirchen nun keine Möglichkeit mehr gibt, ein Studium aufzunehmen. Bleibt zu hoffen, dass die Bürgermeisterin Erfolg bei ihren Gesprächen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Freibad Eschbachtal öffnet am Donnerstag mit Einschränkungen
Freibad Eschbachtal öffnet am Donnerstag mit Einschränkungen
Freibad Eschbachtal öffnet am Donnerstag mit Einschränkungen
„Überflieger“: Sperrung wird am Mittwoch aufgehoben
„Überflieger“: Sperrung wird am Mittwoch aufgehoben
„Überflieger“: Sperrung wird am Mittwoch aufgehoben
Den Stadtwerken in Remscheid fehlen die Busfahrer
Den Stadtwerken in Remscheid fehlen die Busfahrer
Den Stadtwerken in Remscheid fehlen die Busfahrer
Kinderbonus 2022: Wann werden die 100 Euro ausgezahlt?
Kinderbonus 2022: Wann werden die 100 Euro ausgezahlt?
Kinderbonus 2022: Wann werden die 100 Euro ausgezahlt?

Kommentare