Extrem schräge Ideen und viel Humor

Nektarios Vlachopoulos hielt die Besucher in der Katt bei Laune. Foto: Peter Klohs
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Nektarios Vlachopoulos hielt die Besucher in der Katt bei Laune.

Nektarios Vlachopoulos begeisterte die Zuschauer in der Kattwinkelschen Fabrik

Von Peter Klohs

Dass der zwischen Poetry Slam und Comedy pendelnde Nektarios Vlachopoulos, nach eigenen Angaben ein ehemaliger Deutschlehrer mit Integrationshintergrund, in der Kabarettszene nicht völlig unbekannt ist, bewies am Freitagabend die sehr gut besuchte Katt. Fast alle der sechzig aufgestellten Sitzgelegenheiten waren besetzt. Die Beteiligten des Abends sollten Spaß haben: Achim Stollberg, künstlerischer Leiter der Kattwinkelschen Fabrik über den guten Besuch und die neue Corona-Schutzverordnung, nach der auch innerhalb geschlossener Räume das Tragen einer Maske freiwillig ist, das Publikum, das beinahe zwei Stunden dem Akteur auf der Bühne zumeist amüsiert folgte und der Künstler selbst, der staunend feststellte: „Ihr seid ja nur 60 Leute, seid aber laut wie 62.“

Nektarios Vlachopoulos versteckt seine künstlerische Herkunft als Slampoet in seinem abendfüllenden Programm „Ein ganz klares Jein“ nicht, und das macht sich bezahlt. In einer Mischung aus angeblich realen Geschichten, Improvisationen und Lesungen entwirft der mehrfach preisgekrönte Künstler ein 110 Minuten andauerndes Milieu aus Scharfsinn, Präzision, gelegentlich extrem schrägen Ideen und viel Humor.

Vlachopoulos kann auch über sich selbst lachen, was ihn noch sympathischer macht, als er ohnehin schon ist. Der Reigen beginnt mit Menschen, die ihren Beruf lieben wie der Mann auf der Bühne, der seine Kunst zwei Jahre nicht ausüben konnte. „Allerdings bin ich in der Pandemie zum Do-it-yourself-Mann geworden“, gesteht er und berichtet von seinem Hobby des Bastelns von Buchstützen. „Funktioniert mit fast jedem Gegenstand und sieht scheiße aus.“

Seine Erlebnisse mit der Deutschen Bahn sind – wenn nicht tatsächlich so geschehen – zumindest sehr gut ausgedacht: Niemand im Publikum hält es für unmöglich, dass so manche Widrigkeit im bahnfahrenden Leben Vlachopoulos „geplant“ gewesen ist. Warum sollte ausgerechnet dann, wenn ein Zugführer sich weigert, wegen Überfüllung des Zuges weiterzufahren und der Mann auf der Bühne letztendlich als Einziger aussteigt, der Zug unverzüglich weiterfahren? „Die hätten doch auch sagen können: Vlachopoulos raus! Das hätte sogar ich verstanden.“

„Ihr seid ja nur 60 Leute, seid aber laut wie 62.“

Nektarios Vlachopoulos

Der Comedian macht keinen Hehl daraus, was er nicht mag. Die moderne Technik zum Beispiel, die dazu führt, dass alle Menschen immer ihre Urlaubsbilder vorzeigen könnten. Oder Cluburlaub. „Leute, die die Anlage nur verlassen, um Souvenirs zu kaufen.“ Aber auch die Naturfreunde lässt er nicht aus. „Tagelang durch die Wüste laufen und Bäume anstarren – das kann ich in Pforzheim auch.“

Im zweiten Teil wird es wortakrobatisch. Vlachopoulos liest eine wilde Geschichte, die in einem Techno-Club spielt, und in deren Verlauf Manuel Neuer und Günter Wallraff eine gewisse Rolle spielen. Hier sitzt der Wortwitz treffsicher, was an anderen Stellen des Programms fragwürdiger erscheint.

Je näher das Ende des Abends kommt, umso pointenreicher und virtuoser geht der Künstler mit der deutschen Sprache um. Nicht umsonst habe er 17 Semester Germanistik studiert. „Das muss mich mal einer nachmachen.“ Und der Höhepunkt ist erreicht, als Vlachopoulos mit unbewegter Mimik einen Teil von „Shades of grey“ vorliest. Allerdings spricht der verführende Mann in seiner Version schwäbisch, was bei aller gebotener Neutralität alle erotischen Anspielungen in Nullzeit pulverisiert. Und nebenbei unglaublich komisch ist.

Hintergrund

Nektarios „Necky“ Vlachopoulos wurde 1986 im baden-württembergischen Bretten geboren. Seit 2008 ist der ehemalige Deutsch- und Englischlehrer als Slampoet auf den Bühnen unterwegs und bereist seit 2016 in Solo-Programmen Deutschland, die Schweiz und Österreich. 2022 erhielt der preisgekrönte Comedian den Bayerischen Kabarettpreis.

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