„Exponentieller Anstieg ist problematisch“

Stephan Santelmann ist seit Oktober 2017 Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises. Archivfoto: Joachim Rieger
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Stephan Santelmann ist seit Oktober 2017 Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises. Archivfoto: Joachim Rieger

Landrat Stephan Santelmann über die Corona-Situation im Kreis – Impfbereitschaft müsse steigen

Das Gespräch führte Udo Teifel

Herr Landrat, hätten Sie im Sommer gedacht, dass sich die Lage noch einmal so verschärft?

Stephan Santelmann: Dass es eine vierte Welle mit möglicherweise hohen Inzidenzwerten geben würde, war prognostiziert worden. Dass im Herbst die Zahlen wieder steigen würden, war zu erwarten.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage im Kreis ein?

Santelmann: Die Inzidenzen steigen auch bei uns an. Auch wenn sie noch nicht so hoch sind wie in manch anderen Regionen, so ist auch bei uns der Anstieg exponentiell, und das ist problematisch. Deshalb müssen wir Acht geben, uns impfen lassen und auch weiterhin auf Abstand und Hygiene achten.

Warum gibt es in Bergisch Gladbach ein Drive-In-Impfen, aber nicht in Wermelskirchen?

Santelmann: Die Feuerwehr in Bergisch Gladbach engagiert sich bereits seit Monaten beim Impfen im gesamten Kreisgebiet und konnte dementsprechend rasch auf bewährte Strukturen zurückgreifen. Der Kreis arbeitet intensiv daran, dass es bald Vor-Ort-Angebote in weiteren Kommunen geben wird. Die mobilen Angebote, die derzeit gemacht werden, stehen allen Menschen kreisweit zur Verfügung. Sofern die Feuerwehr in Wermelskirchen ein vergleichbares Angebot einrichten möchte, unterstützen wir sie gern dabei.

Was muss dringend kreisweit geschehen?

Santelmann: Die Impfbereitschaft sollte schnell steigen. Wir tun unseren Teil dazu und unterstützen, indem wir die Impfstellen schnell und leistungsfähig ausbauen und die Möglichkeiten, sich mobil impfen zu lassen, auf möglichst viele Kommunen ausdehnen, um viele Menschen im Kreis zu erreichen. Wichtig ist, dass jeder weiterhin seine Eigenverantwortung wahrnimmt und die AHA-Regeln eingehalten werden.

Sind die jüngsten Verschärfungen auf Bundes- und Landesebene ausreichend? Wo muss nachgeschärft werden?

Santelmann: Da die Regelungskompetenzen bei Bund und Land liegen, sind Einschätzungen zur jeweiligen Strategie dort zu erfragen.

Wie viele Impfstellen werden Sie einrichten – oder überlassen Sie dies den Kommunen?

Santelmann: Die Kreise und kreisfreien Städte wurden vom MAGS mit der Einrichtung von Impfstellen beauftragt. Selbstverständlich stimmen wir uns dabei mit den Kommunen ab. Die Einrichtung von Impfstellen ist mit einem logistischen und organisatorischen Aufwand verbunden. Dabei gibt es einiges zu beachten, zum Beispiel in Bezug auf Personal (Arbeitsverhältnisse, Verfügbarkeiten, Versicherungen u.a.m.), Örtlichkeit (Brandschutz, Barrierefreiheit, Verkehrsanbindung, Lagermöglichkeiten u.a.m.) und so weiter. Wir werden über das gesamte Kreisgebiet, im Norden, in der Mitte und im Süden in Kürze mehrere dezentrale Impfstellen an den Start bringen.

Warum ist das mobile Impfteam nur bis 18 Uhr im Einsatz - und nicht bis 20 Uhr, um Arbeitnehmer die Möglichkeit zum Impfen zu geben?

Santelmann: Auch die mobilen Impfteams sind an bestimmte organisatorische Machbarkeiten gebunden. Sie zeigen dabei höchsten Einsatz, für den wir sehr dankbar sind. An der weiteren Ausdehnung von Impfangeboten arbeitet der Kreis mit seinen Kooperationspartnern sehr intensiv.

„Die Schließung der Impfzentren hat viele Ressourcen gekostet und Kapazitäten gebunden.“

War es ein Fehler, das Impfzentrum im September zu schließen?

Santelmann: Eindeutig Ja. Die Schließung der Impfzentren war eine Landesvorgabe. Die Eröffnung von Impfstellen kurz darauf ebenfalls. Die Schließung der Impfzentren hat viele Ressourcen gekostet und Kapazitäten gebunden. Nun tun wir als Kreis alles, um die Impfkapazitäten rasch wieder zu erhöhen.

Wie sehen Sie sich bei der Kontaktnachverfolgung aufgestellt?

Santelmann: Wir sehen uns im Lagezentrum derzeit in der Lage, die Kontaktpersonennachverfolgung zeitnah gewährleisten zu können. Dies liegt aber auch daran, dass wir schon vor ein paar Wochen die Ablauforganisation optimiert haben, Arbeitsverträge verlängert und Personal aufgestockt haben. Ich erinnere daran, dass wir vor einiger Zeit die Kontaktnachverfolgung von einer telefonischen Informierung der von Corona Betroffenen auf eine schriftliche Benachrichtigung umgestellt haben. Hätten wir dies nicht getan, wären wir heute sicherlich mehrere Tage im Rückstand. So können wir die Kontaktpersonennachverfolgung auch weiterhin gewährleisten. Wir haben von Beginn der Pandemie an dynamische Organisationsstrukturen im Lagezentrum geschaffen und diese lagebezogen angepasst.

2G oder 3G - was ist Ihre Strategie?

Santelmann: Die Verwaltung setzt von Beginn der Pandemie an auf konsequente Kontaktbeschränkungen, auf Zugangsbeschränkungen zu behördlichen Gebäuden, die Vermeidung von Präsenzveranstaltungen sowie umfängliche Homeoffice-Tätigkeiten. Ich kann dies nur zur Nachahmung empfehlen und appelliere an jeden Einzelnen, Kontakte auf das Notwendige zu beschränken und weiterhin konsequent die AHA-Regeln zu beachten.

Reichen Appelle an die Eigenverantwortlichkeit aus - und müssen strenge Kontrollen her?

Santelmann: Kontrollen liegen in der Verantwortlichkeit der jeweiligen Kommunen und müssten deshalb orts- und lageabhängig in ihrem Umfang dort erfragt werden.

Haben Sie sich schon mit einer Booster-Impfung für die vierte Pandemie-Welle gewappnet?

Santelmann: Sobald bei mir die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, lasse ich die Impfung sofort auffrischen. Ich kann jedem empfehlen, dies auch zu tun. Zudem rufe ich insbesondere die noch nicht geimpften Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Angebote jetzt wahrzunehmen.

Zur Person

Wahl: Stephan Santelmann ist seit dem 25. Oktober 2017 Landrat im Rheinisch-Bergischen Kreis. Er wurde am 8. Oktober 2017 in direkter Wahl von den Bürgern des Kreises mit 59,44 Prozent der Wählerstimmen gewählt.

Tätigkeit: Vor seiner Wahl war Santelmann 14 Jahre lang Leiter des Amtes für Soziales und Senioren der Stadt Köln. Sein Studium in Politikwissenschaften absolvierte der gebürtige Hamburger in Münster und Bonn.

Privat: Stephan Santelmann lebt in Köln-Porz, ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

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