Corona

Experten befürchten große Welle

Schnelltests gibt es auch während der Festtage. Symbolbild: cb
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Ein positiver Schnelltest gehört wieder vermehrt zum gewohnten Bild – auch in Wermelskirchen und im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Die Inzidenz steigt auch in Wermelskirchen und im Kreis weiter an.

Von Arnd Janssen

Wermelskirchen. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt deutschlandweit wie auch in Wermelskirchen und im Rheinisch-Bergischen Kreis – mal wieder. Das ist nach den Erfahrungen der vergangenen zweieinhalb Jahre zwar keine Überraschung mehr und eine erneute Winterwelle schockt vor allem noch solche, die durch Corona besonders gefährdet sind – beispielsweise aufgrund einer Vor-Erkrankung. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Infektionslage, die diffuser ist als noch 2021, da mehrere virale Infektionskrankheiten das derzeitige Bild bestimmen.

Im Kreis steckten sich in der vergangenen Woche rund 1150 Personen mit dem Corona-Virus an, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt am Mittwoch bei 407,9. Auch wenn sie am Dienstag noch bei 442,4 lag, ist ein stetiger Anstieg seit dem 30. November (252,3) erkennbar. Ähnlich sieht es im benachbarten Oberbergischen Kreis aus, für den das Robert-Koch-Institut am Mittwoch eine Inzidenz von 373,3 ausweist (254,4 am 20. November).

„Das könnte eine große Welle werden“, sagt Hans-Christian Meyer von der Praxis Dr. Meyer & Greif: „Da nicht mehr so engmaschig getestet wird, bleiben viele mit positivem Schnelltest zu Hause“, beobachtet Meyer. Dementsprechend sei die Dunkelziffer hoch. Und dieser Trend dürfte sich über die Feiertage fortsetzen: „Die Leute sitzen eng zusammen, ich sehe also keinen Grund dafür, dass es über die Feiertage zum Abflauen kommt“, schätzt Meyer ein. „Wir sehen aber auch einen Anstieg der Grippe und des RS-Virus. Da gibt es schon einen Ansturm von Patienten mit viralen Erkrankungen“, berichtet der Allgemeinmediziner.

Derzeit werde auf vier Infektionen gleichzeitig getestet

In einem sogenannten Multiplex-Abstrich könne man Patienten derzeit auf gleich vier Infektionen testen: Covid-19, Influenza A und B sowie das RS-Virus. Auf Corona bezogen könne er immer noch viele asymptomatische, milde Verläufe bei seinen Patienten feststellen: „Wir sehen auch die schweren Verläufe, aber erheblich weniger als letztes Jahr. Viele bleiben zu Hause und schreiben sich am Telefon krank“, beschreibt Hans-Christian Meyer. Ungewöhnlich sei, dass der Höhepunkt der Virus-Welle bereits jetzt sei, nicht wie in normalen Influenza-Jahren im Februar.

Bei Hausarzt Harald Bergerhoff sieht es nicht viel anders aus. Auch wenn die Corona-Zahlen nominell stiegen, „vermag ich nicht zu sagen, ob Corona virulenter ist. Wir haben einen schlechten Überblick über die positiven Testungen“, sagt Bergerhoff. Den unentdeckten Infektionen „sei Dank“. „Wir haben aber ein gewisses Grundrauschen, viele melden sich für eine Krankschreibung. Allgemein gibt es einen großen Ansturm von sämtlichen Atemwegsinfektionen“, betont Bergerhoff. Mehr Corona-Leiden als noch im November könne er aber nicht feststellen. Die Krankheitslast durch Corona sei insgesamt geringer, andere Viren wie die Grippe mit einer ähnlichen Symptomatik würden jetzt verstärkt auftreten. 

„Vergangenes Jahr musste ich noch oft ins Altenheim, da sind sie damals wie die Fliegen gestorben. Meine letzte Einweisung hier ins Krankenhaus war auch letztes Jahr“, berichtet Bergerhoff. Der Frau gehe es mittlerweile deutlich besser. Dieses Jahr sei in seiner Praxis verhältnismäßig ruhig verlaufen. Der Anstieg von an Atemwegsinfektionen erkrankten Patienten erfolgte erst kürzlich. „Ich beruhige meine Patienten und sage ihnen, Omikron ist weit weniger virulent. Man muss aber natürlich trotzdem ein Auge drauf haben“, sagt Bergerhoff. Er plädiert zu einem entspannten Umgang, auch in Zeiten steigender Zahlen, und kritisiert die Haltung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach: „Er klebt an dem Thema Corona fest, dabei gibt es im Moment viel wichtigere Themen“, ist der Arzt überzeugt.

Ähnlich wie Bergerhoff argumentierte zuletzt auch der Leiter der Inneren Medizin am Wermelskirchener Krankenhaus, Volker Launhardt. Aufgrund der durch die Lockdown-Phasen unterforderten Immun-Abwehr würden viele Infekte verstärkt jetzt auftreten. Die Intensivstation sei nicht ungewöhnlich stark belastet, das Aufkommen auf den Normalstationen typisch für die Jahreszeit hoch. Doch Corona sei aufgrund vieler milder Verläufe nicht maßgeblich dafür. „Ich wäre froh, wenn das Thema Corona ein wenig seine Sonderposition verlieren würde“, sagte Launhardt und warb für Angst-Freiheit. „So lange ich denken kann, haben wir jahreszeitlich bedingt von Erkältungs-, Grippe- oder Schnupfen-Wellen gesprochen. Letztlich sind das jetzt alles vergleichbare Erkrankungen, die von unterschiedlichen Atemwegsviren ausgelöst werden und in der Intensität variieren“, so der Chefarzt.

Hintergrund

Inzidenz: Mit einem Wert von 407,9 (Deutschland: 250,7) gehört der Rheinisch-Bergische Kreis zu den 60 Kreisen mit der höchsten Inzidenz unter allen 400 Stadt- und Landkreisen. Am Mittwoch wurden 269 neue Corona-Fälle gemeldet. Seit Pandemie-Ausbruch gab es im Kreis rund 121.000 Infektionen. Deutschlandweit sind es rund 37 Millionen gewesen.

Impflage: Rund 220.000 Personen in Rhein-Berg sind grundimmunisiert, 215.240 davon sind einmal geboostert. 53.380 Bürger haben zwei Booster-Impfungen erhalten. Der Kreis hat 283.000 Einwohner.

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