Energiekosten

Experte rät zu höherem Abschlag

Thomas Erbslöher ist Leiter Kundenservice der BEW.
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Thomas Erbslöher ist Leiter Kundenservice der BEW.

Wermelskirchen. Die Energiekosten werden weiter steigen, sagt Thomas Erbslöher von der BEW.

Von Udo Teifel

Die Nebenkosten könnten bis zum Jahresende „explodieren“. Was erwarten Sie?

Thomas Erbslöher: In der Tat steigen die Kosten für Strom und Gas erheblich. Die Strompreise in Deutschland sind im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte gestiegen. BEW-Kunden hat es noch nicht ganz so hart getroffen. Hier ist der Preisanstieg je nach Kundengruppe und Zeitpunkt des Vertragsabschlusses zu unterscheiden. Insgesamt liegen die aktuellen Strompreise der BEW unter den Vergleichsangeboten der Wettbewerber. Ein Haushaltskunde mit einem Verbrauch von 3000 kWh zahlt in der Grundversorgung (Preisstand 1. April 2022) 1380 Euro – im Vorjahr waren es 1022 Euro. Bei einem aktuellen Stromvertrag mit fester Laufzeit würde der Kunde aktuell 1200 Euro  bezahlen. Die Abschaffung der EEG-Umlage zur Mitte des Jahres wird den weiteren Preisanstieg abmildern.

Und beim Gas?

Erbslöher: Die Entwicklung ist noch deutlicher als beim Strom. In der Grundversorgung kosten 10.000 kWh seit dem 1. Mai etwa 2270 Euro – zum gleichen Stichtag im Vorjahr waren es 1078 Euro. Die Preise für Sonderverträge sind günstiger, werden allerdings auch weiter steigen. Wir werden im Sommer einige Kunden anschreiben und die Preise anpassen. Schaut man sich das Preisniveau über die Vergleichsportale an, liegen die Preise der BEW noch vergleichsweise günstig.

Sprechen Sie Ihren Kunden Empfehlungen aus, heute schon höhere Abschläge zu zahlen?

Erbslöher: Ja, das ist ein wichtiger Impuls. Aufgrund der steigenden Preise empfehlen wir unseren Kunden dringend, die Abschläge zu überprüfen. Im BEW-Kundenportal können sich unsere Kunden zum gewünschten Datum kostenlos eine Zwischenabrechnung aufrufen. In vielen Fällen ist der Abschlag nicht ausreichend und sollte unbedingt erhöht werden. Ansonsten droht eine deutliche Nachzahlung in der Jahresabrechnung.

Um wie viel sollte der Abschlag erhöht werden?

Erbslöher:Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beim Strom wird die Abschaffung der EEG-Umlage zum Sommer hin den Preisanstieg zumindest zum Teil kompensieren. Beim Gas sieht das schon anders aus. Hier sollte je nach Tarif und Vertragspreis der Abschlag zwischen zehn und 50 Prozent erhöht werden. Gerne unterstützt unser Kundenserviceteam.

Sind schon Kunden an Sie herangetreten, um ihre Abschläge anzuheben?

Erbslöher: Ja, einige Kunden haben sich bereits gemeldet und gehen auf Nummer sicher. Es sind aber deutlich zu wenig Kunden, die den Preisanstieg und die Gesamtkosten fürs gesamte Jahr richtig abschätzen. Eine Abschlagsanpassung können wir nur dringend empfehlen. Es sind unter fünf Prozent der Kunden, die Ihren Abschlag noch mal überprüft und angepasst haben. Bei dieser ganzen Diskussion darf man allerdings nicht vergessen, dass nicht nur die Kosten für Energie steigen, sondern die gesamte Inflation das Portemonnaie unserer Kunden belastet. Für die Zurückhaltung haben wir daher größtes Verständnis.

Bleiben die Verträge der Vertragskunden unangetastet, oder wird die BEW die Preise anpassen (müssen)?

Erbslöher: Auch für diese Frage gibt es keine Pauschalaussage. Hier ist zu differenzieren. Kunden mit einer Erstlaufzeit bis Ende 2023 bleiben von steigenden Beschaffungspreisen vorerst verschont. Hier haben wir den Energieverbrauch des Kunden bereits eingedeckt. Wir reichen lediglich Veränderungen von Steuern, Abgaben und Umlagen durch. Bei allen anderen Kunden werden wir genau hinschauen und je nach Tarif und Vertragsabschlusszeitpunkt die Preise anpassen. Bei Gas werden einige Kunden ab 1. August deutlich mehr zahlen müssen. Die genauen Preise stehen allerdings noch nicht fest. Es kann aber durchaus sein, dass die Preise noch mal um die Hälfte steigen. Was danach kommt, beispielsweise zum Herbst oder Jahreswechsel hin, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht seriös beantworten. Kurzfristig wird sich der Gasmarkt wohl nicht entspannen.

Wie kann die Preisspirale gestoppt werden?

Erbslöher: Wir versuchen wirklich alles, um die Energiekosten für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Die Entwicklung der Beschaffungspreise konnte so kein Energieversorger in Deutschland vorhersehen. Die Kosten aus der Energiebeschaffung sind für die gesamte Energiewirtschaft eine riesige Herausforderung. Zuletzt bedeutete diese Situation für einige Energiediscounter das Aus.

Spürt die BEW denn bereits, dass die Kunden bereits bei der Energie sparen?

Erbslöher: Noch zu wenig. Der Gasverbrauch schwankt hauptsächlich witterungsbedingt. Im vorigen Jahr waren die durchschnittlichen Temperaturen unter denen der Vorjahre. Deshalb der hohe Gasverbrauch in 2021. In diesem Jahr haben wir mildere Temperaturen, und der Verbrauch geht etwas zurück. Aufgrund der hohen Gaspreise empfehlen wir für die nächste Heizperiode, auf etwas Wärmekomfort zu verzichten.

Hintergrund

Vortrag: Das Thema „Stromautarkie“ mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage spielt beim Energiesparen auch eine große Rolle. Ein Informationsabend wird am Dienstag, 31. Mai, um 18 Uhr im Glaspalast Hückeswagen stattfinden. Eine Veranstaltung im ähnlichen Format ist im September auch in Wermelskirchen geplant.

Kampagne: Mit einer Energiesparkampagne gibt die BEW ihren Kunden  Tipps und möchte dazu animieren, selbst aktiv zu werden und den eigenen   Verbrauch zu senken. Ganz einfache und schnell umzusetzende Alltagstipps zum Energie- und Kostensparen stehen auf der Homepage.  Dort finden Interessierte auch Tipps zu Fördermitteln.
bergische-energie.de/klik-energiesparen/

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