Katastrophenschutz

Es stehen keine Schutzräume bereit

Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg: Ehemalige Luftschutzräume unterhalb des heutigen Rhombusparks.
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Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg: Ehemalige Luftschutzräume unterhalb des heutigen Rhombusparks.

Warnung der Bevölkerung über Sirenen ist in Wermelskirchen nicht möglich.

Von Udo Teifel

Wermelskirchen. Die ältere Generation in Wermelskirchen kennt sie noch aus eigenen Erfahrungen oder aus zeitnahen Erzählungen der Eltern: die Schutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg oder der Zeit des Kalten Krieges. Das damalige Sirenengeheul war ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. In den vergangenen Jahrzehnten des Friedens in Europa geriet alles in Vergessenheit.

Nun ist auf europäischem Boden Krieg – und die Angst, dass eine militärische Konfrontation auch Westeuropa in welcher Form auch immer erreichen könnte, ist latent vorhanden. Doch es gibt in Wermelskirchen keine Schutzanlagen – und auch die Warnung der Bevölkerung über Sirenen ist nicht möglich.

Die Räume sind nicht mehr funktionsfähig.

Sven Schulte, Rhombuspark

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte die Stadtverwaltung, dass es Schutzräume in Wermelskirchen gebe, aber keiner sei funktionstüchtig oder stehe bereit, genutzt zu werden. „Außerdem sind es nur sehr kleine Schutzräume“, so die Sprecherin der Stadt, Kathrin Kellermann. Zwei befänden sich auf öffentlichem Grund, drei weitere auf Privatgelände. Konkrete Angaben werde die Stadt aus Datenschutzgründen nicht machen. „Fakt ist jedoch, dass diese eher die Größe eines Unterschlupfes haben.“

So gab es im Untergeschoss der 2021 abgerissenen Realschule einst einen vorbereitete, aber nicht in Betrieb genommene Luftschutzanlage. Bei den Lehrern war der Raum als „Bücherbunker“ bekannt. Laut Stadtverwaltung soll auch der vom BGV im Keller der Schwanenschule genutzt Raum als Luftschutzraum ausgebaut sein.

Dem aber widerspricht der Vorsitzende des BGV, Volker Ernst: „Aus meiner Sicht spricht nichts dafür, dass unser Keller ein Luftschutzraum ist.“ Die Wände seien weder verstärkt noch sei eine Lüftungsanlage vorgesehen. Nach Informationen des BGV gibt es zudem mehrere zugeschüttete Luftschutzanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg an verschiedenen Stellen in der Innenstadt. Laut Stadt befindet sich noch ein kleiner Bunker auf landeseigenen Waldflächen im Großraum Dabringhausen.

Anders ist es im Rhombuspark. Die heutigen Eigentümer haben im Untergeschoss ehemalige Luftschutzräume freigelegt. Und stießen dort auf Überbleibsel des Zweiten Weltkrieges. Eigentümer Sven Schulte: „Die Räume sind nicht mehr funktionsfähig.“

Dort passten früher etwa 150 Personen rein – Dusche, Toiletten und weitere Räume sind begehbar. „Die Luftschutzräume wurden kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut.“ Eine Besichtigung sei möglich, so Schulte. Minimum seien zehn Personen. Kontakt per E-Mail: info@rhombuspark.de

Warum aber gibt es keine funktionsfähigen Bunker? Hintergrund war dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz zufolge eine Änderung des Schutzkonzeptes nach Ende des Kalten Krieges. Weil sich die Kriegsführung in den 90er Jahren verändert hatte, sei man von „Bedrohungen ohne Vorwarnzeit“ ausgegangen, heißt es beim Bundesamt. Das Konzept öffentlicher Schutzräume habe vor dem Hintergrund dieser Annahme keinen Sinn mehr gemacht. Dennoch hat das Bundesamt eine Empfehlung für den Schutz formuliert. „Im Fall eines Angriffs gehen Sie am besten in einen innenliegenden Raum mit möglichst wenigen Außenwänden, Türen und Fenstern.“

Die Stadtverwaltung, so heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der Redaktion, sei zudem nicht zuständig für den Bevölkerungs- und Zivilschutz der Bürger. Das sei Aufgabe des Bundes. Und deshalb gebe es weder örtliche Konzepte für einen Schutz bei einer möglichen militärischen Konfrontation noch hat die Stadt über Szenarien nachgedacht. „Kreise und kreisfreie Städte sind nur für den Katastrophenschutz zuständig“, so die Stadtsprecherin.

Aber da läuft es ja auch nicht gerade optimal. Denn nachdem die Stadt vor vielen Jahren die stationären Sirenen abgebaut hatte, weil mobile preiswerter waren, diese aber keine Wirkung zeigten, gibt es aktuell keine stadtweite Warnmöglichkeit. Die Nachbarstadt Remscheid will jetzt 25 Sirenen anschaffen, Solingen 13 weitere, hieß es in Medienberichten. Inzwischen sei auch im Rheinisch-Bergischen Kreis der Prozess angeschoben worden, ein flächendeckendes Sirenennetz zu errichten, so die Stadtsprecherin. Dies sei aber abhängig von Gutachten des Kreises, der federführend sei. Wann nun neue Sirenen in Wermelskirchen installiert werden, ließ die Stadtverwaltung offen.

Während zum Beispiel die Nachbarstadt Solingen eine Lenkungsgruppe „Zivile Verteidigung und Kastastrophenschutz“ geschafften hat, gibt es so etwas in Wermelskirchen nicht. Hier ist der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE)“ installiert, der sich ausschließlich mit Kastastrophenschutz beschäftigt. „Im Bereich des städtischen Krisenmanagements wurde bereits in der Corona-Pandemie, aber auch in der derzeit andauernden Ukraine-Krise mit der Einrichtung des SAE operiert“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage der Redaktion. Dort kommen entscheidungsbefugte Personen zusammen und koordinieren je nach Lage Einsätze.

Für den möglichen Ausfall von örtlichen Einrichtungen wie zum Beispiel der Wasserversorgung gibt es laut Stadtverwaltung Ausfallszenarien – das ist die Aufgabe der jeweiligen „Kritis“, der sogenannten „kritischen Infrastruktur in Zusammenarbeit mit den unteren Kastrophenschutzbehörden.

Sprecherin Kathrin Kellermann: „Für die kommunalen Strukturen, wie zum Beispiel der kritischen Bereiche innerhalb der Verwaltung, wurden bereits in der Corona-Pandemie systemrelevante Kernaufgaben analysiert, die je nach Lage berücksichtigt werden.“

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