Es gibt wieder mehr Lehrstellen im Kreis

Das Handwerk ist zweigeteilt durch die Corona-Krise gekommen. Unbeliebte Berufe sind wieder stärker gefragt. Foto: Roland Keusch
+
Das Handwerk ist zweigeteilt durch die Corona-Krise gekommen. Unbeliebte Berufe sind wieder stärker gefragt.

Das Interesse an einer Ausbildung sinkt – Durch Corona sind aber unbeliebte Berufe attraktiv geworden

Von Stephan Singer

Der Rückgang der Bewerber um einen Ausbildungsplatz setzt sich fort. Der Rückgang der freien Lehrstellen jedoch, der sich von 2019 auf 2020 manifestierte, ist gestoppt.

Diese Bilanz zogen Johannes Juszczak von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln, Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, sowie Nicole Jordy, Chefin der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, nach dem Start in das Ausbildungsjahr 2021/22 zum Stichtag 30. September. Aktuell seien noch 152 Ausbildungsplätze im Rheinisch-Bergischen Kreis nicht besetzt.

Sowohl die Corona-Pandemie als auch die demografische Entwicklung schlage sich negativ auf den Ausbildungsmarkt nieder, beobachtete die Arbeitsagentur. Während es insgesamt weniger Bewerber gebe, hätten die Unternehmen geringfügig mehr Lehrstellen an die Agentur für Arbeit gemeldet als zur gleichen Zeit im Vorjahr.

„Das Handwerk ist sehr zweigeteilt durch die Corona- Krise gegangen.“

Markus Otto, Kreishandwerkerschaft

Den stärksten Rückgang bei den Ausbildungsplatzsuchenden registrierte die Arbeitsagentur bei den unter 20-Jährigen. „Es ist uns nicht gelungen, die fehlende Beratung in den Schulen aufzufangen“, sagte Jordy. „Während des Lockdowns ohne regulären Unterrichtsbetrieb ist in den Schulen viel verloren gegangen, weil dort der Berufsorientierungsprozess eigentlich beginnt.“ „Wir hoffen auf vermehrte Praktika in 2022, die zuletzt wegen Corona gar nicht oder nur bedingt möglich waren, damit der Übergang von der Schule in den Beruf leichter wird“, sagte IHK-Fachmann Juszczak. Zum 30. September 2021 habe die IHK in Rhein-Berg 557 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge verzeichnet – 41 mehr als zum Vorjahresstichtag.

„Die Wolken lichten sich“, kommentierte Juszczak. Früherer Bewerbermangel aus der Zeit vor Corona schlage allerdings in einzelnen Branchen mit noch größerer Wucht zu, registrierte die IHK: „Insbesondere im Tourismus- sowie im Hotel- und Gaststättenbereich fehlen Bewerbende – und das bei wieder wachsendem Angebot.“

Positiv: Die Digitalisierung macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. Laut Jordy ist die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration in den Top Ten der gemeldeten Ausbildungsstellen und gewünschten Ausbildungen der Bewerber zu finden. In die Top Ten der Berufswünsche schaffte es außerdem ein Beruf, der den Experten zufolge zuletzt wenig beliebt war: Tischler.

„Das Handwerk ist sehr zweigeteilt durch die Corona-Krise gegangen. Extrem war es zum Beispiel bei den Friseuren, während das Bauhaupt- und Baunebengewerbe uneingeschränkt arbeiten konnte“, sagte Marcus Otto. Deshalb sei für die Handwerksbetriebe im Baugewerbe die Wertschätzung während des Lockdowns gestiegen, was sich in steigenden Ausbildungszahlen in dieser Branche bemerkbar mache. Langfristig sei außerdem damit zu rechnen, dass die Löhne im Sanitär-, Tischler- und Kfz-Mechatroniker-Handwerk steigen – und die Kosten für die Auftraggeber ebenso.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis wurden 1071 Ausbildungsstellen an die Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach gemeldet – im Vergleich zu 2020 ein Minus von neun Stellen oder 0,8 Prozent. 152 davon sind bislang unbesetzt (19 oder 14,3 Prozent mehr als in 2020). Demgegenüber stehen 1328 gemeldete Ausbildungssuchende (141 oder 9,6 Prozent weniger als 2020). 92 gelten aktuell als unversorgt, was 108 oder 54 Prozent weniger als zum Vorjahr sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Männer leben christliche Werte
Männer leben christliche Werte
Männer leben christliche Werte
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“
Gastronomin: „Vor allem emotional ist es kaum tragbar“

Kommentare