Neues Zuhause

Es geht morgens mit der Fütterung los

Günter Leuerer, Tierheimleiter, mit Hund Arko, der ein neues Zuhause sucht.
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Günter Leuerer, Tierheimleiter, mit Hund Arko, der ein neues Zuhause sucht.
  • Susanne Koch
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Das Tierheim in Wermelskirchen ist auf viele Vermittlungen angewiesen.

Von Susanne Koch

Kurz vor 12 Uhr. Kein Laut ist zu hören. Verwunderlich, denn hier befindet sich das Tierheim Wermelskirchen. Als könnten Hunde Gedanken lesen, jault jetzt ein Vierbeiner auf, der nächste bellt und dann ist die ganze Kakophonie des Tierheims zu hören.

Zauberhaft sieht es im Tierheim aus. Betriebsleiter Günter Leuerer hat das Gelände und die Häuser vor dem 1. Advent weihnachtlich geschmückt. „Ich bekomme schon mal gesagt, dass nehmen die Hunde doch gar nicht wahr“, sagt er. „Doch Tierschutz ohne Menschen funktioniert nicht, und gerade die sollen sich doch auch hier wohlfühlen.“
Das Wermelskirchener Tierheim wird vom Tierschutzverein Wermelskirchen und Umgebung e. V. getragen. Der Gesamt-Etat, um das Tierheim zu betreiben, beläuft sich auf 300 000 Euro. „An Spenden bekommen wir ungefähr 125 000 Euro hinein, dazu kommen 20 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen“, sagt der Betriebsleiter. „Den Rest des Geldes müssen wir durch Vermittlungen erwirtschaften.“

Eines sei dabei ganz wichtig: Das Tierheim Wermelskirchen nimmt keine Abgabehunde auf. „Auch wenn ich dafür schon böse E-Mails bekommen habe“, sagt der Tierheim-Leiter. „Die Hunde kommen aus unserem Partner-Tierheim Gradiska in Bosnien-Herzigowina. „Alle Tiere werden nach den EU-Traces vermittelt“, sagt Günter Leuerer. „Sie müssen gechippt sein, eine Tollwut-Impfung haben und sind noch 21 Tage nach der Impfung in Quarantäne untergebracht. Erst dann kommen sie nach Wermelskirchen.“

Von den Städten Wermelskirchen und Hückeswagen bekommt das Tierheim keinen Zuschuss. „Das bekommen nur Tierheime, die in Städten agieren, die über 100 000 Einwohner haben. Die beiden Kommunen sind aber dazu da, sich um Fundtiere zu kümmern“, sagt er. „Die nehmen wir auch auf und warten, bis die Besitzerin oder der Besitzer die Tiere wieder abholt.“ Menschen, die ein Tier abgeben wollen, bekommen vom Tierheim Unterstützung, in dem sie den Hund oder auch die Katze mit auf die Vermittlungshomepage setzen. „Das hilft vielen weiter.“

„Den Rest des Geldes müssen wir durch Vermittlungen erwirtschaften.“

Günter Leuerer, Tierheim-Chef

Seit Juli lebt Yuna im Tierheim. Es ist eine 50 bis 60 Kilogramm schwere Kangal-Hündin und sie war vom örtlichen Veterinäramt beschlagnahmt worden. „Das ist ein richtiger Brocken“, sagt Günter Leuerer. „Wir suchen für diesen Hund Freunde dieser Rasse, Menschen, die bereit sind, weiter an seiner Erziehung zu arbeiten.“ Aber auch Todd, Tobi und Thor wollen vermittelt werden. „Wir haben täglich von 11 bis 14 Uhr für diesen Zweck geöffnet“, sagt der Tierheim-Chef. „Die Menschen können ohne Anmeldung einfach vorbeikommen.“

Schon früh morgens beginnt die Arbeit im Tierheim. „Die Tiere werden zuerst alle gefüttert“, sagt der Tierheim-Chef. „Und dann kommen die Hunde in die Außengehege.“ Täglich laufen drei Waschmaschinen und zwei Trockner. „Wir müssen die Decken, die Bettwäsche für die Katzen und die Handtücher waschen und trocknen.“ Vergangenes Jahr um die Weihnachtszeit ist ein großer Gewerbetrockner kaputt gegangen. Das sei eine schwere Zeit gewesen.

Ehrenamtliche führen täglich die Hunde aus

In der Einrichtung arbeiten neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Mit mir sind wir zwei Vollzeitkräfte“, sagt der Betriebsleiter. „Und dann Teilzeitkräfte und 520-Euro-Kräfte.“ Es gebe zusätzlich eine Gruppe Ehrenamtlicher, die vorbeikommen und die Hunde ausführen, sagt Günter Leuerer. „Damit dies immer ohne Pannen geschehen kann, haben wir Geschirr und Leinen den Hunden namentlich zugeordnet aufgehängt.“ Das Futter für die Tiere sei in einem anderen Raum gelagert. „Es wäre gut, wenn die Menschen, die uns etwas geben wollen, vorher anrufen und dies mit uns besprechen“, sagt der Betriebsleiter. „Denn dann können wir abklären, ob wir dies auch wirklich brauchen.“ In der Vergangenheit habe das Tierheim immer wieder unschöne Situationen erlebt.

Das Tierheim Wermelskirchen hat einen Leitspruch gewählt: „Ein jedes Geschöpf in seiner Bedrängnis hat ein gleiches Recht auf Schutz“ von Franz von Assisi. Das steht auf der Internetseite. „Und das ist uns auch besonders wichtig“, betont Leuerer.

Kontakt

Kontakt: Tierheim und Tierschutzverein Wermelskirchen & Umgebung e.V., Aschenberg 1, 42929 Wermelskirchen, Tel. (0 21 96) 56 72, täglich von 11 bis 16 Uhr.

Vermittlung: Sonntags, 11 bis 14 Uhr, gibt Waffeln, Reibekuchen, Glühwein und Punsch. Die Vermittlungszeiten: täglich 11 bis 14 Uhr.

Standpunkt von Susanne Koch: Wichtige Arbeit

susanne.koch@rga.de

Günter Leuerer hat den Betriebsleiter-Posten im Tierheim am 9. April 2017 übernommen. Er ist sieben Tage die Woche im Einsatz, rund 350 Stunden. Nicht schön ist es, dass der Tierheim-Chef dabei immer wieder beschimpft und bedroht wird. Und zwar deswegen, weil das Tierheim in Wermelskirchen grundsätzlich keine Abgabehunde annimmt. Das Tierheim hilft, diese Hunde auf ihrer Internetseite zu vermitteln.

Da das Tierheim aber von Vermittlungen lebt, ist es das gute Recht des tragenden Tierschutzvereins, die Hunde, die sie an Alleinstehende, an ältere Personen oder an Familien mit kleinen Kindern vermittelt, auch selbst auszusuchen. Sie haben sehr gute Kontakte in Tierheime in Bosnien-Herzegowina und in Rumänien. Die Tiere sind gechippt und Tollwut geimpft, wenn sie nach Deutschland kommen. Und das Tierheim kann sicher sein, dass die Hunde und Katzen ihren neuen Besitzern Freude machen werden.

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