Wirtschaft

Weihnachtsgeschäft: „Es bleiben schwierige Zeiten“

Der Geschäftsführer des Handelsverbands für Rhein-Berg, Marcus Otto, blickt optimistisch auf die kommenden Wochen.
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Der Geschäftsführer des Handelsverbands für Rhein-Berg, Marcus Otto, blickt optimistisch auf die kommenden Wochen.

Marcus Otto, Geschäftsführer des Handelsverbands Rhein-Berg, spricht über das Weihnachtsgeschäft.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Herr Otto, haben Sie schon erste Weihnachtsgeschenke gekauft?

Marcus Otto: Nun ja, jetzt stehen ja erstmal die Adventszeit und Nikolaus vor der Tür. Einige Kleinigkeiten dafür habe ich tatsächlich schon besorgt. Und auch für Weihnachten bin ich schon fündig geworden. Was genau das ist, das verrate ich aber natürlich an dieser Stelle nicht.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf das anstehende Weihnachtsgeschäft?

Otto: Tatsächlich mit etwas gemischten Gefühlen. Zum einen hat der Einzelhandel zwar jetzt nicht mehr so stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu leiden. Auf der anderen Seite haben wir aber den schrecklichen und menschenverachtenden Krieg gegen die Ukraine mit all den Auswirkungen auch auf uns hier in Deutschland. Die dadurch verursachte Energiekrise, die teilweise Verknappung von Gütern und nicht zuletzt die Unsicherheit in der Bevölkerung beeinträchtigen durchaus auf die eine oder andere Weise auch das anstehende Weihnachtsgeschäft.

Was teilen Ihnen die Einzelhändler aus Wermelskirchen und dem Kreisgebiet mit?

Otto: Die Einzelhändler in der Region hoffen natürlich auf ein insgesamt und trotz allem gut laufendes Weihnachtsgeschäft und gehen davon aus, dass der Umsatz relativ stabil bleibt. Der Einzelhandel möchte die Chance wahrnehmen, das Weihnachtsgeschäft für die Kundinnen und Kunden möglichst positiv zu gestalten, und das versuchen sie mit drei wichtigen Punkten: Sie halten gute Angebote bereit, beraten die Kundschaft individuell und sorgen für ein schönes Ambiente in der Stadt.

Was sind die größten Sorgen?

Otto: Wie schon gesagt, haben die Einzelhändler vor allen Dingen die Sorge, dass es eine insgesamt eher schlechte Verbraucherstimmung gibt – ausgelöst durch die genannten Probleme, wie etwa der Energiekrise. Denn das kann wiederum dafür sorgen, dass im Geldbeutel der Menschen insgesamt weniger Geld fürs Einkaufen für Weihnachten übrigbleibt.

Gibt es eventuell auch ein paar Hoffnungsschimmer?

Otto: Ja, tatsächlich, denn die Kunden sind trotz allem dazu entschlossen, in Weihnachtsgeschenke zu investieren.

Und wie sehen allgemein die Prognosen für den Dezember aus?

Otto: Wir erwarten für das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr ein nominales Plus von fünf Prozent. Das ist zunächst einmal ein Grund zur Freude, was auch von den Wirtschaftsweisen so bestätigt wird. Allerdings bedeutet dies wiederum ein reales Minus von vier Prozent. Das wiederum zeigt: Es bleiben also trotz dieser zumindest teilweise positiven Zahlen doch sehr schwierige Zeiten für den regionalen stationären Handel.

Ist die Weihnachtszeit immer noch die umsatzstärkste Zeit im Handel?

Otto: Einige Einzelhändler sprechen mittlerweile davon, dass der Black Friday bei ihnen der umsatzstärkste Tag des Jahres sei. Im Großen und Ganzen ist aber die Weihnachtszeit sicherlich immer noch die Zeit mit dem stärksten Umsatz.

Glauben Sie, die Entscheidung für weniger Weihnachtsbeleuchtung beeinträchtigt den Umsatz?

Otto: Nein, das glaube ich tatsächlich absolut nicht.

Inwieweit kann der Handelsverband dem Handel in dieser Zeit zur Seite stehen?

Otto: Der Handelsverband kann sich dem Einzelhandel mit verschiedenen Aktionen unterstützend zur Seite stellen. Das geschieht beispielsweise im Rahmen der Aktion „Türen zu, Geschäft offen“, bei der das Thema Klimaschutz auch in den Handel geholt wird und darauf hingewiesen wird, dass Energiekosten durch geschlossene Türen und geringere Beleuchtung eingespart werden sollen, allerdings dennoch die Geschäfte geöffnet sind. Und dann setzt sich der Handelsverband natürlich auch auf politischer Ebene permanent für den Handel ein.

Wie schädlich sind denn Ihrer Einschätzung nach Inflation und die Energiekrise für den Handel?

Otto: Diese beiden Punkte stellen den Handel natürlich insgesamt vor durchaus große Herausforderungen. Auf der einen Seite ganz einfach deswegen, weil er selber davon betroffen ist. Auf der anderen Seite bekommt er aber die Auswirkungen durch das Kaufverhalten der Kunden zu spüren. Es gilt aber eines zu bedenken: Drohen dem stationären Einzelhandel Schließungen durch zu niedrige Kundenfrequenz – und dann ganz egal, wodurch diese ausgelöst werden –, haben die Bürgerinnen und Bürger kurz- und vor allem aber auch langfristig das Nachsehen. Die so wichtige persönliche Beratung im stationären Handel fällt dann beispielsweise weg. Ein weiteres Beispiel: Der Stadtbummel durch eine Fußgängerzone, in der es immer weniger Geschäfte, und damit auch immer weniger Auswahl, gibt, lockt in der Konsequenz immer weniger Menschen in die Innenstadt. Dies wiederum hat nicht nur Auswirkungen auf den stationären Handel. Aber die Pandemie hat schon gezeigt, dass sich der Handel nicht so schnell unterkriegen lässt. Ich bin zuversichtlich, dass der Einzelhandel auch diese Herausforderung meistern wird.

Der Online-Handel wird hier sein Übriges dazutun, oder?

Otto: Der stetig zunehmende Onlinehandel sowie die drei Jahre der Corona-Pandemie haben die Innenstädte in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck gesetzt. Vermeintlich ist es ja einfacher und bequemer, mal eben schnell und von zu Hause aus etwas zu bestellen und es dann direkt dorthin geliefert zu bekommen.

Gibt es hier mittlerweile Strategien, wie der stationäre Handel dem begegnen kann?

Otto: Diese Strategien gibt es tatsächlich schon länger. Eine Strategie ist die sehr gute und individuelle Beratung vor Ort durch die Einzelhändler. Dann darf man nicht die Bedeutung der Möglichkeit außer Acht lassen, die Ware nicht nur auf einem Foto, sondern tatsächlich, sozusagen im wirklichen Leben, zu sehen, und sie auch einmal in die Hand zu nehmen und auf diese Weise zu vergleichen.

Gibt’s Trends fürs Weihnachtsgeschäft?

Otto: Tatsächlich ist zu beobachten, dass sich die Trends aus dem Vorjahr wiederholen: Bekleidung wird wieder sehr gut verkauft werden, ebenso technische Produkte und Bücher. Reisen zu verschenken, könnte ebenfalls ein Trend sein. Nicht zuletzt nimmt der Bereich der Secondhand-Waren in diesem Weihnachtsgeschäft einen höheren Stellenwert bei den Kunden ein.

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