Pandemie

Was erwartet Wermelskirchen im Lockdown?

Schulhöfe sind gesperrt, Schulen und Kitas geschlossen: Der Lockdown geht in die Verlängerung. Archivfoto: Hanna Kalff
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Schulhöfe sind gesperrt, Schulen und Kitas geschlossen: Der Lockdown geht in die Verlängerung.
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Noch ist der Kreis von einer 7-Tage-Inzidenz von über 200 weit entfernt.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Thomas Marner beobachtet die Corona-Situation im Kreis ganz genau. Der Technische Beigeordnete ist Leiter des Wermelskirchener Krisenstabs und als solcher trifft er im Team Entscheidungen für die Stadt, die die Corona-Pandemie betreffen.

Der am Dienstag von Bund und Ländern beschlossene verlängerte Lockdown wird laut Thomas Marner – erst einmal – für Wermelskirchen keine weitreichenden Auswirkungen haben. Zumindest keine, die das ohnehin eingeschränkte Leben noch einmal verändern würden. Denn eine entscheidende Verschärfung der Maßnahmen betrifft Kreise und kreisfreie Städte mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 200. Dort, wo das der Fall ist, sollen die Bürger laut der Anfang kommender Woche in Kraft tretenden neuen Coronaschutzverordnung ihren Wohnort nur noch in einem Radius von 15 Kilometern verlassen dürfen.

„Im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Inzidenz zurzeit erfreulicherweise rückläufig“, sagt Thomas Marner. Tageweise Schwankungen hätten nur eine geringe Bedeutung. So lag die Inzidenz am Wochenende noch bei knapp über 100, am Mittwoch dann wieder bei 112. „Ich erwarte zumindest in den nächsten zehn Tagen aber keine Inzidenz von über 200 bei uns im Kreis“, sagt der Beigeordnete.

Seit Ende Dezember bekommt die Stadt vom Landeszentrum für Gesundheit auch die Inzidenz für Wermelskirchen zugeschickt. Das sei aber keine Information, mit der man letztlich viel anfangen könne, betont Thomas Marner. „Sie liegt derzeit bei 131. Aber eine Stichprobe mit 35 000 Einwohnern wie in Wermelskirchen ist einfach zu klein für diese Berechnung. Deshalb hat man sich bewusst für die Berechnung in kreisfreien Städten und Landkreisen entschieden.“

Sollte der Rheinisch-Bergische Kreis die 200er-Grenze pro 100 000 Einwohner doch einmal überschreiten, ist Marner gespannt auf die genauen Bestimmungen. „Zum Beispiel wäre gut zu wissen, wie die 15 Kilometer berechnet werden. Und auch wüsste ich gerne, was genau ein triftiger Grund ist, diesen Radius von 15 Kilometern zu verlassen.“ Er gehe aber davon aus, dass die entsprechenden Erklärungen in der neuen Fassung der Coronaschutzverordnung zu finden sein würden.

Für die Ordnungsämter wird die Verfolgung schwierig

Schwierig würde es wohl für die Ordnungsämter, entsprechende Verstöße gegen die neuen Klauseln in der Verordnung zu ahnden. Marner: „Das geht ja schon damit los, dass das Ordnungsamt keine Fahrzeuge anhalten darf. Und auf Parkplätzen gestaltet sich die Kontrolle auch schwierig, denn für die Ausübung des Berufs darf ich natürlich meinen Wohnort auch für weitere Strecken als 15 Kilometer verlassen – und sicher danach auch noch kurz im Supermarkt einkaufen.“

Schweren Verstößen, dessen ist sich der Beigeordnete indes sicher, würden die Ordnungshüter nachgehen und mit entsprechenden Geldstrafen ahnden.

Auch für den Fall, dass die Stadt – ähnlich wie jüngst Kommunen im Sauerland – plötzlich zum touristischen Hotspot würde, gibt es Konzepte. „Das hatten wir im Frühjahr schon mal, als plötzlich Horden von Wanderern hier aufschlugen“, berichtet Thomas Marner. „Da haben wir einfach eine Straße gesperrt, in der hätte geparkt werden müssen. So würden wir es auch wieder machen.“

Die Hoffnungen vieler ruhen derzeit auf dem Impfstoff. Auch was das Impfen angeht, hat Thomas Marner Wermelskirchen im Blick: „Ich sehe das exakt so wie unsere Bürgermeisterin. Ein zweiter Standort für ein Impfzentrum bei uns in Wermelskirchen ist praktisch unerlässlich.“ Das sei vor allem deshalb so, weil nicht mobilisierte Menschen über zwei Stunden für den Weg nach Bergisch Gladbach einkalkulieren müssten. „Wir würden mit dem Zentrum dann Anlaufstelle für Wermelskirchener, Burscheider und Leichlinger sein. Dafür wollen wir uns einsetzen.“ 

Hintergrund

Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin haben sich am 5. Januar auf weiterführende Maßnahmen geeinigt, um die Ausbreitung des Virus noch wirksamer zu bekämpfen. Die aktuellen Corona-Maßnahmen werden in Nordrhein-Westfalen in den Coronaschutzverordnungen umgesetzt. Die neue Fassung tritt mit Beginn des 11. Januar in Kraft.

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Wenn es von Bund und Ländern neue Beschlüsse bezüglich der Corona-Pandemie gibt, dann blicken alle gespannt nach Berlin. „Was dürfen wir denn jetzt künftig?“, heißt es dann häufig. Dabei sind es im Grunde gar nicht die Politiker im fernen Berlin, die angesichts der konstant hohen Infektionszahlen unser Verhalten in den kommenden Wochen beeinflussen sollten, sondern schlicht die Funktionsweise des gemeinen Virus, das uns seit März verfolgt. Immer noch, das bekommt der eine oder andere im Bekanntenkreis vielleicht mit, treffen sich zu viele Menschen miteinander in Innenräumen. Nicht, weil sie jemandem schaden oder sich widersetzen möchten, sondern wohl eher weil sie die Risiken unterschätzen, nach dem Motto: „Was können mir Freund oder Freundin denn schon anhaben?“ 

Der Schein trügt oft, denn so wird das Virus weitergegeben. Gerade dann, wenn man sich heute mit dem und morgen mit dem anderen trifft. Laut Verordnung wäre das erlaubt, klug wäre es indes nicht. Also sind wir doch mal klug, verzichten ein bisschen. Das tun wir für uns und für niemand anderes. 

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