Wiedersehen

Erinnerungen an die strenge Henne

Wiedersehen nach 50 Jahren: Petra Weber und Nina Knaak.
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Wiedersehen nach 50 Jahren: Petra Weber und Nina Knaak.

Nach 50 Jahren organisieren Nina Knaak und Frank Tenzer ein Klassentreffen der Grundschüler aus Dhünn.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Die Strümpfe kratzten und rutschten. Die Krawatten ziepten und der Friseur hatte in der Vorwoche ganze Arbeit geleistet: Sowohl die Jungen als auch viele Mädchen trugen konsequente Kurzhaarschnitte. „Ich stand in der ersten Reihe und guckte in den Himmel statt in die Kamera“, sagt Petra Weber und fischt das alte Schwarz-Weiß-Foto aus einer kleinen gestickten Tasche.

Bevor sie das Bild auf den Tisch legt, jubelt Nina Knaak neben ihr schon fröhlich. „Die Tasche habe ich auch noch, die haben wir im Handarbeitsunterricht gemacht.“ Und dann nehmen die beiden Frauen giggelnd das alte Stückchen Stoff unter die Lupe, bevor sie sich dem Foto widmen.

Die Erinnerungen werden in Windeseile lebendig. 1968 feierten Petra Weber und Nina Knaak gemeinsam mit fast 60 anderen Kindern Einschulung in der Dhünner Grundschule. „Das hier bin ich“, sagt Nina Knaak und deutet auf ein Mädchen mit einer Schultüte voller Blumen.

Und dann fallen den beiden Frauen viele Gesichter in den Blick, die ihnen auch nach all den Jahren noch seltsam vertraut vorkommen. „Wir haben eben unsere Kindheit miteinander verbracht“, sagt Nina Knaak, „und das war in Dhünn schon etwas Besonderes. Jeder kannte jeden.“

Dann stoben sie in alle Himmelsrichtungen aus – erkundeten die Welt, kehrten zurück oder wurden an ganz anderen Orten heimisch. „Aber du kommst in ein Alter, da wünschst du dir, diese ganzen Gesichter noch mal wiederzusehen“, sagt Nina Knaak und deutet auf das Foto, das 1968 auf den Stufen vor der Dhünner Kirche aufgenommen wurde. Und deswegen nahm sie gemeinsam mit ihrem Schulfreund Frank Tenzer die Sache selbst in die Hand: Sie holten auch Petra Weber ins Boot und planen nun ein Klassentreffen – zum ersten Mal, ein halbes Jahrhundert nach ihrem Abschied von der Grundschule.

Gemeinsam mit Frank Tenzer hat Nina Knaak, die inzwischen in Heiligenhafen lebt, Adressen ausfindig gemacht. „Wir haben erst mal im Internet gesucht“, sagt sie. Vor allem die ehemaligen Mitschülerinnen, die im Laufe ihres Lebens geheiratet haben und einen anderen Nachnamen tragen, ließen sich so aber nicht finden. „Also haben wir bei den Eltern angerufen, die oft noch in Dhünn oder den Dörfern wohnen“, sagt Nina Knaak. Mehr als 40 Adressen fanden sie so heraus.

Und sie führten schöne Gespräche, teilten wertvolle Erinnerungen. „Ich fragte eine Mutter einer ehemaligen Mitschülerin am Telefon, ob sie sich noch an mich erinnere“, erzählt Nina Knaak. Die Antwort der alten Dame: Du warst das Mädchen mit dem langen, schwingenden Konfirmationskleid. Petra Weber und Nina Knaak lachen und sehen sich dann das alte Konfirmationsfoto an, das ebenfalls in der Stofftasche steckt.

Bei ihrer Recherche fanden Frank Tenzer und Nina Knaak aber auch heraus, dass acht ihrer ehemaligen Schulkameraden bereits verstorben sind. Und acht weitere konnten sie einfach nicht auftreiben. „Aber wir suchen weiter“, sagen Petra Weber und Nina Knaak.

Ein bisschen Zeit bleibt ihnen schließlich noch: Das große Klassentreffen ist für das Dhünnsche Kirmeswochenende anberaumt – mit einem Besuch ihrer alten Schule, Erinnerungsfotos mit Schultüte auf der Treppe. „So wie früher“, sagt Nina Knaak und deutet auf die Bilder, die sie mit Schultüten in der Hand am Einschulungstag zeigen. Anschließend besuchen die Jubilare dann die Dhünner Kirche – und gedenken auch den Mitschülern, die bereits gestorben sind. Zum gemeinsamen Erinnern kehrt die Gruppe dann im Restaurant ein. „Und vielleicht klingt der Tag ja auf der Kirmes aus“, sagt Nina Knaak.

Die Organisatoren gehen davon aus, dass um die 40 Ehemalige zum Klassentreffen kommen. „Schon jetzt haben wir aber gewonnen“, sagt Knaak. Denn inzwischen gibt es eine Whatsapp-Gruppe der ehemaligen Mitschüler – mit über 40 Mitgliedern: „Manchmal schickt einer einfach ein Bild rum und einem anderen fallen dazu Anekdötchen ein“, sagt Weber. Der Name der Gruppe: die Henne. „So haben wir damals unsere Lehrerin genannt, das Fräulein Hendrichs.“

Sie führte mit strenger Hand die Klasse, klebte den Kindern auch mal mit Pflaster den Mund zu. „Aber sie gehörte einfach zu unserem Leben dazu“, sagt Nina Knaak. Und dann erzählt sie, wie sie am zweiten Schultag durch die Klasse spaziert und auf den Schoß der strengen Lehrerin geklettert sei. „Daran hat mich die Henne ihr Leben lang erinnert“, sagt Nina Knaak und dann beginnt sie, erneut durch die alten Bilder zu blättern.

Hintergrund

Kontakt: Wer im Sommer 1968 in der Grundschule in Dhünn eingeschult wurde, ist zum Klassentreffen willkommen. Er solle einfach den Kontakt zu irgendeinem der alten Klassenkameraden suchen, sagt Nina Knaak, und bekomme dann eine Einladung.

Termin: Das Treffen findet zur Kirmes in Dhünn statt – die immer eine Woche vor der Herbstkirmes gefeiert wird, also am vorletzten August-Wochenende.

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