Er weiß nun, was er erreichen kann

Oumar Diallo musste mit 14 Jahren seine Heimat verlassen, kam als minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling nach Wermelskirchen. Foto: Jürgen Moll
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Oumar Diallo musste mit 14 Jahren seine Heimat verlassen, kam als minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling nach Wermelskirchen.

Oumar Diallo ist 2017 aus Guinea geflohen - Jetzt hat er als Bester die Metalltechnik-Berufsfachschule abgeschlossen

Von Theresa Demski

Sein Zeugnis liest sich wie eine Erfolgsgeschichte: zwei Einsen, der Rest Zweien. Kein Schüler der Berufsfachschule für Metalltechnik am Berufskolleg hat im vergangenen Jahr mehr Punkte gesammelt. Oumar Diallo lächelt schüchtern. „Ich musste viel dafür lernen“, sagt der 18-Jährige, „aber ich habe eben schon immer gerne gelernt.“ Die Geschichte des jungen Mannes beginnt weit vor den Abschlussprüfungen und auch weit vor seiner Flucht aus Guinea. „Früher wollte ich Informatiker werden“, erzählt er. Schon als Junge habe er sich mit Technik und Computer beschäftigt. Neben seiner Muttersprache lernte er schon damals Französisch und Englisch. Oumar Diallo war gerade 14 Jahre alt, als er seine Heimat verließ. „Das macht niemand leichtfertig“, sagt er, „oder weil es ihm Spaß macht.“ Und das habe auch nichts mit Mut zu tun, als Minderjähriger sein Zuhause zu verlassen: „Wenn man weiß, warum man läuft und die Angst im Nacken hat, dann muss man immer weitergehen.“ Sein Weg führte ihn nach Deutschland und schließlich nach Wermelskirchen. Als minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling fand er Zuflucht in einer Wohngemeinschaft der Jugendhilfe – und er knüpfte Kontakt zur Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“. Hier lernte er erste Brocken Deutsch, und hier lernte er Jochen Bilstein kennen, der sich anbot, ihm beim Ankommen zu unterstützen.

Offene Fragen hat er mit zu Jochen Bilstein genommen

„Deutsch ist keine einfache Sprache“, sagt Oumar Diallo, „aber ich hatte Glück: Sprachen lernen, das war mir nie besonders schwer gefallen.“ Also lernte der damals 15-Jährige schnell die neuen Wörter. Er nutzte jede Gelegenheit, um die neue Sprache zu sprechen. Der Unterricht trug Früchte, und Oumar Diallo meldete sich für die Integrationsförderklasse am Berufskolleg an. „Das war am Anfang nicht so leicht“, sagt er. Aber er sei auf viel Verständnis und engagierte Lehrer getroffen. Und die merkten: Oumar Diallo wollte lernen. Der junge Mann machte ein Praktikum in der Metalltechnik, entdeckte seine Begeisterung fürs Handwerk und trat den Weg zur Fachoberschulreife an. Natürlich sei ihm im Unterricht manchmal das Verstehen schwer gefallen. „Aber wenn Fragen offen blieben, habe ich sie eben mit zu Herrn Bilstein genommen“, sagt er. Oumar Diallo lernte, recherchiere und stellte sich hochmotiviert dem Schulalltag.

Die Mühe wird belohnt: mit der Auszeichnung als bester Schüler der Berufsfachschule für Metalltechnik im Schuljahr 2020/2021. Mit diesem Zeugnis hat er auch einen Ausbildungsbetrieb in Wermelskirchen überzeugt: Am 2. August beginnt der 18-Jährige eine Ausbildung der Metalltechnik. Die Freude über diese Perspektive ist ihm ins Gesicht geschrieben. Für ihn sei diese Chance besonders wichtig. Sollte ihm der Aufenthaltstitel trotz der Integrationsleistung nicht zugesprochen werden, könnte ihn die Ausbildung fürs Erste vor der Ausweisung schützen.

Heute lebt der 18-Jährige in Remscheid: Die Wohngemeinschaft der Jugendhilfe war nach Remscheid umgezogen. Er wolle gerne nach Wermelskirchen zurückkehren, sagt Diallo: „In meinem Herzen bin ich längst ein Wermelskirchener.“ Jeden Tag mache er sich mit dem Bus auf den Weg von Remscheid hierher. Schließlich seien hier seine Kontakte und auch mit Bilstein trifft er sich noch gelegentlich.

„Ich freu mich echt, hier zu sein“, sagt er, „ich weiß jetzt, was ich erreichen kann.“ Irgendwann, sagt Diallo, wolle er noch das Informatikstudium aufnehmen.

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