Erinnerung an alte Zeiten

Er war ein Glücksfall für den Fußball

Edgar Müller engagiert sich seit den 1980er Jahren für den Sport – mit seinem Rückzug hinterlässt er ein großes Erbe.
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Edgar Müller engagiert sich seit den 1980er Jahren für den Sport – mit seinem Rückzug hinterlässt er ein großes Erbe.

Edgar Müller legt mit 81 Jahren sein letztes Amt beim SV 09/35 nieder.

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. Eigentlich will er nicht in die Öffentlichkeit. Das hat Edgar Müller direkt am Anfang klar gestellt. Das wollte er nie – und das will er auch jetzt, mit fast 82 Jahren, nicht. Vereinskollegen, denen das Rampenlicht gefiel, gab er stets lächelnd den Vortritt. „Ich war immer sehr zufrieden dort, wo ich stand“, sagt er und lächelt. Er hat sich schließlich doch überreden lassen: In der Woche, in der er nun auch sein letztes Amt in der heimischen Sportwelt niederlegt, erinnert er sich an turbulente Zeiten, an Meilensteine, an echte Sportkameraden. Am heutigen Mittwoch verabschiedet der Förderverein des SV 09/35 Edgar Müller in den Vereinsruhestand – nach fast 40 Jahren in Aufgaben und Ämtern.

„Eigentlich waren wir gar nicht so für das Vereinsleben geschaffen“, sagt Edgar Müller und blickt zu Ehefrau Gerda. Als Jugendlicher hatte er kurz selbst auf dem Rasen gestanden, allerdings ohne große Ambitionen. Er hatte dann die Handelsschule in Ulm besucht, eine kaufmännische Lehre in der Weberei abgeschlossen, sich zum Textilkaufmann fortbilden lassen und schließlich als Geschäftsführer im Textilgroßhandel Karriere gemacht. Erst als er längst seine Gerda geheiratet hatte, die drei gemeinsamen Kinder auf der Welt waren und er selbst als Handelsvertreter arbeitete, kam das Vereinsleben wieder auf den Tisch.

Da lebten die Müllers bereits in Wermelskirchen, besuchten treu die Heimspiele der Handballer vom WTV und gelegentlich ließ sich Edgar Müller auch in der Vereinskneipe von der TuRu blicken. Und genau dort sprach ihn Horst Felten eines Abends an: Der Verein stelle sich neu auf und suche einen Geschäftsführer. Man wisse um seine kaufmännische Ausbildung und seine Begeisterung für den Sport. „Die Antwort kam wahrscheinlich einfach tief aus mir heraus“, sagt Edgar Müller. Er sagte zu, wurde 1985 Mitglied bei der TuRu und ein Jahr später ihr Geschäftsführer – er blieb es bis 2003.

„Das waren aufregende Zeiten“, sagt Edgar Müller heute. Im Eifgen entstanden unter seiner Federführung Vereinsräume im alten Freibad. „Endlich ein Zuhause, nachdem wir von Kneipe zu Kneipe gezogen waren“, sagt er. Und auch sportlich ging es bergauf: Mit einem starken Sponsor im Rücken stiegen die Fußballer bis zur Bezirks- und Landesliga auf, gewannen den Kreispokal, empfingen RW Essen im Niederrheinpokal. „Da bin ich immer noch ein bisschen stolz, was wir sportlich geschafft haben“, sagt Müller, „zwischenzeitlich haben wir höher gespielt als 09.“ Und dann grinst er etwa spitzbübisch und erzählt gut gelaunt von der alten Rivalität mit dem SV 09. „Die waren immer der feine Stadtverein und wir die Verlierer“, sagt er, „von wegen.“

Als sich die Zeiten änderten und beide Vereine mit sinkenden Zahlen und finanzieller Ausstattung zu kämpfen hatten, gehörte Müller allerdings auch zu jenen, die sich engagiert für eine Fusion einsetzten. „Nicht von Anfang an, aber dann überzeugt“, sagt er. Ruhig und sachlich, das sei eben so seine Art, habe er Gespräche aufgenommen, 2004 folgte die Fusion – und Müller wurde Geschäftsführer der Fußballabteilung.

Alles, was anfiel, landete bei Edgar Müller – die Mitorganisation großer Freundschaftsspiele gegen Bayer Leverkusen genauso wie die Erstellung der Vereinschronik. Auch als er 2013 längst sein Amt in jüngere Hände übergeben hatte, blieb er Ansprechpartner und Ratgeber. Mit seinem Ruhestand wurde er Fahrer beim Bürgerbusverein. Zuletzt warb er als Geschäftsführer des Fördervereins um finanzielle Unterstützung für den Verein, der Kunstrasen entstand. Edgar Müller hat seine Spuren hinterlassen im sportlichen Leben der Stadt – jetzt übergibt er in jüngere Hände.

Ehrungen

Verdienstnadeln, eine Auszeichnung des DFB für den „Club der 100“ und die Ernennung zum Ehrenmitglied des SV 09/35: Edgar Müller hat viele Auszeichnungen erhalten. Auch in diversen Spruchkammern engagierte er sich.

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