Prozess

Er soll einen Brand in der Sparkasse ausgelöst haben

Nach dem Brand war der Eingangsbereich der Sparkassen-Hauptstelle an der Telegrafenstraße geschlossen.
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Nach dem Brand war der Eingangsbereich der Sparkassen-Hauptstelle an der Telegrafenstraße geschlossen.

Ein 28-Jähriger aus Wermelskirchen muss sich vor dem Landgericht Köln verantworten.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Ein 28 Jahre alter Mann aus Wermelskirchen muss sich derzeit vor der 10. Großen Strafkammer am Landgericht Köln verantworten. Und zwar wegen einer ganzen Reihe an Vorwürfen, die der Wermelskirchener in einem Zustand der paranoiden Schizophrenie begangen haben soll.

Wegen dieser Erkrankung befindet sich der Mann seit Februar offenbar in Behandlung in einer Klinik für Forensische Psychiatrie. In dem Verfahren, für das am Kölner Landgericht insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt sind, soll es auch darum gehen, ob der Mann dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden soll, weil er wegen seines wahnhaften Geisteszustands eine Gefahr für sich und auch für die Gesellschaft sein könnte.

Konkret wird dem 28-Jährigen vorgeworfen am 14. und 16. Januar – entgegen eines Hausverbots – in die Sparkassenfiliale an der Telegrafenstraße gegangen zu sein. „Am 14. Januar ist es beim widerrechtlichen Betreten des Gebäudes geblieben. Am 16. Januar hat er in der freien Tankstelle an der Berliner Straße einen Benzinkanister geklaut, diesen mit Benzin befüllt, das er dann am Vormittag im Eingangsbereich der Sparkasse entleert und dann angezündet hat“, las der Staatsanwalt aus der Anklageschrift vor. Der dabei entstandene Schaden habe sich auf über 310 000 Euro belaufen. Außerdem, das habe dann auch zu seiner Festnahme geführt, soll der Mann am 22. Februar in seiner Wohnung randaliert haben. Eine Nachbarin habe die Polizei gerufen. Der Angeklagte soll die Beamten unter anderem mit ‚Hurensöhne‘, ‚Bastarde‘ und ‚Missgeburten‘ beschimpft haben und nach einem Polizisten mit einem großen Küchenmesser geworfen haben, heißt es in der Anklageschrift.

Angeklagter will Gegenanzeige starten

Als der Vorsitzende Richter das Wort an den Angeklagten richtete und ihn fragte, ob er zu den Vorwürfen etwas aussagen will, startete dieser mit einem Redeschwall, der bisweilen nicht nachvollziehbar war. „Ich möchte gerne eine Gegenanzeige stellen, wegen Falschaussage und falscher Darstellung“, sagte er mit einer tiefen, emotionslosen, sonoren Stimme.

Die Sätze, die er sprach, klangen oft so, als hätte er Begriffe einmal gehört, ohne aber ihren Sinn zu verstehen. Nur selten kamen Antworten, bei denen auch der Richter den Eindruck hatte, dass der Angeklagte die Frage tatsächlich verstanden hatte.

Meistens hielt der 28-Jährige Monologe

Meistens hielt der 28-Jährige lange Monologe, die sich das Gericht geduldig anhörte. Grundsätzlich ergab sich der Eindruck, dass der Angeklagte sich der Denunziation und dem Machtmissbrauch Dritter ausgesetzt fühlt. Sei es durch die Polizisten, die in den vergangenen drei Jahren fünf- oder sechsmal seine Haustür ohne Grund eingetreten hätten, sei es die Sparkassen-Leitung, die ihn „beschimpft, bespuckt und beleidigt“ habe.

Als der Angeklagte dann berichtete, dass er in der Klinik ein Klavier von Wladimir Putin bekommen habe, er von einem „sehr, sehr großen Vermögen“ sprach, über das er eigentlich verfüge, das aber von der Sparkasse zurückgehalten werde, und über den Zustand seiner Wohnung nach dem Besuch der Polizei im Februar sagte „das sieht aus wie ein Collage von RTL“, wurde es skurril. Auf die letzte Frage des Richters, wie er sich denn seine Zukunft vorstelle, gibt der 28-Jährige Wermelskirchener dann noch in einem sehr kurzen Statement an: „Am liebsten weit weg von den Idioten.“

Die Verhandlung wird am Montag, 9. Januar, fortgesetzt.

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