Ausschuss

Entscheidung fürs Eifgen steht an

Um diesen Entwurf des Investors LO-projects geht es in den kommenden Wochen. Foto/Repro: LO-projects
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Um diesen Entwurf des Investors LO-projects geht es in den kommenden Wochen.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Am Dienstag berät der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr, am 28. Juni der Stadtrat

Wermelskirchen. Jochen Bilstein hatte sich als Fraktionsvorsitzender der SPD eigentlich vor einigen Wochen schon klar zum Thema Eifgen positioniert. Der Ortspolitiker hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er für das Projekt des Vereins Bowl Church wenig Chancen sieht und hatte das auch ausführlich begründet.

Sprechen möchte er indes aktuell nicht für seine ganze Fraktion: „Es gibt bei uns unterschiedliche Ansichten. Wir beraten uns noch“, sagt Bilstein am Mittwoch auf Nachfrage. Was für ihn ganz klar ist: „Der Ton ist so rau geworden in der Debatte. Das ist deshalb schon jetzt eines der unangenehmsten Themen, das ich während meiner Amtszeit bearbeitet habe.“

Ein wenig Zeit gibt es dafür noch. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr hat das Thema am kommenden Dienstag auf seiner Sitzungsordnung. Am 28. Juni soll der Stadtrat dann darüber entscheiden, ob der von der Stadtverwaltung ins Rennen gebrachte Entwurf des Investors LO-projects weiter verfolgt oder ob das Verfahren neu aufgerollt werden soll.

Ortspolitiker entsetzt über den rauen Ton

Der Rat hatte in seiner ersten Sitzung in neuer Konstellation am 21. September 2020 die Verwaltung beauftragt, die Ausarbeitung des Projektansatzes der LO-projects GmbH zu begleiten und die Abwicklung zur Umsetzung des vorgeschlagenen Konzeptes vorzubereiten.

Im November 2020 hatte dann ein Auftaktgespräch mit dem potenziellen Investor, dem Gebäudemanagement und dem Amt für Stadtentwicklung stattgefunden. Im Dezember folgte eine gemeinsame Ortsbesichtigung, bei der sich Rainer Kohl als Geschäftsführer der LO-projects einen vertieften Überblick über die Örtlichkeit und die Gebäudesubstanz verschaffen konnte. Auf Grundlage der zur Verfügung gestellten Unterlagen und der gewonnenen Erkenntnisse aus der Ortsbesichtigung beauftragte LO-projects das Planungsbüro Tilke – Engineers & Architects aus Aachen mit einer Entwurfsplanung.

Die wurde am 16. Februar der Verwaltung, am 3. März dem Arbeitskreis Stadtentwicklung und am 8. März im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr zur Kenntnis vorgestellt.

In der Zwischenzeit hatten die Fraktionen Gelegenheit, über die vorgelegte Planung zu beraten. Das tun sie auch zum Teil noch, wie sich auf Nachfrage bestätigt. „Die Entscheidung ist wirklich nicht leicht. Wir werden das kurzfristig tun“, sagt Michael Schneider (CDU). Auch er merkt an, dass er „erschrocken über den teilweise ungerechten und harten Diskurs“ sei. Insbesondere habe ihn, der selbst Mitglied der Freikirchlichen Gemeinde ist, in der auch die jungen Mitglieder von Bowl Church aktiv sind, der Ende voriger Woche erschienene offene Brief brüskiert.

WNK/UWG und BüFo bleiben bei ihrer Meinung

Wie berichtet, hatten sechs Wermelskirchener darin kritisiert dass in der öffentlichen Darstellung des Vereins Bowl Church nicht klarwürde, wofür der Verein eigentlich stehe. Sendungsbewusst und missionarisch komme die Weltsicht der Vereinsmitglieder bei ihnen an, merkten die Schreiber an.

Auch Oliver Platt (BüFo), der sich mit seiner Fraktion bereits für das Investorenmodell von LO-project ausgesprochen hatte und bei dieser Entscheidung auch bleiben will, ist der Ansicht, dass die jungen Vereinsmitglieder präsenter hätten machen sollen, wofür sie mit ihrem Verein stehen. „Dann hätte man sich ja als Bürger immer noch dafür aussprechen können, wenn man diese Weltsicht teilt“, sagt Platt.

Grüne und FDP sind noch in Beratungen zum Thema. Henning Rehse (WNK/UWG) bleibt indes ebenfalls bei seiner bereits veröffentlichen Meinung: „Wir sind dafür, dass Investorenverfahren neu aufzurollen, denn darum geht es ja schließlich in der aktuellen Debatte. Und wir finden, alle Beteiligten sollten sich ein bisschen entspannen.“

Hintergrund

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr tagt am Dienstag, 22. Juni, ab 17 Uhr im Großen Saal des Rathauses. Dort wird sich knapp eine Woche später, am 28. Juni, zur gleichen Uhrzeit auch der Stadtrat sich versammeln. Dann steht die Entscheidung darüber an, ob das Investorenmodell weiter verfolgt wird oder ob das Verfahren komplett neu aufgerollt werden soll. Dann könnten sich alle wieder bewerben.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Es wird jetzt langsam spannend, was die Entscheidung fürs Eifgen angeht. Kommende Woche, am 22. Juni, liegt das Thema schon mal beim Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr auf dem Tisch, am 28. Juni steht denn die Entscheidung im Rat an. Es geht indes noch nicht primär darum, wer den Zuschlag für die Erschließung des beliebten Areals bekommt, sondern ausschließlich darum, ob das Investorenverfahren neu aufgezogen werden oder die Entscheidung bei dem von der Stadt ursprünglich vorgeschlagenen Projekt bleiben soll. Wie die Entscheidung am 28. Juni letztlich ausfallen wird, ist noch völlig offen. Es ist auch noch überhaupt keine Tendenz zu erkennen, welcher Weg letztlich durch die Mehrheitsentscheidung der Ortspolitiker den Zuschlag bekommt. Allerdings ist während der vergangenen Wochen der Ton in der Debatte nicht nur rauer, sondern teilweise auch beleidigend geworden. Das sollte nicht Sinn der Übung sein, denn es bringt vor allem überhaupt nichts. Alle Fraktionen sollten sich ausgeruht für einen Weg entscheiden, der im Bestfall allen Wermelskirchenern dient.

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