Handwerk

Energiesorgen drängen Friseure in die nächste Krise

Friseur-Meister Dirk Kiel-Onneken sagt, er brauche dringend stabile Preise, um endlich wieder verlässlich planen zu können.
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Friseur-Meister Dirk Kiel-Onneken sagt, er brauche dringend stabile Preise, um endlich wieder verlässlich planen zu können.

Waschen, Schneiden, Föhnen: Steigende Preise bedrohen die Existenz

Von Theresa Demski

Wermelskirchen. In den heimischen Friseursalons stapeln sich die Sorgen: Noch ist vielen nicht klar, wie hoch die Energierechnung ausfallen wird. Einsparungsmöglichkeiten gibt es in dieser Branche so gut wie keine. „Natürlich haben wir Sorgen“, sagt Marika Günther, die an der Pfarrstraße ihren Salon „Coiffeur Marika“ betreibt. Noch sei nicht absehbar, wohin mit Blick auf die Energiepreise die Reise hingehe. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten“, sagt die Unternehmerin.

Preise erhöhen die Friseure nur zögerlich – Der Kunden zuliebe

Ein ähnliches Verhalten allerdings beobachtet sie auch schon bei den Kunden: Immer mehr Menschen seien vorsichtiger, wenn es darum geht, Geld auszugeben. Wer früher alle vier Wochen in den Salon kam, um den Schnitt in Form zu halten, käme nun manchmal nur noch alle acht Wochen. „Vor Weihnachten und auch jetzt zwischen den Jahren herrschte sonst oft Hochbetrieb“, erzählt Marika Günther, „in diesem Jahr ist es merklich ruhiger.“ Dazu komme, dass in den vergangenen Wochen viele Kunden kurzfristig wegen Grippe oder Corona absagen mussten: „Das war ein Schlag für viele Friseure.“

Großen Handlungsspielraum gebe es für ihre Zunft nicht: Das Deko-Licht bleibe aus, aber am Wasser oder der Heizung könne ein Friseursalon nicht sparen. Sie habe die Preise etwas erhöhen müssen. „Aber sehr vorsichtig“, sagt Marika Günther, „wir warten ab, was kommt. Allerdings scheint eine Krise auf die nächste zu folgen.“

Die Unsicherheit macht auch Dirk Kiel-Onneken zu schaffen: „Die Energiekosten sind für viele ein Faktor, der Sorgen bereitet“, sagt er. Er könne nicht die Heizung runterdrehen, schließlich säßen die Kundinnen beim Waschen und Färben mit nassen Haaren im Salon. „Wir haben die Wassertemperatur beim Haarewaschen etwas reguliert“, sagt der Friseur-Meister, „unsere Kunden sind sehr entspannt und ziehen mit.“ Viele Möglichkeiten zu sparen, gebe es aber auch in seinem Salon an der Kölner Straße nicht.

Kein guter Zeitpunkt für die nächste Krise, befindet Dirk Kiel-Onneken. Die Branche habe die Corona-Pandemie noch nicht gut weggesteckt: Vor allem kleinere Salons hätten auch nach den Lockdowns sehr unter den Regeln gelitten – ihnen blieb einfach nicht genug Platz, um auf Abstand noch gewinnbringend arbeiten zu können. Und die allermeisten Kollegen müssten auch große Teile der Corona-Hilfen zurückzahlen. „Wir brauchen jetzt dringend stabile Preise“, sagt Kiel-Onneken, „damit wir endlich wieder verlässlich planen können.“ Und dazu gehören dann auch Preiserhöhungen der eigenen Leistung: Mit der Mindestlohnerhöhung im Oktober, erhöhte man auch im Salon die Preise. Auch Produkte sind mittlerweile teurer. Und tragen müsste das letztlich der Kunde. „Um nicht irgendwann zumachen zu müssen, ist es wichtig, realistisch zu kalkulieren“, sagt der Friseur-Meister.

Auch Heidi Lilischkies denkt in diesen Tagen ebenfalls über eine Erhöhung der Preise nach. Doch sie hat auch in ihrem Salon „Schnittstelle“ an der Eich mit ihrem Team nach Einsparungsmöglichkeiten gesucht. Die Friseur-Meisterin hat ihre Beleuchtung auf Sparlampen umgestellt. Und Handtücher trocknen auf dem Wäscheständer. „Viel mehr können wir nicht machen“, sagt Heidi Lilischkies. Sie seien nach den Lockdowns ganz gut über die Runden gekommen. Sie ärgere sich allerdings sehr, dass die Friseure 7000 Euro der 9000 Euro-Corona-Hilfe nun zurückzahlen müssen. „Hätten wir das gewusst, hätte ich damals lieber einen Kredit aufgenommen, den ich jetzt Stück für Stück zurückzahlen könnte“, sagt sie. So seien die Nachwehen der Pandemie noch spürbar, während sich schon die nächste Herausforderung abzeichne. „Was als nächstes kommt?“ Heidi Lilischkies will nicht so schnell aufgeben: „Wir warten ab und rüsten uns.“

Rettungsschirm

Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks forderte unter anderem eine Ausweitung des Rettungsschirms für Friseure. Außerdem wird die Herabsetzung der Mehrwertsteuersatzes für Friseurdienstleistungen von 19 Prozent auf sieben Prozent gefordert.

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