Krise

Energiekosten stellen Klinik vor Hürden

Das Krankenhaus Wermelskirchen steht finanziell noch sicher da.
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Das Krankenhaus Wermelskirchen steht finanziell noch sicher da.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Die Versorgung in Wermelskirchen sei derzeit nicht gefährdet, sagt der Geschäftsführer.

Wermelskirchen. Die Kostenexplosion in der Energiebranche ist derzeit in aller Munde. Und die Sorge ist groß: Zwar werden die meisten in ihren Privathaushalten nicht frieren müssen im tiefsten Winter. Vielen Unternehmen könnten – je nach Branche – die in die Höhe schnellenenden Preise für Gas und Strom aber das Genick brechen.

Was wohl kaum jemand auf dem Zettel hat: Gerade die Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen, deren Existenz in den vergangenen Pandemie-Jahren so an Bedeutung gewonnen zu haben schien, sind bedroht. Denn: „Wir können unsere erhöhten Kosten ja nicht weitergeben. An wen denn auch?“, verdeutlicht Christian Madsen, Geschäftsführer des hiesigen Krankenhauses. Er unterstreicht zugleich: „Wir sind gottlob noch nicht akut bedroht, denn wir haben einen finanziellen Puffer.“ Madsen befürchtet aber wie viele andere in der Branche, dass vor allem kleinere Häuser im Umkreis an dieser Hürde scheitern könnten.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) startete am 5. September in eine bundesweite Kampagne, mit der sie auf die massiven wirtschaftlichen Bedrohungen für die Krankenhauslandschaft aufmerksam machen will. Mit einem Infomobil und anderen Veranstaltungen forderte die DKG mit allen Landeskrankenhausgesellschaften in allen Bundesländern einen umgehenden Inflationsausgleich für die Kliniken, um ungesteuerte Insolvenzen zu verhindern.

Das Problem in den Kliniken: Die Kostensteigerungen treffen auf staatlich reglementierte Preise. „Vorgesehen ist für 2022 nur eine Steigerung der Einnahmen für die Kliniken von 2,32 Prozent. Die Inflation liegt aber schon bei knapp acht Prozent und wird auf zehn Prozent steigen. Hinzu kommen seit Jahren bekannte Probleme wie der chronische Personalmangel und die ausbleibende Investitionskostenfinanzierung der Länder. Kliniken, aber auch Arzt- oder Physiotherapiepraxen können diese Kosten nicht auf ihre Patienten umlegen. „Wie sollten wir das auch machen“, merkt Madsen an.

Es sei völlig inakzeptabel, dass die Politik einfach hinnehme, dass bereits in diesem Jahr 60 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben und sich die Lage im kommenden Jahr noch weiter zuspitzen werde, schreibt die Krankenhausgesellschaft.

Nach einer aktuellen Blitzumfrage sähen knapp 40 Prozent der Krankenhäuser ihre wirtschaftliche Situation so gefährdet, dass Insolvenzen drohten. Eine wirtschaftlich solide Finanzplanung ist derzeit unmöglich, und an vielen Orten drohe deshalb die Schließung von Krankenhäusern – mit negativen Folgen für die Versorgungssicherheit.

Der Bundesverband der Krankenhausträger fordert deshalb einen Inflationsausgleich zur Stabilisierung der Krankenhäuser.

So sieht das auch Christian Madsen. Er betont zwar, dass die Situation in Wermelskirchen „erstmal stabil“ sei. „Das soll aber auch so bleiben.“

Unterstützung ist jetzt dringend nötig

Der Rheinisch Bergische Kreis und die Stadt Wermelskirchen als Träger des Krankenhauses hätten aufgrund der Corona-Pandemie einen finanziellen Puffer für die Klinik angelegt. Weil seinerzeit Patienten aus Sorge vor Infektionen geplante Operationen zuhauf abgesagt hätten, hätten Aufsichtsrat und Gesellschafter schnell reagiert, erinnert sich Madsen. Vom Kreis und der Stadt Wermelskirchen gab es eine Bürgschaft für die Aufnahme eines größeren Rahmenkredits. Weil davon schließlich nur wenig genutzt worden sei, gäbe es jetzt noch Rücklagen. So dass die Wermelskirchener sich zurzeit nicht sorgen müssten, dass die medizinische Vollversorgung in ihrer Stadt gefährdet ist. Aber Christian Madsen weiß auch, dass sich jetzt etwas tun muss. „Ewig halten unsere Puffer natürlich nicht. Jetzt ist Unterstützung dringend nötig.“ Daher stütze er den Aufruf der DKG.

Aktivitäten

Zusammen mit den Landeskrankenhausgesellschaften wird die Deutsche Krankenhausgesellschaft als Träger der Kliniken bundesweit in den kommenden Wochen an zahlreichen Orten in den Bundesländern präsent sein und Gesprächsangebote für Presse und Öffentlichkeit organisieren. Mit einer Online-Petition (http://openpetition.de/!AlarmstufeRot) will sie ihre Forderungen an die Politik bekräftigen.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Zeichen nicht gesetzt

anja.siebel@rga.de

Das ist doch noch gar nicht so lange her, als die Menschen in der ersten Phase der Corona-Pandemie auf ihren Balkonen standen und für die Mediziner und das Pflegepersonal in den Krankenhäusern klatschten. Natürlich können sich die Beklatschten dafür nichts kaufen. Aber es war zumindest eine respektvolle Geste. Von der so mancher dachte, dass sie ein Anfang sei. Ein Anfang, der möglicherweise Dinge in Gang setzen könnte, die längst überfällig waren. Bessere Bezahlung des Pflegepersonals beispielsweise.

Passiert ist seitdem aber leider nicht allzu viel. Im Gegenteil sehen sich jetzt, aufgrund der Kostenexplosion in der Energiebranche, sogar die Krankenhäuser in Gefahr. Kliniken, denen während der Corona-Pandemie doch so viel Aufmerksamkeit entgegengebracht und von denen gesagt wurde, dass sie keinesfalls überlastet sein dürften.

Wenn es sie jetzt sogar irgendwann nicht mehr gibt, ist wohl keinem geholfen.

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