Sondersitzung

Energiekosten: Sorgen der Stadt wachsen

Strom wird sich an vielen Stellen einsparen lassen müssen.
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Strom wird sich an vielen Stellen einsparen lassen müssen.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Rat und Verwaltung wollen „flexibel reagieren“ – Wie das konkret gehen soll, bleibt unklar.

Wermelskirchen. Überraschend hatte die Verwaltung für Dienstagabend zu einer Sondersitzung des Rates eingeladen. Grund waren die massiv steigenden Energiepreise. Gespräche mit einem Energieversorger hätten Beunruhigendes zutage gebracht, schilderte Robert Pap, Sachgebietsleiter der städtischen Gebäudewirtschaft. „Noch vor einem halben Jahr hätte man sicher prognostizieren können, wie sich die Preise für Gas und Strom entwickeln“, zitierte Pap den Energieversorger. Seit gut zwei Wochen sei das überhaupt nicht mehr möglich.

Die erhebliche Kostensteigerung gelte gleichermaßen für Gas und Strom. Laut einer theoretischen Berechnung, die den Ratsmitgliedern vorgelegen hatte, seien die voraussichtlichen Kosten für Strom im Jahr 2023 mit 5 Millionen Euro angesetzt, für Gas mit 2,3 Millionen Euro. Geplant seien 1,45 Millionen (Strom) und 0,80 Millionen Euro (Gas) gewesen. Pap: „Die Berechnung hätte gegriffen, wenn wir am 29. August 2022 neu gekauft hätten.“

Lage auf dem Energiemarkt sei „kaum einschätzbar“

Der Gebäudemanager erklärte, dass die Stadt schon seit mehreren Jahren mehrmals im Jahr Gas und Strom einkaufe. „Nicht mehr einmal im Jahr zum Festpreis“, so Pap. Der Grund seien bereits schwankende Kosten gewesen. Seit der Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk im japanischen Fukushima 2011 seien die Preise bereits häufig schwankend gewesen. „Damals haben wir entschieden, lieber mehrmals kleinere Mengen zu kaufen, um flexibel zu bleiben“, sagte Pap.

Aktuell gebe es allerdings derart erhebliche Schwankungen auf dem Energiemarkt, dass die Lage „kaum einschätzbar“ sei. Deshalb, so die Stadtverwaltung auf WGA-Nachfrage, sei die Sondersitzung wichtig gewesen, „um zu eruieren, wie Rat und Verwaltung gemeinsam agieren können.“

Wie sie allerdings künftig agieren werden, erfuhr die Öffentlichkeit am Dienstagabend nicht. Aufgrund „empfindlicher Vertragsklauseln“, die zu besprechen seien, wurde die Öffentlichkeit nach wenigen Minuten von der Ratssitzung ausgeschlossen. Es ging hinter verschlossenen Türen weiter.

Auf Nachfrage des WGA im Rathaus nach dem konkreten Ausgang der so wichtigen Ratssitzung hieß es am Mittwoch nur: „Fakt ist, dass Rat und Verwaltung sehr eng gemeinsam daran arbeiten, möglichst flexibel auf den Energiemarkt reagieren zu können.“

Die hohe Inflation und die steigenden Nebenkosten hatten die Verwaltung schon vor mehreren Wochen veranlasst, auch die Wermelskirchener Bürger darauf hinzuweisen, dass nun Sparen angesagt ist. Mit der Kampagne „Wermelskirchen dreht ab“ schrieb sie sich auf die Fahnen, Energiespartipps zu geben, „mit denen schon im kleinen Rahmen Geld gespart werden kann.“ Es sei jetzt „für alle eklatant wichtig, Energie zu sparen, um die Kosten im Griff zu behalten“. Bürgermeisterin Marion Lück verteilte deshalb Duschuhren an die Bevölkerung, unter anderem zum Kirmesauftakt. Die Geräte sollen die individuellen Dusch-Zeiten auf drei Minuten begrenzen.

Aber auch andere Ideen zum Energiesparen seien im Rathaus bereits umgesetzt, zu denen die Stadt nach der neuen Verordnung der Bundesregierung zur Energieeinsparung in öffentlichen Nichtwohngebäuden verpflichtet ist. Da eine Steuerung der Raumtemperatur über die einzelnen Thermostate in den Büros nicht möglich sei, werde die Vorlauftemperatur der Heizung deutlich abgesenkt. Die Raumtemperatur werde gedrosselt auf die zulässigen 20 Grad.

Hallenbad: Temperatur wird eventuell weiter abgesenkt

Geplant ist auch die weitere Absenkung der Wassertemperatur im Hallenbad, um Energie zu sparen. Sollte die Bundesnetzagentur eine Schließung der Hallenbäder empfehlen oder anordnen, wird das Quellenbad schließen, betonte die Stadtverwaltung. Das Rathaus wird zudem vom 27. Dezember bis 30. Dezember 2022 komplett geschlossen. Und: Die Temperatur in den Sporthallen soll in Absprache mit den Vereinen gedrosselt werden, um dann Individuallösungen für alle Sportarten zu finden.

Hintergrund

Im Rathaus werden laut Stadt seit Wochen Maßnahmen umgesetzt, um Energie zu sparen. Dazu zählen kein Dauerlicht auf den Fluren, keine Heizung oder warmes Wasser in öffentlichen Gebäuden bis zum 15. September oder LED-Leuchten statt herkömmlicher.

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