Bildung

Eltern wollen Schule an der Rot-Kreuz-Straße

Die Schulpflegschaftsvorsitzende Sandra Hokkeler hat klare Vorstellungen vom Standort der neuen Gesamtschule.
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Die Schulpflegschaftsvorsitzende Sandra Hokkeler hat klare Vorstellungen vom Standort der neuen Gesamtschule.

Die Pflegschaftsvorsitzende der Sekundarschule, Sandra Hokkeler, startet eine Petition

Von Anja Carolina Siebel

Und wenn es das Letzte sei, was sie tue, sagt Sandra Hokkeler entschlossen. Die Vorsitzende der Elternpflegschaft der jetzigen Sekundarschule startete am Dienstagnachmittag eine Petition, also eine groß angelegte Unterschriftenaktion, im Netz. Hokkeler sagt, sie spreche sich damit für den Willen nahezu aller Eltern der Schule an der Wirtsmühler Straße aus: „Wir möchten eine Gesamtschule“, sagt sie, „aber wir möchten diese Schule an der Rot-Kreuz-Straße.“

Wie berichtet, hatte die Stadt gemeinsam mit dem Düsseldorfer Ingenieurbüro Hitzler bereits im Januar die Pläne für eine mögliche neue Gesamtschule vorgelegt. Mit einer Gesamtschule wurde laut Stadtverwaltung deshalb geplant, weil sie neben dem Gymnasium, das ja bereits existiert, die größtmögliche Variante wäre. Möglich mit dieser Planung wären aber auch Real- oder Sekundarschule gewesen. Am vergangenen Donnerstag hatte der Schulausschuss mit großer politischer Mehrheit nun den für den Rat empfehlenden Beschluss gefasst, tatsächlich eine Gesamtschule zu bauen.

Beigeordneter rechnet mit deutlich höheren Kosten

Für die Stadt steht praktisch fest, dass die ein Erweiterungsbau der heutigen Sekundarschule an der Wirtsmühler Straße/Weyersbusch werden soll. Vor allem aus Kostengründen. Im günstigsten Fall könnte die Sanierung und Erweiterung der bestehenden Räume und Gebäudeteile auf Gesamtschul-Niveau laut Berechnungen des Ingenieurbüros 13 740 000 Euro kosten, im bisher teuersten Fall 22 710 000 Euro. „An der Rot-Kreuz-Straße müssten wir jetzt schon mit einem Vielfachen an Kosten rechnen“, hatte der Technische Beigeordnete Thomas Marner vorgerechnet.

Damit zeigen sich aber nun die Eltern der heutigen Sekundarschule keinesfalls einverstanden. „Wir, die Eltern und Schüler der Sekundarschule Wermelskirchen, begrüßen ausdrücklich, dass aus unserer Schule eine Gesamtschule entstehen soll. Gleichwohl fürchten wir um die Qualität der Schulausbildung in Wermelskirchen“, heißt es in der Petition. Indem sie davon ausgehen, dass der Rat am 28. März den Schul-Erweiterungsbau an der Wirtsmühler Straße beschließen wird, weisen die Eltern auf diesbezügliche Probleme hin: Die alten Hauptschulgebäude sollen laut vorliegenden Plänen renoviert, durch Anbauten ergänzt und die als Interimslösung errichteten Klassenraum-Containergebäude langfristig genutzt werden. Zudem soll während der Bauzeit von mindestens sechs Jahren der Unterricht der Sekundarschule beziehungsweise der neuen Gesamtschule an diesem Standort fortgeführt werden. „Das wollen wir verhindern“, unterstreichen die Eltern. Sie hätten Sorge um die langfristige Beeinträchtigung der Qualität der Schulausbildung ihrer Kinder und Enkelkinder.

Deshalb fordern sie Bürgermeisterin Marion Lück dazu auf, die Standortfrage noch einmal zu überdenken: „Legen Sie den Grundstein für eine an hohen Qualitätsstandards ausgerichtete neue Gesamtschule in Wermelskirchen. Orientieren Sie sich dabei am Referenzrahmen Schulqualität NRW, der ausdrücklich auf den Planungsrahmen für Pädagogische Raumkonzepte für Kölner Schulen von 2016 verweist. Schaffen Sie die Rahmenbedingungen für einen an aktuellen methodisch-didaktische Prinzipien ausgerichteten Unterricht. Bedenken Sie dabei, dass der traditionelle Frontalunterricht im Klassenraum schon lange nicht mehr zu den lernförderlichen pädagogischen Konzepten zählt. Im Mittelpunkt heutiger Lernkonzepte steht die individuelle und inklusive Förderung des einzelnen Kindes und Jugendlichen“, schreiben sie unter anderem.

Zur Sicherung der Wohn- und Lebensqualität in der Stadt brauche es ein angemessenes, zukunftsfähiges und attraktives Schulgebäude. „Suchen Sie aktiv nach kreativen Lösungen für die Finanzierung. Verhindern Sie Fehlinvestitionen und schaffen Sie nachhaltig gute Lernbedingungen für alle Kinder in Wermelskirchen“, schreiben die Eltern. | Standpunkt

Hintergrund

Nachdem die Petition am Dienstagnachmittag um kurz vor 15 Uhr von Sandra Hokkeler gestartet wurde, hatte sie binnen Minuten bereits 18 Unterstützer im Netz. Das Ergebnis soll später der Verwaltung vorgelegt werden. Die Petition „Pädagogische Architektur für die Zukunft unserer Kinder in Wermelskirchen“ ist im Netz zu finden:

https://t1p.de/ksu37

Standpunkt: Das ist zu prüfen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Es war von Anfang an ein emotionales Thema: die Schuldebatte in Wermelskirchen. Aber das ist ja auch kein Wunder, geht es doch um die Zukunft vieler Kinder und Jugendlicher in der Stadt. Nun schien eigentlich, bis auf das Veto der CDU-Fraktion, alles geklärt zu sein: Die Mehrheit der Ortspolitiker möchte eine Gesamtschule. Das scheint zwar auch ein mehrheitlicher Elternwille zu sein, wie man zumindest am Ergebnis des aktuellen Schulentwicklungsplanes und am Stimmungsbild der Eltern der jetzigen Sekundarschule sehen kann. Letztere wollen aber noch mehr, nämlich den ursprünglich für den Sekundarschul-Neubau vorgesehenen Standort Rot-Kreuz-Straße. Ob die Stadt auf die Bitte, diesen noch einmal in Erwägung zu ziehen, eingehen wird, bleibt fraglich. Hatte Beigeordneter Thomas Marner doch bereits die für die Verwaltung entscheidenden Gründe gegen diesen Standort angeführt: die deutlich höheren Kosten. Die Begründung, die die Eltern jetzt für ihre Petition anführen, sind aber ebenso nachvollziehbar und aus schulpolitischer Sicht zumindest eingehend zu prüfen, bevor man Geld investiert.

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