Lockdown

Einzelhandel setzt auf Online-Shops

Iris Lawrenz von Kindermoden Rumpelstilzchen baute als Vorbereitung auf den Lockdown ihren Onlineshop weiter aus. Foto: Jennifer Preuß
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Iris Lawrenz von Kindermoden Rumpelstilzchen baute als Vorbereitung auf den Lockdown ihren Onlineshop weiter aus.

Die Händler in Wermelskirchen reagieren verunsichert auf den anstehenden harten Lockdown.

Von Jennifer Preuss

Es kam nicht überraschend. Als die Infektionszahlen trotz Teil-Lockdown nicht sanken, haben sich Wermelskirchens Einzelhändler mit dem Gedanken auseinandergesetzt, wie es weitergeht. Ab Mittwoch, 16. Dezember, müssen auch sie vorerst schließen.

Entsprechend gut hat sich beispielsweise Gabriele van Wahden von der Buchhandlung van Wahden auf die baldigen Einschränkungen vorbereitet. „Wir haben im Frühjahr viel gelernt“, sagt sie. „Wir sind zwar alle müde, aber ich denke, dass wir das schaffen werden.“ Im Lockdown setzt Gabriele van Wahden auf den Online-Shop und die telefonische Beratung der Kunden. Service soll es schließlich auch kontaktlos geben.

„Ich denke, dass wir das schaffen werden.“

Gabriele Van Wahden

Van Wahden und ihr Team liefern die bestellten Bücher innerhalb Wermelskirchens selbst aus. „Wir hoffen auf die Geduld und die Nettigkeit der Kunden. Wenn im Januar viel Schnee liegt, kann es mit der Lieferung schon mal länger dauern“, sagt die Buchhändlerin, die für das diesjährige Weihnachtsgeschäft bereits viel Energie aufwenden musste. Die Nachfrage nach Büchern in diesen Zeiten ist sehr groß. Einige Bestseller sind daher vor dem Fest kaum noch lieferbar. Viele Kunden bestellen ihre Lektüre über den Online-Shop. Die Logistik muss neben dem üblichen Tagesgeschäft abgewickelt werden. „Wir versuchen viel vom Weihnachtsgeschäft mitzunehmen, auch wenn die Bedingungen schwer sind“, berichtet sie.

Über Lieferengpässe bei aktuell beliebten Artikeln kann auch Wolfgang Müllenmeister Bände erzählen. Besonders Spielzeug, das in der TV-Werbung angepriesen wird, ist schon lange vergriffen. „Es ist alles außergewöhnlich in diesem Weihnachtsgeschäft. Sowas habe ich in 30 Jahren noch nie erlebt“, sagt der Inhaber des Spielwarengeschäfts Holzwürmchen. „Von der Angst getrieben, dass die Geschäfte wieder schließen könnten, haben viele ihre Geschenke schon früher gekauft.“

Etwa drei Wochen früher als sonst fing der vorweihnachtliche Verkaufsstress beim Holzwürmchen an. Für Müllenmeister ist es ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist der Umsatz deutlich höher als in den Vorjahren, andererseits muss er nun viele Kunden auf nächstes Jahr vertrösten, die beispielsweise besondere Lego-Sets oder Schleich-Figuren kaufen wollen. Diese Spielsachen sind für den Einzelhändler vor Weihnachten einfach nicht mehr zu kriegen, weil die Hersteller einen Bestellstopp ausgerufen haben. „Man ist in einer Art Notfallmodus“, sagt Wolfgang Müllenmeister. Schon bald werden sich Lücken in den Regalen auftun.

Für ihn ist es ein Trost, dass auch einschlägige Internethändler viele der beliebten Produkte nicht mehr liefern können. Die Entwicklung und die Preise im Internet hält der Geschäftsmann immer im Blick. Für seinen Laden setzt er aber auf das analoge Geschäftsmodell – auch im Lockdown. Wolfgang Müllenmeister teilt an seine Kunden Zettel mit Kontaktdaten aus. Während des Lockdowns werden Kunden telefonisch beraten und können Spielzeug bestellen.

Auch Iris Lawrenz wird während der Zwangsschließung weiter erreichbar sein. Die Inhaberin des Kindermodengeschäfts Rumpelstilzchen hatte gehofft, dass der Lockdown frühestens nach Weihnachten beginnt. „So ist es eine Katastrophe für das Weihnachtsgeschäft“, sagt Iris Lawrenz. Planungssicherheit von der Politik und dass sie ihr Geschäft eben nicht von heute auf morgen schließen muss, wie es im Frühjahr der Fall war, waren ihr wichtig.

„Schön ist das natürlich alles nicht, aber wenn es eine günstige Zeit für einen Lockdown gibt, dann die Zeit zwischen den Tagen“, betont die Modehändlerin, für die die neue Saison so richtig erst wieder im Februar beginnt. Wer zwischenzeitlich neue Kindermode benötigt, dem legt sie ihren Online-Shop ans Herz, der während des ersten Lockdowns aus dem Boden gestampft wurde.

Stefan Rojewski, der sich dem Internet bisher immer verweigert hatte, hat jetzt auch einen Online-Shop für die Modeläden Male und Female. „Wir hatten im Frühjahr ganz laienhaft versucht, über Facebook Kleidung zu verkaufen. Ich bin einfach kein Online-Freund, aber vor zwei Wochen haben wir jetzt selbst einen Shop eröffnet.“ Obwohl er den Internetverkauf noch nicht beworben hat, trudelten in den ersten zwei Wochen bereits ein Dutzend Bestellungen ein. „Jetzt fängt das Internet doch an, Spaß zu machen.“

Harter Lockdown ab Mittwoch

Der Teil-Lockdown im November hat nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch und die Todeszahlen steigen. Deshalb gibt es ab kommendem Mittwoch, 16. Dezember, einen harten Lockdown. Auch die Einzelhändler müssen deshalb bis mindestens zum 10. Januar schließen. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelgeschäfte, Drogerien und Apotheken.

Standpunkt: Lokales unterstützen

katharina.birkenbeul@rga.de

Von Katharina Birkenbeul

Es ist ein Zwiespalt, in dem sich sowohl für die Bürger, Händler und auch die Politiker in diesen Zeiten befinden. Es ist Weihnachtszeit und normalerweise bedeutet das für die meisten Familienzeit, Zusammensein, Geborgenheit, die Schwere des Jahres vergessen. Und für die Einzelhändler der Stadt bedeutet es zudem mehr Umsatz als in den Monaten zuvor. Doch nicht in diesem Jahr, das von Corona dominiert wird. Viele Menschen sind wegen der Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, Quarantäne und Co. dazu übergegangen, ihren Weihnachtseinkauf statt im stationären Handel in Online-Shops zu tätigen – was durchaus sinnvoll ist. Doch jeder sollte sich einmal zurückerinnern, wo er seine Weihnachtsgeschenke gekauft hat. Vermutlich werden viele auf die großen Versandhäuser zurückgegriffen haben. Und das ist in diesen Zeiten nicht die Lösung, um das Leben in der eigenen Stadt nach der Krise aufrechtzuerhalten. Dabei haben viele Einzelhändler in Wermelskirchen ihren eigenen Online-Shop auf die Beine gestellt. Wer kann, bestellt also demnächst lieber da.

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