Telegrafenpassage

Einrichtung wartet auf die „Wilde 13“

Die Kinder sangen schon ihr selbst getextetes Lied, bevor das Schiff aufs Dach gehoben wurde.
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Die Kinder sangen schon ihr selbst getextetes Lied, bevor das Schiff aufs Dach gehoben wurde.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Kindertagesstätte Stöppken ist in der Telegrafenpassage heimisch geworden – Neues Piratenschiff kommt später.

Wermelskirchen. Die Kindergartenkinder stehen auf dem Dach und singen: „Wir Stöppken warten, bis der Bau des Spielplatzes startet. . . Bald hält das Schiff hier an, die Piraten die fürchten sich vor der Stöppken-Crew. . .“ Und dann dauert es doch noch viel länger, bis das Piratenschiff an der Oberen Remscheider Straße ankommt. Die Kinder müssen bis morgen warten. „Wir holen die Taufe nach, versprochen“, sagt die Leiterin der Einrichtung, Nicole Benner.

Erst im März hat die Kindertagesstätte in der Telegrafenpassage ihren Betrieb in Gänze aufgenommen – auf zwei Etagen. Eine zweigruppige Einrichtung für Kinder von zwei bis sechs Jahren. „Wir beschäftigen sieben Erzieher und Erzieherinnen, eine Auszubildende, eine FSJlerin, eine Alltagshelferin, eine Köchin und drei Reinigungskräfte“, sagt die Vorsitzende der Elterninitiative Tanja Heller. „Hier haben wir einen optimalen Platz gefunden, direkt gegenüber dem Rathaus. Die Hüppanlage, der Stadtpark, die Stadtbibliothek – alles ist fußläufig erreichbar“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Simona Runkel.
Die Einrichtung wird von der „Witte Real Estate“ vermietet. „Das ist ein ganz besonders Projekt für uns“, sagt der Geschäftsführer Thorsten Stelly. „Eigentlich sollte die Einrichtung schon viel früher fertig werden, aber – wie überall in der Baubranche – gab es Verzögerungen.“ Andreas Frixe von Bauart-Architekten in Wuppertal hat die Kindertagesstätte in die ehemalige Einkaufspassage hineinkonzipiert. „Die Kindertagesstätte hat 400 Quadratmeter Grundfläche“, sagt er. „Und sie wird noch einmal 450 Quadratmeter Außenfläche bekommen – auf dem Dach.“ Es war gar nicht einfach, die Statik neu zu berechnen und Wege zu suchen, wie die Einrichtung in die Passage hineinpasst. Neue Flächen entstanden, weil die ehemalige Freifläche nun bebaut wurde. „Die Kindertagesstätte ist nun ein gelungener Teil in der Neuentwicklung der Telegrafenpassage“, sagt Thorsten Stelly.

Ganz oben auf der Wunschliste der Kinder stand dafür das Piratenschiff. „Wir werden aber auch noch eine Sandfläche erhalten, Hochbeete, ein Gewächshaus, eine Bobbycar Nordschleife, eine Werkbank und ein Außenatelier“, sagt Tanja Heller.
Die Elterninitiative wurde 2019 gegründet, weil die Eltern mit der Kindertagesstättensituation in Wermelskirchen unzufrieden waren. Es gab zu wenig Plätze. „Frau Runkel hatte damals einen Aufruf auf Facebook gestartet“, sagt Tanja Heller. „Und dann haben wir uns ganz schnell gefunden.“

Die Eltern arbeiten alle mit in der Elterninitiative – 20 Stunden im Jahr. „Das gehört zu unserem Konzept dazu“, sagt Simona Runkel. „Das ist vertraglich gerädert.“ Ansonsten wird die Kindertagesstätte vom Land NRW gefördert. „Da ist sogar noch ein wenig Taschengeld für den Bau und die Einrichtung dabei“, sagt Tanja Heller. „Das wird zwar bezuschusst vom Land, reicht aber nicht für die entstandenen Kosten.“ Die Eltern sind alle Mitglieder. „Wir haben aber auch Fördermitglieder und nehmen gerne noch welche auf“, sagt Simona Runkel. „Der Beitrag kann von zwei Euro monatlich bis zu einer höheren Summe gehen.“ „Damit finanzieren wir auch die Kita-Plätze für die Eltern, die sich den Beitrag sonst nicht leisten könnten.“

Hintergrund

Elterninitiative Stöppken, Telegrafenstraße 50, 42929 Wermelskirchen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 7.15 bis 16.15 Uhr. Die Einrichtung orientiert sich an der Reggio-Pädagogik. Eltern und Erzieher arbeiten auf Augenhöhe eng zusammen. E-Mail: littlebird@stoeppken.org

Standpunkt von Susanne Koch: Ungewöhnlicher Weg

susanne.koch@rga.de

Darauf muss man erst einmal kommen: Zum Glück hat sich hier eines zum anderen gefügt. Und die Elterninitiative Stöppken hat den Platz in der Telegrafenpassage angeboten bekommen. Eine Kindertagesstätte in einer Einkaufspassage. Hier wird gezeigt, wie man kreativ mit Leerstand umgehen kann. Denn Kindertagesstätten-Plätze werden noch immer gebraucht – und für den Inhaber der Passage ist die Einrichtung ein dauerhafter Mieter.

Leider ist das Piratenschiff erst spät angekommen. So konnten die Kinder ihr Lied zwar probehalber schon einmal singen, aber zur Taufe des Schiffs müssen sie es noch einmal wiederholen. Und dann soll das Piratenschiff auch einen Namen erhalten. Kinder, Erzieher und Eltern haben sich auf die „Wilde 13“ geeinigt.

Dass Kita-Kinder ihre Außenfläche auf dem Dach haben, hat eher Seltenheitswert. Aber es ist reizvoll. Und Stöppken ist ein gutes Beispiel, dafür, was alles möglich ist.

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