Bürgerinitiative

Einige Höhrather wollen nicht aufgeben

Einige Höhrather wollen immer noch in Wermelskirchen eingemeindet werden. Foto: Christian Beier
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Einige Höhrather wollen immer noch in Wermelskirchen eingemeindet werden.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Mitglieder der Bürgerinitiative warten auf Signale aus Politik und Verwaltung

Wermelskirchen. Klaus-Dieter Land ist ein Mann der klaren Worte. Der Gastronom in Solingen-Höhrath („Die Kartoffelkiste“) hatte von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass er nichts von einer Wiedereingemeindung der Höhrather ins benachbarte Wermelskirchen halte.

Einige Höhrather möchten das jedoch. Eine bereits in den 1970er Jahren gegründete Höhrather Bürgerinitiative nahm ihre Tätigkeiten voriges Jahr mit neuen Mitgliedern wieder auf. Der Hauptgrund: Einige junge Familien möchten erreichen, dass ihre Kinder nicht in der Solinger Innenstadt in die Grundschule und somit weite Anfahrten in Kauf nehmen müssen, während die Grundschule Hünger (am Haiderbach) nur wenige Hundert Meter entfernt von der Ortschaft Höhrath liegt. Hinzu kommt jetzt, dass die Kita Burg beim Hochwasser Mitte Juli schwere Schäden davongetragen hat und die Kita-Kinder aus Höhrath ebenfalls in Solinger Kindergärten verteilt wurden.

„Zurzeit wäre eine Eingemeindung sogar gut für mich“, scherzt Gastronom Klaus-Dieter Land. „Denn im Rheinisch-Bergischen Kreis sind die Corona-Inzidenzen niedriger als in Solingen und ich müsste mit meinem Lokal weniger Einschränkungen hinnehmen.“ Grundsätzlich hält Land aber nichts von der Idee der Eingemeindung. „Ich finde das sinnlos“, sagt er. „Zumal die Diskussion um Eingemeindung ja schon mal exzessiv geführt wurde.“ 1985, rund zehn Jahre nach der Eingemeindung von Höhrath nach Solingen, hatte es schon mal eine Debatte über eine Rückkehr der Ortschaft nach Wermelskirchen gegeben. Klaus-Dieter Land erinnert sich ungern an diese Zeit. „Das hat die Gemeinde schon sehr gespalten.“

Paul Westeppe (CDU) weiß um die Diskussion der Höhrather, die immer wieder aufflammt. Der neue Solinger Bezirksbürgermeister von Burg-Höhscheid, zu dem auch Höhrath zählt, sagt aber auch: „Zurzeit ruht das ganze Verfahren, weil sich die beiden Stadtspitzen erst einmal an die Bezirksregierung wenden wollen.“

Es soll noch mal eine größere Bürgerbefragung geben

Die Stadtspitzen von Wermelskirchen und Solingen bestätigen das. Zunächst habe die Bewältigung der Hochwasserkatastrophe oberste Priorität, die vor allem die Ortschaft Unterburg schwer getroffen hatte. Die Städte Wermelskirchen und Solingen erwarten von dem Schreiben an die Bezirksregierungen vor allem eine rechtliche Klärung. Denn eine Schwierigkeit im Falle einer Eingemeindung wäre unter anderem, dass die beiden Städte unterschiedlichen Regierungsbezirken angehören: Wermelskirchen, also der Rheinisch-Bergische Kreis, zählt zu Köln, Solingen zu Düsseldorf.

„Aber wir haben die Anliegen der Höhrather natürlich nicht vergessen“, unterstreicht Paul Westeppe. Es soll eine weitere größere Bürgerbefragung unter den Anwohnern geben, kündigt er an.

Das befürwortet auch Sven Stricker von der Höhrather Bürgerinitiative. „Die Situation jetzt mit dem Burger Kindergarten verdeutlicht doch wieder, welche Schwierigkeiten gerade Familien zu bewältigen haben. Unser Sohn kommt beispielsweise nächstes Jahr in den Kindergarten und uns wurde gesagt, dass die Burger Kita noch mindestens bis nächstes Jahr geschlossen bleiben muss.“ In den nächsten Tagen, kündigt der Familienvater an, wollen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative erneut zusammensetzen und den Faden wieder aufnehmen.

Dabei sein wird auch Burkhard Stock, der schon seit vielen Jahrzehnten in Höhrath ist. Gleichwohl er keine Kinder im Kita- oder Grundschulalter mehr hat, sei es ihm ein Anliegen, „dass gerade die Kindergartenkinder und Grundschüler nicht so weite Wege in Kauf nehmen müssen“, sagt er. „Zumutbar wären eigentlich drei bis fünf Kilometer Schulweg, und eine solche Regelung müsste eigentlich vom Bund kommen. Wir wären aber schon zufrieden, wenn die Wermelskirchener es unseren Kindern ermöglichen würden, in die nahe gelegenen Einrichtungen gehen zu dürfen.“

Hintergrund

Bis zum 1. Januar 1975 gehörte die Ortschaft Höhrath noch zur Stadt Wermelskirchen. Im Zuge der darauf folgenden großen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen wurde der Ort jedoch Solingen zugeteilt. Heute leben rund 150 Menschen in Höhrath.

Vor der Gebietsreform gründete sich am 15. Januar 1974 die Bürgerinitiative. Im September 1984 ließ sich die Initiative als Verein eintragen. Ihr erklärtes Ziel ist: die Rückgliederung nach Wermelskirchen und die Interessensvertretung der Höhrather.

Standpunkt

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Zu verstehen sind eigentlich beide Ansichten der Höhrather Bürger. Zum einen jene, die als Solinger recht zufrieden sind und sich den ganzen Stress einer Wiedereingemeindung eigentlich gar nicht mehr machen möchten. Aber auch jene, die Kinder im Kita- oder Grundschulalter haben und verständlicherweise nicht in Kauf nehmen möchten, dass ihre kleinen Kinder oder sie selbst mit dem PKW weite Strecken bis Solingen bewältigen müssen, während Grundschulen oder Kitas in Wermelskirchen nur einen Katzensprung entfernt liegen. Da es in Höhrath nicht eine ganze Invasion an jungen Familien, sondern nur vereinzelte – nach Aussagen der Anwohner sind es derzeit vier oder fünf – gibt, ist zu überlegen, warum nicht eine Regelung gefunden werden kann, nach der die Höhrather Kinder eben in die Wermelskirchener Einrichtungen gehen können. Sicher, gerade Kita- Plätze sind knapp, aber zumindest, was die Grundschulen angeht, wäre das zu überlegen. Denn in der Tat sind Wegstrecken von bis zu 20 Kilometern für Familien mit Kindern, deren Eltern zum Teil voll berufstätig sind, kaum zumutbar.

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