Auf einer Verkehrsinsel wird gewartet

Polizist Uwe Ortmann erklärt den Vorschülern, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten müssen. Die Eltern hören zu. Foto: Peter Klohs
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Polizist Uwe Ortmann erklärt den Vorschülern, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten müssen. Die Eltern hören zu. Foto: Peter Klohs

Polizei vermittelt künftigen Erstklässlern Verhaltensweisen im Straßenverkehr

Von Peter Klohs

Normalerweise beginnt die von der Polizei angebotene Unterweisung, wie sich Erstklässler auf dem Schulweg verhalten sollen, nach den Herbstferien. Und endet mit den Osterferien. „Durch Corona ist auch bei uns alles anders“, sagt Polizeihauptkommissar Uwe Ortmann, der die Verkehrsunterweisung für Kinder in Kürten und Wermelskirchen betreut und heute in der evangelischen Kita in Tente zwei Gruppen von fünf- und sechsjährigen Kindern unterweist.

„Die Zielgruppe sind nicht die Kinder“, sagt Ortmann, „die Zielgruppe sind die Eltern.“ Im Kindergarten ist die Anwesenheit der Eltern zu den Unterweisungen Pflicht. „Ich mache das sehr gerne“, berichtet er, als Pia, Aaron, Marianna, Luka und Lotte sich mit ihren Müttern versammelt haben. „Es ist schön, von den Kindern so freundlich begrüßt zu werden. Das hat man im Streifenwagen nicht immer.“ Dann beginnt ein kleiner Gang, immer wieder von Uwe Ortmann unterbrochen, der auf den fünfhundert Metern so manche Gefahrenstelle für Kinder ausmacht, die einem Erwachsenen nie aufgefallen wäre.

„Das sind keine kleinen Erwachsenen“, stellt der Polizeihauptkommissar klar, „das sind Kinder. Versuchen Sie immer, die Straße und den Schulweg aus dem Blickfeld Ihrer Kinder zu sehen.“

„Man muss den Weg der Kinder mit deren Augen sehen.“

Uwe Ortmann, Polizeihauptkommissar

Parkende Autos können Kinder überfordern, schlecht einsehbare Einfahrten ebenso. Und das Passieren dieser Stellen wird jetzt geübt. Ortmann erklärt die Begriffe Gehweg, Fahrbahn und Stoppstein. „Jetzt überqueren wir die Straße“, kündigt er an und erklärt, wie das geht. Manche sind noch sehr unsicher und schauen nicht zweimal in jede Richtung, sondern viermal. Aber sie entscheiden selbst, wann sie die Querung der Fahrbahn für ungefährlich halten.

Alle Kinder sind hochkonzentriert dabei und erledigen ihre Aufgabe tadellos. „Aber sie vergessen genau so schnell wie sie lernen“, weiß Ortmann. Und dann eine echte Herausforderung: Eine Verkehrsinsel, die mitten auf der B 51 steht und die Querung der stark befahrenen Straße erleichtern soll.

„Kinder können die Geschwindigkeit eines nahenden Fahrzeugs nicht ermessen“, klärt Uwe Ortmann auf. „Sie müssen das Fahrzeug ansehen und gehen erst dann los, wenn es völlig zum Stillstand gekommen ist.“ Das ist ihm immens wichtig. „Kinder gehen nicht über Querungshilfen, wenn das Auto langsam heranrollt. Die Fahrzeuge sollen absolut stillstehen.“

Die Kinder bittet Ortmann, an Folgendes zu denken: „Auf einer Insel macht man Urlaub. Auf einer Verkehrsinsel zumindest eine kurze Pause.“ Nicht alle passierenden Fahrzeuge halten sich an die Regeln, manche fahren schlicht zu schnell.

Ortmann bewahrt Ruhe und die Kinder mit ihm, warten geduldig, bis ein Fahrzeug anhält und sie gefahrlos die Straße überqueren können. Ortmann hebt den Daumen: Alles ist gut gegangen, inklusive der kleinen Pause auf halbem Weg. Auf dem Rückweg zur Kita gehen die Kinder schon alleine. Leichte Unruhe, als sie gemeinsam über die Straße gehen müssen, aber auch das gelingt dem Quintett gut.

Wieder an der Kita angekommen, erhalten die Kinder ihren Verkehrspass. „Da habt ihr jetzt einen Stempel von mir drin“, sagt Ortmann, „und das Gleiche geschieht im 4. Schuljahr und im 6. und im 7. Schuljahr noch einmal, dann zur Radfahrausbildung.“

Und während die Kinder schon wieder in der Kita spielen, bekommen die Mütter noch etwas mit auf den Weg. „Sie haben das gemerkt: Verkehrssicher sind die Kinder in diesem Alter noch nicht. Sie können aber in diesem Alter sehr gut auswendig lernen. Also gehen Sie bitte nur vertraute Wege mit Ihren Kindern. Und noch einmal, weil es so extrem wichtig ist: Sehen Sie den Weg Ihrer Kinder mit deren Augen.“

Hintergrund

Hauptkommissar Uwe Ortmann betreut die Verkehrsunterweisung für Kinder in Kürten und Wermelskirchen. In Coronazeiten gibt es eine abgespeckte Variante der Veranstaltung. Die Spaziergänge mit einigen Aufgaben für die Kinder dauern etwa 50 Minuten. Dann hat Ortmann zehn Minuten Zeit zur Erholung, und schon warten die nächsten Kinder auf ihn. Alle Kinder haben ihren Verkehrspass erhalten.

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