Waldtage

„Einen Naturwald gibt es nicht mehr“

Sie haben am Waldspaziergang der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Pohlhausen mitgemacht.
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Sie haben am Waldspaziergang der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Pohlhausen mitgemacht.

Spaziergang im Rahmen der Waldtage machte deutlich, wie sich das Klima im Bergischen bereits verändert hat.

Von Dela Kirchner

Wermelskirchen. Glück gehabt haben die rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die am Samstag noch völlig trocken an einer Führung im Rahmen der Deutschen Waldtage 2022 teilnehmen konnten. Und Glück nicht nur im Bezug auf das Wetter: Nur sehr selten ist es sonst möglich, so viele fachlich fundierte Infos über den heimischen Wald und die verschiedenen Baumarten in so komprimierter Form und im Rahmen eines Herbstspazierganges zu erhalten. Zugegeben – an die Temperaturen im Vergleich zu den vergangenen Wochen müssen sich alle Teilnehmer, dick verpackt und mit Regenschirmen bewaffnet, erst gewöhnen.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die Forstbetriebsgemeinschaft und die Stadt Wermelskirchen hatten interessierte Bürger eingeladen, um Sinn und Zweck sowie die Besonderheiten der geplanten Naturwaldzelle im städtischen Wald in Pohlhausen kennenzulernen. „Biologische Vielfalt erleben“ – das Thema der vierten Deutschen Waldtage setzten Louis Altinkamis, Förster der Forst-betriebsgemeinschaft Wermelskirchen, und SDW-Vorstandsmitglied Robert Schmitz dann auch ganz praktisch um. Viele Zusammenhänge sind viel einfacher zu verstehen, wenn man mit beiden Füßen auf dem betroffenen Stück Erde steht. So fanden sich die Teilnehmer unter anderem in einer Art kargen Mondlandschaft wieder, die durch die Entnahme abgestorbener Fichten entstanden ist. Und auch dem Letzten in der Gruppe wurde klar, warum festes Schuhwerk empfohlen wurde.

Beobachten, wie sich die Fläche ohne Eingreifen entwickelt

Die rund sechs Hektar große Fläche wird bewusst aus der Bewirtschaft genommen, um die Biodiversität zu steigern – und vor allem, um zu beobachten, wie sich die Fläche ohne menschliches Eingreifen entwickelt. „Nach einem zukünftigen Laubmischwald sieht es hier nicht aus“, fasst Louis Altinkamis den dort aufgefundenen Baumnachwuchs durch die Teilnehmer zusammen. „Die Frage ist nicht, ob die Mischung auf der Fläche zielführend ist. Eine Naturwaldzelle hat kein Ziel, sondern soll für uns Daten für die Zukunft bringen.“ Sehr viele kleine Fichten (gut 80 Prozent), Birken, Ilex, Ebereschen und Lärchen sind auf der Fläche vorhanden, ohne dass Menschen dort gepflanzt hätten. Kleine Eichen oder Rotbuchen indes sind nur vereinzelt zu finden.

Die Naturwaldzelle stand im Fokus des Waldspaziergangs in Pohlhausen.

Altinkamis gibt zu bedenken: „Wir haben als Menschen so viel verändert, dass es eine wirkliche Ausgangsfläche für Naturwald überhaupt nicht mehr gibt.“ Und wie sähe dieser Naturwald im Bergischen aus? „Im Bergischen gäbe es eigentlich keine Laubmischwälder, so der Förster. „Wir hätten eher Buchenreinbestände und vereinzelte, solitär stehende Eichen.“ Und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Buchen sind die Rassisten unter den Bäumen. Irgendwann tötet die Buche alle anderen Pflanzen und Bäume unter sich ab. Die Buche hat ein extrem aggressives Ausbreitungsverhalten.“ Altinkamis machte deutlich, wie sehr sich das Klima im Bergischen bereits verändert hat: „Fehlende Regenmengen waren früher nie ein Thema. Fichten haben früher die Angriffsstellen durch den Borkenkäfer mit Harz verschlossen – durch die Trockenheit schaffen sie das seit 2019 nicht mehr.“ Und manchmal reichen schon ein paar Hundert Borkenkäfer, um einen Baum zum Absterben zu bringen. Der Förster betont: „Das Problem ist die Klimaveränderung. Der Borkenkäfer ist nur der Totengräber der Fichten.“

Hintergrund

Immer wieder ein Randthema während der Begehung war die Waldbrandproblematik, die es so früher nicht gegeben hat. Vorsorgender Brandschutz wie eine Verbreiterung der Wege, um diese für die Feuerwehr befahrbar zu machen, werden auch Wermelskirchen und den Kreis in den jetzt verstärkt beschäftigen.

Standpunkt von Susanne Koch: Wissen hilft weiter

susanne.koch@rga.de

Die beiden Naturführer – Förster Louis Altinkamis und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald-Vorstandsmitglied Robert Schmitz – hatten Interessierte zum Waldspaziergang eingeladen. Hintergrund: die vierten Deutschen Waldtage. Thema: „Biologische Vielfalt erleben“.

Die beiden Naturführer wollten den Bürgerinnen und Bürgern die Besonderheiten der geplanten Naturwaldzelle in Pohlhausen zeigen. Denn zu Recht sagen sie, dass viele Zusammenhänge einfacher zu verstehen sind, wenn man mit beiden Füßen auf dem betroffenen Stück Erde steht. Und die Spaziergänger lernten einiges über den Wald, den es als eigenen Naturwald schon lange nicht mehr gibt. Denn der Mensch hat in vielen Jahrzehnten sehr viel verändert.

Die eigentliche Bedrohung für unsere Wälder ist die Klimaveränderung. Früher konnten sich die Fichten noch gegen den Borkenkäfer wehren, doch inzwischen ist die Trockenheit der Feind der Bäume.

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