Eine Zeitreise zwischen Wülfrath und Düsseldorf

Die Düssel schlängelt sich durch die Landeshauptstadt und macht den Düsseldorfer Großstadtdschungel grün. Foto: Karin Scharwächter
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Die Düssel schlängelt sich durch die Landeshauptstadt und macht den Düsseldorfer Großstadtdschungel grün. Foto: Karin Scharwächter

Die Düssel bietet auf ihrem Weg viele Sehenswürdigkeiten – der heutige Teil ist der letzte unserer Radserie

Von Daniel Neukirchen

Der erste Fahrtwind ist der schönste. Auf unserer Radtour entlang der Düssel bläst er dem Radler erstmals so richtig auf dem Voisberger Weg ins Gesicht, der vom Startpunkt am S-Bahnhaltepunkt Wülfrath Aprath zum Dörfchen Düssel führt. Eine kleine Brücke quert zum ersten Mal den Fluss, der im Mittelpunkt der Tour steht und dessen Weg wir immer wieder kreuzen werden.

Erst wenige Minuten gefahren und schon sollte man eigentlich das erste Mal vom Rad steigen. Der nach dem Fluss benannte Ortsteil von Wülfrath ist ein eigenständiges kleines Dörfchen mit entzückenden Fachwerkhäusern. Sehenswert sind unter anderem die Wasserburg mit Burggraben und die Kirche St. Maximin aus dem 11. Jahrhundert. Hier bietet sich die erste Versuchung, die Fahrradtour durch ausgiebige Stopps zu einem ausgewachsenen Tagesausflug auszubauen.

Wer viel Zeit hat, fährt übrigens direkt vom S-Bahnhof Richtung Schlupkothen und wandert auch noch bis zur Düsselquelle.

Wir lassen das erste alte Dörfchen hinter uns und steuern über Dorfstraße, Hohlweg und Dürfmühlenweg Schöller an. Dabei haben wir eine stetige Begleiterin, die immer wieder plätschernd auf sich aufmerksam macht, wenn man sie schon fast vergessen hat: die Düssel. Der Weg zum westlichen Zipfel Wuppertals führt durch ein stark landwirtschaftlich geprägtes Gebiet. Wir schauen über saftige Wiesen, begegnen grasenden Kühen und fahren an Höfen vorbei.

Nach der Überquerung der Landstraße Hahnenfurth erreicht man über Am Höfchen den Schöllerweg, der in das einstige Dorf Schöller führt. Die Anfänge des Ortes werden im 8. bis 9. Jahrhundert vermutet. Später lebten hier die Ritter und Grafen von Schöller, bis 1697 der letzte Graf von Schöller verstarb. Ein kleiner Abstecher zum Gut Schöller ist möglich. Heute gehört Schöller-Dornap zum Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel.

Der Schöllerweg führt an einem 60 Meter tiefen Steinbruch vorbei Richtung Süd-Westen, hier wartet das nächste kleine Dörfchen, das in der Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Über Hahnerfurther und Osterholzer Straße geht es am schnellsten nach Haan-Gruiten. Es lohnt sich jedoch einen kleinen Umweg zu machen und den ehemaligen Kalksteinbruch Grube 7 in die Tour einzubauen, der heute als eine Art Canyon in der Landschaft fasziniert.

Geschichte des Haus am Quall reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück

Schließlich rappelt das Kopfsteinpflaster der historischen Siedlung Gruiten-Dorf an unserem Lenker. Wer gut erhaltene Fachwerkhäuser liebt, dem geht zwischen den vielen Denkmalplaketten, der liebevollen Bepflanzung und den grünen Fensterläden das Herz auf. Das älteste Wohnhaus ist das „Haus am Quall“, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.

Die Straße Heinhausen führt uns zu einem schönen waldigen Abschnitt durchs Düsseltal, immer entlang des Flusses gen Naturschutzgebiet Neandertal. Durch die wunderschöne Natur geht es über Ehlenbeck und Bracken ins berühmte Neandertal – dessen Name vergessen lässt, dass sich auch hier die Düssel ihren Weg gebahnt hat. Nun gibt es die Qual der Wahl: Mehr über die Entwicklungsgeschichte des Menschen und des Neandertalers lässt sich im neuen Neanderthal-Museum erfahren. Heckrinder im Wildgehege, ein großer Spielplatz und eine Minigolf-Anlage bieten mehrere Möglichkeiten, etwas Zeit abseits des Fahrradsattels zu verbringen.

Wir schlängeln uns entlang der Mettmanner Straße mit der Düssel nach Erkrath. Ab jetzt wird die Tour etwas städtischer, was nicht heißt, dass es nichts mehr zu sehen gibt. Nach einem Stück Alt-Erkrath biegen wir von der Düsseldorfer Straße in den Gödinghoverweg ein und lassen die dortigen Düsselauen auf uns wirken. So gelangen wir zum letzten Abschnitt der Reise: Düsseldorf. Über Glashütten- und Katharinenstraße gelangen wir zu einem Radweg über den wir uns wieder ganz eng an die Fersen der Düssel heften.

Wir bleiben nun immer an der Düssel, die sich im Düsseldorfer Stadtgebiet in vier Arme aufteilt. Wir folgen dem südlichen Verlauf, passieren den Friedhof Eller, die Grünanlage Werstener Deckel und nehmen dann parallel zur Werstener Dorfstraße Kurs auf den Südpark, der schließlich in den Volksgarten übergeht. Auf einer Wiese der insgesamt 70 Hektar großen Grünfläche lässt man bei gutem Wetter das Rad ins Gras fallen, setzt sich auf eine Bank am See oder belohnt sich mit einer Erfrischung im Biergarten.

Der Tag lässt sich am Rhein gut ausklingen

Endspurt: Wir verlassen den Volksgarten im Norden und nehmen die Feuerbachstraße und die Karolingerstraße in Richtung Bilk. Dabei lässt sich bestaunen, wie schön sich die Düssel in die Optik der Wohngebiete einfügt. Für eine letzte Rast vor dem Bilker S-Bahnhof gibt es unzählige Möglichkeiten. Wer sich jetzt noch immer nicht von der Düssel trennen kann, der fährt über Unterbilk zum Medienhafen und beendet den Tag mit dem Blick auf den Rhein. Dieser schluckt irgendwo im Erdreich das Wasser der Düssel und trägt es in die Nordsee. Das ist dann aber eine Radtour für ein paar andere schöne Tage.

Anreise

Der Charme dieser Radtour besteht auch darin, dass die Anbindung an die S-Bahn an Start und Ziel gegeben ist. Den Startpunkt Wülfrath Aprath fährt die S-Bahnlinie S 9 an, so dass unter anderem eine direkte Verbindung vom Wuppertaler Hauptbahnhof, Velbert und Essen gegeben ist. Auch die Buslinien 601 und 621 fahren den Haltepunkt an. Wer das Auto hier stehen lässt, kommt später vom Haltepunkt Bilk mit der Linie S 8 zurück zum Wuppertaler Hauptbahnhof und von dort mit der S 9 zurück nach Aprath. Außerdem fahren von hier diverse Linien etwa in die Düsseldorfer Innenstadt sowie nach Erkrath, Haan, Ratingen und Köln.

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