Eine ausgewogene Ernährung soll Spaß machen

Basische Lebensmittel sorgen für einen gesunden Säure-Basen-Haushalt im Körper. An vorderster Stelle steht Kohl. Egal ob Brokkoli oder Blumenkohl – das Gemüse hat gerade Saison und hilft dem Immunsystem. Foto: Roland Keusch
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Basische Lebensmittel sorgen für einen gesunden Säure-Basen-Haushalt im Körper. An vorderster Stelle steht Kohl. Egal ob Brokkoli oder Blumenkohl – das Gemüse hat gerade Saison und hilft dem Immunsystem.

Im digitalen Gesundheitscampus des RGA gaben Experten Tipps – Obst, Gemüse und Vollkorn bilden die breite Basis

Von Alexandra Dulinski

Seit Jahrzehnten brennt sie den Menschen unter den Nägeln: die Frage nach der richtigen Ernährung. Verändert haben sich in den vergangenen Jahren lediglich Unverträglichkeiten wie die Laktose- oder Fructoseintoleranz, die deutlich häufiger auftreten, weiß Kirsten Gidde, Ernährungsberaterin der AOK. „Ausgewogene Ernährung soll Spaß machen“, erklärt sie im digitalen Gesundheitscampus des RGA. „Essen“, so führt sie fort, „ist Lebensfreude.“

Wer die Lebensmittelpyramide beachtet, kann sich leicht ausgewogen ernähren. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte bilden die breite Basis, erklärt Kirsten Gidde. „Viel trinken ist wichtig“, sagt sie. Getränke sollten dem Körper dabei keine Energie liefern, sondern Flüssigkeit. Smoothies gelten nicht als Getränk, sondern als vollständige Mahlzeit.

„Wir überfordern damit unseren Körper.“

Kirsten Gidde, Ernährungs- beraterin AOK, über Smoothies

„Wir überfordern damit unseren Körper“, weiß die Ernährungsberaterin. Zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse am Tag gelten als Richtwert, also die Menge, die in eine Hand passt. Vollkornprodukte bringen Ballaststoffe mit, die für die Darmgesundheit wichtig seien.

In der Pyramidenmitte befinden sich tierische Eiweiße. Eier ein- bis zweimal, und Fleisch zwei- bis dreimal in der Woche reichen. „Dabei möglichst fettarme Sorten wählen, wie Geflügel“, sagt Gidde. Die Spitze bilden Süßigkeiten und Chips. „Wenn man die bewusst einplant, ist das kein Problem.“

Für den Körper wichtig ist das Säure-Basen-Verhältnis, weiß Apotheker Michel Ruepp. Auf dem Speiseplan sollten überwiegend basische Lebensmittel stehen, das heißt alle Gemüse und Früchte. Auf einen Teil Säure sollten drei Teile Base kommen. Das Stichwort: Kohl, Kohl, Kohl.

Kohl habe nicht nur gerade Saison, sondern schütze mit seinen Inhaltsstoffen auch den Körper – und die „Immunkompetenz bis hin zu Corona und Krebs“, sagt Michel Ruepp.

Die Verwendung der richtigen Öle spielt ebenfalls eine große Rolle, erklärt Heilpraktikerin Petra Jentjens-Dordevic. „Das richtige Fett macht nicht fett“, sagt sie und weist auf das richtige Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren hin. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend, cholesterinsenkend und stimmungsaufhellend. Sie kommen in Oliven-, Raps- und Leinöl vor. Distel- und Sonnenblumenöl hingegen seien reich an Omega-6-Fettsäuren, die entzündungsfördernd wirken.

Eine Vielzahl an Menschen leidet an ernährungsabhängigen Krankheiten, weiß Dr. Thomas Sonnenberg, Chefarzt für Adipositas-Chirurgie am Sana-Klinikum. Von der Politik wünscht er sich deshalb klarere Regeln, „damit wir wissen, was wir essen“, sagt er. Die Lebensmittelampel sollte nicht freiwillig, sondern verpflichtend sein. Sonnenberg: „Wir brauchen eine klar erkennbare Lösung.“

Adipositas werde in Deutschland stark stigmatisiert. „Wir haben in Deutschland ein Defizit an adäquaten Angeboten zur Behandlung. Erst im Sommer vergangenen Jahres ist Adipositas als chronische Erkrankung anerkannt worden“, erklärt der Chefarzt.

Fatal sei vor allem die Lebensweise vieler Menschen, erklärt André Uhde, Inhaber des Fitnessstudios Injoy in Lennep. Bei Arbeitstagen von zehn bis elf Stunden kämen die Menschen nicht dazu, sich ausgewogen zu ernähren. Uhde weiß, welche Rolle Ernährung beim Training spielt. „Ich sage: Lieber alle 48 Stunden nur eine halbe Stunde Training machen, aber dafür die Ernährung umstellen. Das ist manchmal zu 80 Prozent der Knackpunkt, und nicht der Sport an sich“, betont André Uhde.

Um wirklich festzustellen, was und wie viel man isst, solle man sich eine Liste schreiben, rät Kirsten Gidde. „Essen hat mittlerweile eine Funktion eingenommen, die es nicht haben sollte. Es kann ein Seelentröster sein, wenn man traurig ist, oder ein Freund, wenn man einsam ist.“

Hintergrund

Sie haben den aktuellen Gesundheitscampus verpasst? Alle bisherigen Folgen des digitalen Gesundheitscampus dieses Jahres – eine gesunde Lebensweise in der Pandemie, das Thema Psyche und das aktuelle Thema Ernährung – sind zum Nachschauen auf dem Youtube-Kanal des Remscheider General-Anzeigers zu finden:

https://t1p.de/y6ej

Weitere Themen für das kommende Jahr sind in der Planung.

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