Krieg in der Ukraine

Ein Zufluchtsort für zwei Familien

Sprechen durch eine Übersetzer-App: Tanja Fenstermacher, Robin Weißapfel (Pflegedienst), Nikita, Pawel, Gunnar Schnabel (Hoffnungsträger Ost), Maryna, Tatjana, Marina und die anderthalbjährige Jeva. Foto: Susanne Koch
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Sprechen durch eine Übersetzer-App: Tanja Fenstermacher, Robin Weißapfel (Pflegedienst), Nikita, Pawel, Gunnar Schnabel (Hoffnungsträger Ost), Maryna, Tatjana, Marina und die anderthalbjährige Jeva.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Ambulanter Pflegedienst Weißapfel und Hoffnungsträger Ost helfen Menschen aus der Ukraine.

Wermelskirchen. Marina und Maryna mir ihren vier Kindern haben eine vorübergehende Bleibe gefunden. Aber mehr als ein halbes Jahr planen die beiden 35-jährigen Ukrainerinnen nicht zu bleiben. Sie wollen wieder zurück in ihren Heimatort in der Ostukraine, in einen Vorort von Donezk. „Das habe ich festgestellt, als meine Frau ihnen den Abfallkalender von Wermelskirchen gezeigt und erklärt hat und ihn aufs Winterhalbjahr umdrehte“, sagt Gunnar Schnabel von Hoffnungsträger Ost. „Maryna hat ihn sofort wieder auf die andere Seite gedreht und gesagt, dass sie dann wieder in der Ukraine zurück sein möchte.“

Die zwei Mütter sind mit ihren vier Kindern – Jeva (1,5), Nikita (12), Tatjana (10) und Pawel (13) – seit mehr als einer Woche in Räumen oberhalb des ambulanten Pflegedienstes Weißapfel in Dabringhausen untergekommen. „Ich hatte mit unserem Vermieter Klaus Stöcker von der Straußenfarm über den Krieg gesprochen“, sagt Robin Weißapfel. „Und ich habe ihm angeboten, dass wir doch die ungenutzten Räume über unserem Büro für Flüchtende aus der Ukraine zur Verfügung stellen können.“

Und dann ging alles ganz schnell.

Robin Weißapfel, Geschäftsführer des Ambulanten Pflegedienstes

So kam der Stein ins Rollen. Der Verein Hoffnungsträger Ost kam mit ins Spiel und die Stadt Wermelskirchen, die die beiden Flüchtlingsfamilien nach Dabringhausen geschickt hat. Die Geflüchteten wurden vom Verein Hoffnungsträger Ost im Berliner Hauptbahnhof abgeholt. „Wir haben zu einer der beiden Familien Kontakt, weil wir Patenschaften für die Kinder übernommen hatten“, sagt Gunnar Schnabel. „Und dann ging alles ganz schnell“, sagt Robin Weißapfel. Innerhalb von kürzester Zeit hätten sie Kühlschrank, Betten, und andere Möbel organisiert. „Wir haben sogar Spenden von unseren Patienten und vom Apotheker Dr. Thomas Winterfeld bekommen“, sagt der Inhaber und Geschäftsführer des Pflegedienstes dankbar. „Es ist schon toll, wie wir hier zusammengearbeitet haben, Hand in Hand, ohne uns vorher zu kennen“, sagt Gunnar Schnabel.

Die beiden ukrainischen Mütter genießen die Sonne und sind mit den Mädchen im Garten. Die zehnjährige Tatjana lässt alle von ihrem Sandkuchen probieren. Die kleine Jeva tapst derweil über die Wiese. Sie fühlen sich wohl hier, sagen die Mütter. Täglich haben sie Kontakt zu ihren Männern in der Ukraine. „Noch kämpfen sie nicht“, sagt Maryna. „Sie warten darauf, dass sie eingezogen werden.“ Für alle ist es eine sehr unsichere Situation. Den beiden Frauen sieht man die Anspannung an. Keiner weiß, wie es derzeit in der Ukraine weitergeht. „Was ich total bemerkenswert finde, die Kinder haben seit vergangener Woche Montag jeden Tag Schulunterricht“, sagt Gunnar Schnabel. „Eine der beiden Frauen hatte einen Laptop im Rucksack. Und damit sind die Kinder mit der Ukraine verbunden.“ Auch den Geburtstag einer der beiden Mütter habe man bereits am Donnerstag gefeiert.

Jetzt sind die Familien erst einmal in Sicherheit

„Wir wollen jetzt ein Netz aufbauen“, sagt Gunnar Schnabel. „Wir wissen, dass es schon andere Flüchtlinge in Dabringhausen und auch in Wermelskirchen gibt, da wäre es doch toll, wenn sie sich treffen könnten.“ Die Lage in der Ukraine entwickele sich derzeit immer schrecklicher. „Teilweise ist die Trinkwasserversorgung zusammengebrochen“, sagt Gunnar Schnabel. „Die Menschen trinken bereits das Wasser aus Heizungen. Was das noch für Folgen hat.“

Marina und Maryna sind mit ihren Kindern jetzt erst einmal in Sicherheit. Erste deutsche Worte haben sie schon gelernt. „Ansonsten kann keiner von uns sagen, wie sich der Krieg in der Ukraine weiter entwickelt“, sagt Robin Weißapfel. „Wir wünschen den beiden Frauen, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht und sie bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können“, sagt Gunnar Schnabel. „Aber ob das so sein wird, das kann von uns bisher niemand sagen.“

Hilfen

Willkommen in Wermelskirchen: Dorothea Hoffrogge, Koordinatorin Email: d.hoffrogge@wkiwk.de.

Stadt Wermelskirchen: Zentrale Mailadresse für diejenigen, die Flüchtlingen helfen wollen, und beispielsweise etwa eine Unterkunft anbieten können. wermelskirchenhilft@wermelskirchen.de

Hoffnungsträger Ost: Der Verein hält Kontakte in die Ukraine. ht-ost.com/de/

Standpunkt: Alle stehen zusammen

Von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Hand in Hand arbeiten Menschen, die sich überhaupt nicht kennen, derzeit zusammen, um den ukrainischen Flüchtlingen zu helfen, sie unterzubringen und zu unterstützen. Und dadurch gelingen Dinge in kürzester Zeit, die sonst lange Planungen und Vorbereitungszeiten benötigten. Die Stadt Wermelskirchen wird aktuell dabei übrigens von allen Seiten gelobt. Diese gelebte Solidarität bringt ein bisschen Licht in die – sonst durch den schrecklichen Krieg – beschwerte Zeit. Wie es weitergeht, das weiß niemand so genau. Auch nicht wie sich der Krieg in der Ukraine noch entwickelt und welche Folgen er hat. Ich wünsche aber den Frauen und ihren Kindern, dass der Krieg bald aufhört und sie tatsächlich – wie sie es hoffen – wieder in die Ukraine zurückkehren können. Ich wünsche aber auch uns, dass wir die neu erlernten Fähigkeiten nicht so schnell wieder vergessen. Denn auch in unserer Gesellschaft gibt es genug Menschen, die unsere Solidarität und Unterstützung brauchen. Das wird auch zukünftig so sein. Deshalb sollten wir immer die Augen nach Projekten offenhalten, die unsere tatkräftige Hilfe brauchen.

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