Haus Sonnenschein

Ein trautes Heim für Menschen mit Handicap

Inhaber des Intravitam-Pflege-Teams Michael Wessel (v. l.) , Eigentümer Wolfgang Kellner, Tim Harguth (Team Wessels) , Stephanie Kellner, Janina Buß und Eve Olms (Team Wessels). Foto: Doro Siewert
+
Inhaber des Intravitam-Pflege-Teams Michael Wessel (v. l.) , Eigentümer Wolfgang Kellner, Tim Harguth (Team Wessels) , Stephanie Kellner, Janina Buß und Eve Olms (Team Wessels).

Haus Sonnenschein wurde am Freitag offiziell eingeweiht. Die ersten Bewohner sind schon eingezogen.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. Nicola Kellner strahlt. Bürgermeisterin Marion Lück hat gerade den Raum betreten und übergibt ihr einen rosa-weißen Tulpenstrauß. „Der muss sofort in die Vase“, sagt Nicola und gibt den Strauß weiter. „Ich bin ein bisschen aufgeregt“, sagt die 27-Jährige. Sie ist gerade dabei, ihr Zimmer in der Wohngemeinschaft einzurichten, denn sie zieht aus ihrem Elternhaus aus. Sie wird eine der zehn Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Sonnenschein sein. Eine betreute Wohngemeinschaft für zehn Menschen mit einem geistigen Handicap und Mehrfachbehinderungen. Gestern wurde die Einrichtung in Wermelskirchen offiziell eingeweiht.

„Es ist gar nicht so einfach, unsere Tochter loszulassen“, sagt ihre Mutter Stephanie Kellner. „Aber natürlich hat sie wie jeder andere auch das Recht, in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Und für meine Tochter steht schon lange fest, dass sie mit anderen zusammenleben möchte.“ Das Ehepaar Wolfgang und Stephanie Kellner hat viele Einrichtungen besucht. „Es war nie das richtige“, sagt Stephanie Kellner. „Dann haben wir uns entschlossen, das Haus hier, das 1830 erbaut wurde, zu kaufen und es für Menschen mit Handicap umzubauen.“

Ganz individuell, wie es jedem einzelnen Menschen entspricht.

Stephanie Kellner, Mutter und Eigentümerin des Hauses

Mit ihrer Tochter Nicola stehen schon sechs weitere Bewohner fest, für die drei übrigen Plätze gibt es eine Warteliste. Einige der Zimmer im Haus sind schon eingerichtet. „Ganz individuell, wie es jedem einzelnen Menschen entspricht“, sagt Stephanie Kellner. Auf jeder Etage gibt es einen Gemeinschaftsraum mit eingerichteter Tee-Küche sowie mehrere hell und behindertenfreundlich ausgestattete Badezimmer. Die Pflege und Betreuung übernimmt Intravitam Wessel, ein Dienst, der schon in Wuppertal und Mettmann tätig ist. Inhaber ist Michael Wessel, auch er sitzt zusammen mit Gästen am Tisch in der Wohnküche.

„Wenn die Bewohner arbeiten, brauchen wir nicht anwesend sein“, sagt Tim Harguth, Leiter des ambulanten Pflegedienstes. „Dafür ist eine Nachtbereitschaft im Haus und wir kümmern uns um die Bewohner, wenn sie da sind.“ Einmal die Woche wird es eine Hauskonferenz geben. „Da werden auch Freizeitaktivitäten besprochen“, sagt Tim Harguth. „Unsere nächste Freizeitaktivität wird reiten sein.“ Darauf freut sich auch Nicola Kellner sehr.

„Unsere Tochter reitet für ihr Leben gerne“, sagt Stephanie Kellner. „Und sie arbeitet auch gerne in der Werkstatt der Lebenshilfe in Wermelskirchen.“ Nikola Kellner ergänzt: „Derzeit verpacke ich dort Elektroverbindungen für Obi.“

Das Gute an dem Haus ist, dass die Menschen mit Handicap alles fußläufig erreichen können.

Stephanie Kellner

Das Haus, das mitten in Wermelskirchen liegt, ist von einem 1300 Quadratmeter großen Grundstück umgeben. 400 Quadratmeter gepflasterte Außenfläche werden zur Terrasse, weitere 500 Quadratmeter zu einem Garten gestaltet. „Im Erdgeschoss befindet sich ein großzügiger Aufenthaltsbereich mit offener Küche. „Das Gute an dem Haus ist, dass die Menschen mit Handicap alles fußläufig erreichen können“, sagt Stephanie Kellner. „Sie können selbstständig zum Arzt gehen, zum Friseur, ein Eis erwerben oder zum Drogeriemarkt spazieren und einkaufen.“

In den nächsten Tagen und Wochen wird es im Haus Sonnenschein noch unruhig sein. „Nach und nach richten jetzt alle künftigen Bewohner ihre Zimmer ein“, sagt Tim Harguth. „Ich hoffe aber, dass wir hier bald zur Ruhe kommen und der Alltag für die Menschen mit Handicap einziehen wird.“ Aufgeregt und gespannt, das sieht man den neuen Bewohnern an, sind alle in der Oberen Waldstraße.

Das Haus

Haus Sonnenschein, das einmal eine Gärtnerei war, beherbergt zehn Zimmer, etwa 18 bis 19 Quadratmeter groß, für zehn Menschen mit Handicap. Das 445 Quadratmeter große Haus wurde 1830 erbaut. Und jetzt in drei Jahren behindertenfreundlich umgebaut. Das Haus steht auf einem 1300 Quadratmeter großen Grundstück. 400 Quadratmeter Außenfläche werden zu einer Terrasse umgebaut, weitere 500 Quadratmeter zu einem Garten gemeinsam gestaltet. Die Zimmer sind alle lichtdurchflutet.

Standpunkt: Sehr gut durchdacht

Ein Kommentar von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Es war ein schöner Termin. Das Haus Sonnenschein ist eröffnet worden. Die erste Hausgemeinschaft für Menschen mit geistigem Handicap und Mehrfachbehinderungen. Und man sieht das dem Haus an und spürte es in allen Gesprächen, hier waren Menschen am Werk, die ihre Ideen voller Herzblut umgesetzt haben. Wann können denn sonst selbst Betroffene solch ein Haus kaufen und umbauen? Das Ehepaar Kellner hat damit die beste Möglichkeit für ihre Tochter Nicola geschaffen, darüber hinaus aber auch noch für neun weitere Menschen mit Handicap großzügigen Wohnraum eingerichtet. Und darüber hinaus haben die Kellners auch nach einem Betreuungs- und Pflegedienst gesucht, der zu ihnen passt und dem sie diese Aufgabe zutrauen. Im Haus stimmt alles, ein Aufzug führt in alle Stockwerke, es gibt einen großen Wohn- und Essbereich mit offener Küche im Erdgeschoss. Und die Bewohner teilen sich auf den Etagen, wo sie ihre Zimmer beziehen, auch noch einen Aufenthaltsraum mit Teeküche. So dass für alle Bewohnerinnen und Bewohner so viel Privatsphäre wie möglich, aber auch so viel Gruppenraum wie nötig geschaffen wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Aus „Café Tilley“ wird „Süßes Leben“
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Pflegekräfte bestehen ihre Ausbildung
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Er will die Obi-Geschichte fortführen
Kuddelmuddel im Laienspiel Hünger
Kuddelmuddel im Laienspiel Hünger
Kuddelmuddel im Laienspiel Hünger

Kommentare