Personalie

Ein Original verlässt das Krankenhaus

Thomas Rittershaus wird der Nachfolger von Monika Hartung. Drei Jahre war er ihr Stellvertreter und sie hat ihn eingearbeitet.
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Thomas Rittershaus wird der Nachfolger von Monika Hartung. Drei Jahre war er ihr Stellvertreter und sie hat ihn eingearbeitet.

Pflegedienstleiterin und Hygienefachkraft Monika Hartung wird vielen unvergessen bleiben.

Von Anja Carolina Siebel

Wenn Monika Hartung in ihrem Job für etwas einstand, dann unternahm sie mit unvergleichlichem Einsatz alles, um es zu erreichen. Und meistens beendete sie ihren Satz dann mit den Worten „Fertig, aus, Micky Maus.“ Widerspruch war in den allermeisten Fällen zwecklos.

Nach 34 Jahren, zunächst als Krankenschwester, dann als Dozentin der Krankenpflegeschule, damals noch mit Sitz in Wermelskirchen, zuletzt als Pflegedienstleitung, Hygienefachkraft und Koordinatorin des Qualitätsmanagements, wechselt die 66-Jährige nun in den Ruhestand. Bei ihrer offiziellen Verabschiedung am Donnerstagabend im Hotel Zum Schwanen war spürbar, dass das Ende ihrer beruflichen Laufbahn nicht nur Monika Hartung selbst schwer fallen wird.

„Sie werden uns arg fehlen“, versicherte Dr. Volker Launhardt, der mit einer launigen Laudatio auf die engagierte Krankenhaus-Mitarbeiterin für viel Schmunzeln in der Runde sorgte. Und damit sprach der internistische Chefarzt und Ärztliche Direktor des Krankenhauses auch und vor allem für den Klinik-Geschäftsführer Christian Madsen, der wegen Erkrankung der Veranstaltung fernbleiben musste.

In Launhardts Rede wurde deutlich, was die scheidende Mitarbeiterin des Krankenhauses ausmachte: Disziplin, Beharrlichkeit, unerschütterliches Selbstbewusstsein - dabei aber eine ganz große Portion Herzlichkeit. „Als ich sie einmal bei einem öffentlichen Termin fragte, was denn ihren Führungsstil ausmache, sagte sie nur Schulter zuckend: Diktatur“, erinnerte sich Launhardt lachend. Und mit ein wenig Unbehagen erinnerte er auch an Situationen, in denen sie ihn unbedingt sprechen wollte und so lange vor seinem Zimmer ausharrte, bis er einwilligte. „Es war dann ratsam, das Gespräch im Stehen abzuhandeln, sonst konnte sich das ziehen.“

Bürgermeisterin Marion Lück lud die künftige Ruheständlerin gar ein, sie im Urlaub im Bürgermeisterbüro zu vertreten: „Ich glaube, Sie bringen viele Eigenschaften mit, die für diese Position von Nutzen sind.“

Claudia Müller, eine langjährige Weggefährtin in der Krankenpflegeschule, machte in ihrer Ansprache indes deutlich, welche andere, weiche Seite in Monika Hartung steckt: „Während ihrer eigenen Prüfung zur Krankenschwester, sie sollte gerade mit dem praktischen Teil beginnen, sprach eine Patientin sie an, die nicht wusste, dass Monika in der Prüfung war. Sie erzählte ihr, dass sie gerade eine Krebsdiagnose erhalten hätte. Monika unterbrach ihre Prüfung und setzte sich erstmal zu der Frau. Das macht sie aus, so ist sie eben.“

Demnächst geht es auf große Wohnmobil-Tour

Wie Monika Hartung wirklich ist, das weiß vor allem ihre Familie. Ihr Mann Michael, die Tochter und die beiden Enkelsöhne, für die sie am Wochenende gern lecker kocht. „Dass ich für sie jetzt mehr Zeit habe, darauf freue ich mich“, sagt Monika Hartung. Ihr Mann, der schon seit zehn Jahren seinen Ruhestand genießt, freue sich jetzt auf gemeinsame Motorrad- und E-Bike-Touren mit seiner Frau - und vor allem soll gereist werden. Hartung: „Wir sind gern mit unserem Wohnmobil unterwegs. Das können wir jetzt unbegrenzt sein, müssen uns nicht auf sechs Wochen Urlaub im Jahr konzentrieren.“ Immer mit im Schlepptau ist Hündchen Shiva (7), ohne die Monika Hartung praktisch nirgendwo hingeht.

 Bei aller Freude auf die neu gewonnene Zeit, die 66-Jährige wird das Krankenhaus an der Königstraße künftig vermissen. Wenn sie das auch nicht so direkt ausspricht, so merkt man es ihr doch an. „Man kann mich ja immer zur Not anrufen, wenn man mich braucht“, sagte sie noch. Und irgendwie wusste jeder im Raum, dass man das auch sicher mal machen wird. „Sie wird große Spuren hinterlassen“, sagte ihr Nachfolger, der neue Pflegedienstleiter Thomas Rittershaus. Und doch brachte es schließlich wieder Dr. Volker Launhardt auf den Punkt: „Auf Hartung folgt jetzt Rittershaus. Ende, aus, Micky Maus.“

Hintergrund

Thomas Rittershaus wird künftig den Posten des Pflegedienstleiters und des Koordinators fürs Qualitätsmanagement übernehmen. Er war zuletzt drei Jahre lang Monika Hartungs Stellvertreter. Diesen Posten wird nun Annette Nikolajuk übernehmen. Beide stammen aus den eigenen Reihen des Wermelskirchener Krankenhauses.

Monika Hartung absolvierte vor 34 Jahren ihre Ausbildung zur Krankenschwester und war seitdem Teil der Klinik. Zuletzt war sie Hygienefachkraft und Pflegedienstleitung sowie zuständig fürs Qualitätsmanagement.

Standpunkt Von Anja Carolina Siebel: Sie geht nicht so ganz

anja.siebel@rga.de

Es gibt vermutlich nicht mehr viele Menschen in der modernen Arbeitswelt, die wie Monika Hartung sind. Menschen mit harter Schale, die aussprechen, was sie denken und aus tiefster Überzeugung meinen, dafür vehement und beharrlich einstehen und dabei für viele auch mal unbequem sind. Menschen, die dabei aber einen weichen Kern haben, Fairness walten lassen und den anderen respektvoll im Blick behalten.

So war Monika Hartung. Und sicher wird sie vor allem deshalb im Krankenhaus auch eine große Lücke hinterlassen. Sie halte es mit Trude Herr, sagte Monika Hartung bei ihrer Verabschiedung: „Niemals geht man so ganz.“ Ganz gehen wird sie sicher nicht. Nicht nur deshalb, weil sie öfter vorbeischauen wird an der Königstraße. Sondern auch, weil ihre unvergleichliche Art nachhallen wird. Und sei es, wenn man sich auf dem Gang mal fragen wird: „Was hätte Monika jetzt gesagt? Vermutlich 'Ende, aus, Micky Maus'.

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