Der RGA ging auf Spurensuche

Ein Leben wie aus einem Mittelalter-Krimi

Auf Schloss Burg erinnert das Reiterstandbild von Paul Wynand an Engelbert II. Graf von Berg. Er ist auch als Erzbischof Engelbert I. von Köln – später der Heilige Engelbert genannt – in die Geschichte des Rheinlands eingegangen. Archivfoto: Roland Keusch
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Auf Schloss Burg erinnert das Reiterstandbild von Paul Wynand an Engelbert II. Graf von Berg. Er ist auch als Erzbischof Engelbert I. von Köln – später der Heilige Engelbert genannt – in die Geschichte des Rheinlands eingegangen.

Was wissen wir eigentlich von Graf Engelbert?

Von Klaus Hinger

Auf dem Schlossplatz von Schloss Burg sehen Besucher an prominenter Stelle unmittelbar vor dem Palasgebäude das Reiterdenkmal von Engelbert II. Der Bildhauer Paul Wynand (* 1879, † 1956) hat es geschaffen. Es wurde 1929 aufgestellt. Aber was wissen wir eigentlich von Engelbert und welche Quellen gibt es? Eine Spurensuche.

Caesarius von Heisterbach (um 1180 in oder in der Nähe von Köln, † nach 1240 in Heisterbach) war ein gebildeter Mönch im Zisterzienserkloster Heisterbach bei Königswinter und ein berühmter Kölner Chronist dazu. Er verfasste eine Engelbert-Biografie Vita, passio et miracula beati Engelberti Coloniensis archiepiscopi, mit der Zielrichtung einer Heiligsprechung. Hier führt er eine Chronik über das Leben und Sterben des ermordeten Kölner Erzbischofs Engelbert I. von Köln auf.

Eine weitere Quelle aus der damaligen Zeit ist Walther von der Vogelweide (* um 1170, Geburtsort unbekannt; † um 1230, möglicherweise in Würzburg). Er gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters. Er besingt und lobt Engelbert für seine außerordentliche Arbeit und betrauert ihn nach dessen Tod.

Vincenz von Zuccalmaglio, genannt Montanus, (*1806 in Schlehbusch, † 1876 in Grevenbroich) fasste die Informationen zusammen. Demnach wurde Engelbert II. als Sohn des Engelbert I. 1185 in Burg an der Wupper geboren und am 7. November 1225 bei Gevelsberg ermordet. Wie damals üblich wurde er von der Familie für eine Karriere im kirchlichen Bereich ausgewählt. Er besuchte die Domschule Köln. Bereits als 14-Jähriger gehörte er zum Gefolge des Erzbischofs zur Kaiserkrönung 1198 in Aachen. Schon während seiner Schulzeit wurde er Probst zu Gereon in Köln. Da für dieses Amt ein Mindestalter von 25 Jahren vorgesehen ist – Engelbert war aber erst 15 – war die Wahl zunächst umstritten. Engelbert ließ nichts unversucht und reiste nach Rom zum Papst, um diesen umzustimmen. Was ihm nicht gelang. Aber trotz päpstlichen Widerspruchs blieb er nach nochmaliger Wahl durch das Domkapitel im Amt.

Ärgster Feind wurde Friedrich von Isenburg, ein naher Verwandter

Mit 18 Jahren wurde Engelbert das Amt des Erzbischofs von Münster angetragen, das er aber ausschlägt. Am 1. Mai 1216 wurde er – damals 31 – zum Erzbischof von Köln gewählt. In jener Zeit herrschte heilloses Chaos. Geistliche und weltliche Autoritäten lagen im Streit, es galt das Recht des Stärkeren, Raubritter unterdrückten und erpressten die Menschen, der Papst operierte mit Bannflüchen gegen Könige und Erzbischöfe. Engelbert schaffte Ordnung, eroberte Raubburgen, ließ Raubritter verurteilen und durch den Strang hinrichten. Was allerdings viele Adlige – den sogenannten Raubadel – auf den Plan rief. Sie sannen auf Rache und Veränderung.

Ärgster Feind wurde Friedrich von Isenburg, ein naher Verwandter. Engelbert führte im Namen seines Bruders Adolph die Regierung in Berg von Schloss Burg aus. Als Adolph auf einem Kreuzzug bei Damiette ums Leben kam, wäre eigentlich dessen Tochter beziehungsweise deren Ehemann Heinrich von Limburg der Rechtsnachfolger gewesen.

Ein Pastor verweigerte die Aufbahrung in der Kirche

Engelbert blieb aber auf Schloss Burg und regierte weiter. Gewaltigen Machtzuwachs erhielt er auf dem Reichstag in Frankfurt im April 1220, als Kaiser Friedrich ihn zu dem Erzieher seines achtjährigen Sohnes Heinrich ernannte und auch noch als seinen Stellvertreter im Deutschen Reich diesseits der Alpen bevollmächtigte.

In den Abendstunden des 7. November 1225 geriet Engelbert auf dem Weg nach Schwelm in einem Hohlweg bei Gevelsberg in einen Hinterhalt. Er wurde von einer großen Übermacht unter Leitung von Isenburgs brutal erschlagen. Seine Leiche wurde auf einem Bauernkarren nach Schwelm gebracht. Der dortige Pastor verweigerte die Aufbahrung in der Kirche. Auch in Schloss Burg blieben die Tore zu. Hintergrund waren Erbstreitigkeiten zwischen Heinrich von Limburg und Engelbert.

Engelberts Leichnam wurde schließlich nach Altenberg geschafft. Die Mönche des Klosters balsamieren die Leiche, setzen Herz und Innereien vor dem Altar ihrer Kirche in einem silbernen Gefäß in der Familiengruft bei. Die Leiche wurde in einem großen Trauerzug nach Köln gebracht. Die Knochen legte man mittelalterlichem Rechtsbrauch folgend in einen Schrein. Sie wurden zur Klageerhebung benötigt, um sie vorzeigen zu können. Am 21. November 1225 trugen Bürger von Köln und Mitarbeiter des Erzbischofs die Leiche des erschlagenen Engelbert beim Reichstag in Nürnberg auf einer Bahre in den Gerichtsraum. Der Leichnam war entblößt und wies 47 Wunden auf, die abgeschlagenen Hände lagen auf der Brust.

Alle Reichsfürsten waren angereist, nur die Isenburger fehlten. Der König sprach daraufhin die Reichsacht gegen die Mörder Engelberts und alle Helfer aus. Der Reichsacht folgte der Bannfluch des Papstes. Auf den Kopf Friedrich von Isenburgs wurde vom Kölner Erzbischof ein hoher Preis ausgesetzt. Im Herbst 1226 wurde der Gesuchte in Lüttich erkannt, festgenommen und an den Kölner Erzbischof ausgeliefert.

Genau ein Jahr nachdem die Leiche des erschlagenen Erzbischofs nach Köln gebracht worden war, vollzog sich am 10. November 1226 der letzte Akt dieses Dramas. Die grausame Hinrichtung von Isenbergs vor dem Severinstor. Auf einer Steinsäule mit einem oben befestigten Wagenrad wurde die Hinrichtung vollzogen. Man zerschlug von Isenbergs Arme und Beine mit einem Beil und zog ihn dann auf das Rad. Er lebte bis zur Mette– ein nächtlicher oder frühmorgendlicher Gottesdienst. Er soll gebetet und die Umstehenden um Fürbitte angefleht haben.

Hintergrund

Engelberts Gebeine werden in einem Schrein in der Schatzkammer des Kölner Doms aufbewahrt, das separat bestattete „Herz des Heiligen“ in einem modernen Reliquiar im Altenberger Dom. Fingerreliquien befinden sich in der katholischen Pfarrkirche St. Engelbert und St. Martinus in Solingen. Ein Teil des Unterarmes wird in der früheren St.-Engelbert-Pfarrgemeinde in Gevelsberg aufbewahrt. Engelbert wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt und im offiziellen Verzeichnis der Seligen und Heiligen der katholischen Kirche geführt.

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