Geburtstag

Ein bunter Hund mit legendärem Ruf

Zu den Gratulanten zu Friedel Burghoffs 90. Geburtstag zählten auch Bürgermeisterin Marion Lück und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Stefan Leßenich (l.).
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Zu den Gratulanten zu Friedel Burghoffs 90. Geburtstag zählten auch Bürgermeisterin Marion Lück und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Stefan Leßenich (l.).

Friedel Burghoff feiert seinen 90. Geburtstag – Er erinnert sich daran, wie er Helmut Kohl einst die Zügel überreichte.

Von Stephan Singer

Wermelskirchen. An diesen Tag erinnert sich Friedel Burghoff genau: Am 27. September 1982 überreichte er Helmut Kohl kurz vor dessen erster Vereidigung als Bundeskanzler die Zügel. Und das tat Friedel Burghoff nicht ohne staatstragende Schlitzohrigkeit. „Ich überreiche Ihnen die Zügel für dieses verantwortungsvolle Amt“, habe er dem zukünftigen Bundeskanzler damals gesagt, erinnert Burghoff, der nun seinen 90. Geburtstag feierte. 1982 hatte Friedel Burghoff tags zuvor seine Kutsche in das Ruhrgebiet gebracht, einen Tag später seine Pferde, um dann publikumswirksam neben Kohl auf dem Kutschbock durch den Gelsenkirchen-Park zu fahren.

Hoher Besuch im Jahr 1982: Friedel Burghoff und Helmut Kohl auf dem Kutschbock.

Im Gespräch mit unserer Redaktion kann Friedel Burghoff von vielen Begebenheiten berichten, denn er ist in Wermelskirchen und Umgebung eine kommunalpolitische Größe, mit legendärem Ruf – ihn kennt man, wie den sprichwörtlichen bunten Hund. Daraus zieht der Jubilar auch gleich eine Lehre: „Die Kommunalpolitik ist die schwerste, weil du als Kommunalpolitiker täglich am Menschen bist.“ Aber, so ergänzt Burghoff und bezieht sich dabei auf Martin Luther: „Man muss den Menschen aufs Maul schauen, aber muss ihnen nicht nach dem Maul reden.“

Dass er bei seinem politischen Wirken auch angeeckt ist, weiß Friedel Burghoff. „Manch einer hat mir schon gesagt, dass eine Meinungsverschiedenheit mit mir hart war. Aber hat auch zugestanden, dass ich nie belogen habe.“

Auf dem Empfang an seinem Ehrentag singen seine Enkel ein Ständchen und dichten dafür den Kult-Hit „Wir sagen danke schön, 40 Jahre Die Flippers“ in „Wir sagen danke schön, 90 Jahre der Opa“ um. Im Text kommt der Chor um das kommunalpolitische Schaffen des Großvaters nicht herum: „Bürgerforum, CDU – Chef im Ring, das bist immer Du“ oder „Kohl und Strauß, die hörten auf, doch der Opa bleibt im Rathaus“.

Friedel Burghoffs Ehefrau Else verstarb vor vier Jahren. Gemeinsam zogen sie sechs Kinder groß, inzwischen hat Friedel Burghoff 16 Enkelkinder und einen Ur-Enkel. Was gibt er jungen Menschen mit auf den Weg, wenn sie sich für ein Engagement in der Kommunalpolitik entscheiden? „Absolute Aufrichtigkeit. Und jeder sollte sich auf eine Sache spezialisieren, denn man kann nicht alles schaffen und bewältigen – dafür sind die Anforderungen in der Kommunalpolitik zu umfangreich“, sagt Friedel Burghoff und fügt zuspitzend hinzu: „Wer sozial predigt, muss eben auch die Sozialgesetzgebung kennen.“

1957 trat Friedel Burghoff in die CDU ein, 1964 gehörte er dem damaligen Kreistag Rhein-Wupper an, ab 1969 dem Gemeinderat in Dhünn. Heute ist er ältestes Mitglied im Stadtrat, dementsprechend fiel Friedel Burghoff die offizielle Amtseinführung von Bürgermeisterin Marion Lück im November 2020 zu. Einschneidend war sein Ausscheiden bei den Christdemokraten nach 46 Jahren. Und, so bestätigt Friedel Burghoff: „Das war schon eine Machtprobe.“

Seine Frau unterstützte sein Engagement sehr

Gemeinsam mit Antje Buhl und Manfred Schmitz-Mohr gründete Friedel Burghoff das Bürgerforum (Büfo). Allianzen mit andern Gruppen und Parteien wurden geschmiedet und die Wähler überzeugt: Eric Weik löste in Wermelskirchen den CDU-Bürgermeister Michael Heckmann ab, den Friedel Burghoff nicht mehr mittragen wollte. Dieses „Kriegsbeil“ ist bekanntlich inzwischen begraben: Vor der Kommunalwahl 2020 kehrte Burghoff dem Büfo den Rücken und in „seine“ CDU zurück.

„Entweder macht man Politik ganz oder gar nicht – so sehe ich das“, betont Friedel Burghoff mit Nachdruck. Entsprechend viel Zeit hat er hineingesteckt: „Anfangs wurde ich damit gelockt, dass ich zwei, drei Abende im Monat nicht zu Hause sei. Es war schnell so, dass ich nur an zwei, drei Abenden im Monat zu Hause war.“ Das habe seine Frau unterstützt und deshalb funktioniert. „Als ich gefragt wurde, mich in der Kommunalpolitik zu engagieren, durfte meine Frau entscheiden“, berichtet Friedel Burghoff: „Und bei meinem Wechsel von Büfo zurück in die CDU habe ich zuvor meine Kinder nach ihrer Meinung gefragt.“

Als jemand, der einen Großteil der Kindheit im Zweiten Weltkrieg verbracht hat, sei „Putins Einmarsch“ in die Ukraine ein „ganz furchtbarer Augenblick“ für ihn gewesen, stellt Friedel Burghoff fest. Ein „Trauerspiel“ sei es, wie kleinere Krankenhäuser und deren Finanzierung von der Bundes- und Landespolitik vernachlässigt würden, kommentiert der 90-Jährige mit Blick auf das Wermelskirchener Krankenhaus, dessen Geschicke er seit der Grundsteinlegung begleitet.

Ein biblisches Alter habe er schon überschritten, meint Friedel Burghoff lachend: „Ich wünsche mir, dass die Menschen die Zufriedenheit an den Anfang stellen, denn dann geht es auch gesundheitlich besser – alle sollten versuchen, alles positiv anzugehen.“

Zur Person

Lebensweg: In Burscheid-Ösinghausen, wo seine Eltern einen Bauernhof gepachtet hatten, erblickte Friedel Burghoff am 2. Januar 1933 das Licht der Welt. Im Oktober 1949 kam er mit seinen Eltern nach Dhünn, wo der 90-Jährige heute noch lebt.

Beruf: Er absolvierte 1965 die landwirtschaftliche Meisterprüfung, wechselte aber 1968 in die Versicherungsbranche. Nebenbei führte er einen Pferdeverleih/Reiterpension.

Politisch: „Ich bin mitte-rechts“, ordnet Burghoff sich politisch ein und fügt noch hinzu: „Aber nicht rechts. Meine größte Sorge ist zu viel Kraft für die AfD.“

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