Eigentümer behalten Rhombus-Gelände

Die Bauruine der alten Rhombus-Fabrik ist seit Jahren kein schöner Anblick im Stadtbild. Foto: Roland Keusch
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Die Bauruine der alten Rhombus-Fabrik ist seit Jahren kein schöner Anblick im Stadtbild. Foto: Roland Keusch

Stadtverwaltung ist von der Entscheidung der Grundstücksbesitzer überrascht

Von Anja Carolina Siebel

Die Nachricht kam für die Stadtverwaltung „völlig überraschend“, wie der Technische Beigeordnete Thomas Marner berichtet. Bürgermeister Rainer Bleek ergänzt: „Wir sind betrübt.“ Die Eigentümergemeinschaft des Rhombus-Geländes an der Remscheider Straße hat mitgeteilt, dass sie den Komplex nicht an die Stadt verkaufen will. „Sie möchten den drei Hektar fassenden Komplex in Eigenregie entwickeln“, berichtet Rainer Bleek. Er betont, dass der gutachterliche Kaufpreis bei der Entscheidung der Eigentümer keine Rolle gespielt hätte.

Sven Schulte von der Eigentümergemeinschaft betonte auf Nachfrage, dass man sich nicht zu der Entscheidung äußern wolle. Fakt ist indes: Auf die Fördermittel, die die Stadt sowohl aus den Töpfen des Entwicklungs- und Handlungskonzepts (IKEHK) als auch aus der Regionale 2020/25 hätte schöpfen können, werden die Eigentümer nicht zurückgreifen können. Wie berichtet, wollte die Stadt im Rahmen des IKEHK das Rhombus-Gelände kaufen und erschließen.

„Es schmerzt, eines der größten Leuchtturmprojekte aus der Hand zu geben.“

Thomas Marner, Technischer Beigeordneter

Angedacht waren beispielsweise ein Fachhochschulstandort, ein Innovationsquartier mit Gewerbe und Büros oder ein Innenstadtquartier mit Wohneinheiten. Daraus wird nun, zumindest unter städtischer Regie, nichts. Angedeutet hätten die Eigentümer indes, dass sie ähnliche Pläne wie die Stadt für die Erschließung hätten, heißt es von Verwaltungsseite.

„Wir werden das natürlich begleiten; bei einer Nutzungsänderung müsste laut Baugesetz auch wieder der Rat einen entsprechenden Beschluss fassen“, sagt Thomas Marner. Weder er noch Stadtentwickler Florian Leßke können sich indes vorstellen, dass die geplante Umsetzung für die Eigentümer des Komplexes „in irgendeiner Form wirtschaftlich sein könnte“.

Leßke: „Allenfalls großflächiger Einzelhandel wäre dort rentabel. Das ist aber rechtlich nicht möglich, weil es die Innenstadt gefährden würde.“

Laut Thomas Marner würden allein der Abriss der Gebäude und die Entsorgung der Bauteile „einen siebenstelligen Betrag“ beanspruchen. „Würde man den Komplex dann an einen Investor verkaufen, wäre das ein Verlustgeschäft, zumindest aber könnte man keinen Gewinn erwirtschaften. Das haben wir per Gutachten schwarz auf weiß“, sagt Thomas Marner.

Aus diesem Grund hatte die Stadt auf Fördergelder gesetzt. Und die Förderer hatten zugesichert, die Differenzbeträge zu übernehmen. Marner: „Es hätte uns trotzdem Geld gekostet, aber das war es uns wert.“

Die Fördersumme von rund 15 Millionen Euro, die die Stadt für Projekte des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes insgesamt erwartet, tangiert der Verlust des Rhombus-Projektes letztlich nicht. Das unterstreicht Bürgermeister Rainer Bleek. „Wir werden dann dafür Projekte, die zunächst eine niedrige Priorität hatten, vorziehen.“ Wie berichtet, gehören neben dem Jugend- und Freizeitpark in Zenshäuschen zum Beispiel die Alte Ziegelei in Hilgen, der Ausbau der Balkantrasse oder die Restaurierung der Bürgerhäuser zu den förderwürdigen Projekten.

Ein wenig investiert hatte die Verwaltung für Rhombus bereits: So hatte sie das angrenzende Gebäude gegenüber des Seniorenheims an der Remscheider Straße erworben. Und einige Gutachten fertigen lassen. „Ob und wie viel wir an Gutachterkosten zurückbekommen, wird sich zeigen“, sagt Rainer Bleek.

Thomas Marner hofft indes, dass die Pläne der Eigentümergemeinschaft denen des IKEHK entsprechen und die Stadt letztlich aufwerten. „Ich befürchte aber, dass das nicht möglich sein wird“, räumt er ein. Und gibt zu: „Eines unserer größten Leuchtturmprojekte aus der Hand geben zu müssen, das schmerzt uns schon.“

Rhombus

Seit gut 20 Jahren steht der Rhombus-Komplex weitgehend leer und hat sich inzwischen zur Industriebrache entwickelt. Die Stadt wollte dem Komplex erwerben und daraus mit Unterstützung durch das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept sowie Fördermitteln aus der Regionale 2020/25 etwa einen Hochschulstandort oder ein Technologiezentrum machen. Der Rat hatte dem Kauf bereits zugestimmt.

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