Projekt

Eifgen: Bürger wollen neues Verfahren

Joachim Schulte, Klaus Ulinski, Michael Dierks, Wolfgang Schindler, Volker Preyer und Volker Ernst (v.l.) möchten bewusst neutral bleiben. Foto: acs
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Joachim Schulte, Klaus Ulinski, Michael Dierks, Wolfgang Schindler, Volker Preyer und Volker Ernst (v.l.) möchten bewusst neutral bleiben.

Das Thema erhitzt weiter die Gemüter der Wermelskirchener.

Von Anja Carolina Siebel

Sie möchten bewusst nicht Stellung zu einem der bisher vorgeschlagenen Projekte im Eifgen beziehen. Das betonen Joachim Schulte, Wolfgang Schindler, Klaus Ulinski, Rolf Körschgen, André Frowein, Volker Preyer, Volker Ernst, Michael Dierks und Wolfgang Horn. Irgendwie sind sie zwar alle auch aktiv in Wermelskirchen, sei es beruflich oder privat. „Was diese Sache angeht“, unterstreicht Joachim Schulte, „möchten wir aber ausschließlich als Privatleute, als Wermelskirchener Bürger in Aktion treten.“

Worum es ihnen geht: Sie möchten, dass der Stadtrat das laufende Investorenverfahren für das Eifgen ohne Vergabe des Areals an den Investor beenden und eine neue Ausschreibung eröffnen soll. „Die bisher unterbliebene öffentliche Diskussion mit Wermelskirchenern über die Zukunft ihres landschaftlichen Herzstücks muss nachgeholt werden“, spricht Joachim Schulte für die Gruppe.

„Es wäre auch nicht das erste Mal, dass ein Investorenverfahren neu aufgerollt würde“, erinnert Wolfgang Schindler. Er saß einst im Planungsamt der Stadt Wermelskirchen und weiß deshalb, wovon er spricht. Was ihn ebenfalls wundert: „Schon im Entwurf für das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept aus dem Jahr 2019 ist von Bürogebäuden die Rede, die möglicherweise dort entstehen könnten. Damals war der aktuelle Investor zwar noch nicht im Spiel, aber dennoch ging es um diese Thematik. Wir fänden nicht gut, wenn man sich da frühzeitig festgelegt hätte.“

Heimatkundler Volker Ernst weist darauf hin, dass das Areal „schon vor über 150 Jahren ein Freizeitgelände war.“ Er erinnert an das Eifgen-Freibad, die Rodelbahn oder einen Schießstand, den es mal gab. „Für viele Wermelskirchener ist das nicht nur Freizeit, sondern auch Naherholung und Heimaturlaub. Das muss man auch bedenken.“

Aber auch Ernst betont: „Essoll von unserer Seite keinerlei Richtung geben, die wir thematisch einschlagen. Wir sprechen hier als Bürger und bekunden unser Interesse am Eifgen. Wir haben natürlich alle unsere Meinung zu dem einen oder anderen Vorschlag. Aber die sollte hier keine Rolle spielen. Wichtig ist uns allein, dass das Verfahren neu aufgezogen wird und andere Vorschläge eine Chance bekommen.“ Michael Dierks räumt dazu ein: „Der Investor könnte ja trotzdem dann wieder mitbieten.“

Andere Gruppierung kritisiert den Verein Bowl Church

Dass das Investorenverfahren gestoppt werden soll, dafür spricht sich auch eine andere Gruppierung aus, die Ende der Woche einen offenen Brief an Verwaltung und Politik richtete. Sie übt indes auch Kritik: „Nach unserem Verständnis muss Bowl Church und die sie unterstützende freikirchliche Gemeinschaft ein rechtlich einwandfreies Nutzungs- und Finanzkonzept vorlegen und das auch der Öffentlichkeit vorstellen“, schreiben Wolfgang Berg, Rolf Hunds, Erhard Miotk, Hans Schiffmann, Manfred Schmitz und Paul Gustav vom Stein. Vor allem müsse auch konkret dargestellt werden, wie der Verein junger Menschen die für die Sanierung des Grundstücks erforderlichen geschätzten 4 Millionen Euro aufbringen wolle. Die Schreiber unterstreichen zudem, dass sie sich mit der Satzung des Vereins Bowl Church auseinandergesetzt hätten. Und kritisieren, dass in der öffentlichen Darstellung nicht klar würde, wofür der Verein eigentlich stehe. „In Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wollen wir unseren Glauben an Gott in den Mittelpunkt stellen. Dabei wird soziales Engagement gelebt und Gemeinschaft unter Gottes Führung und Segen erlebt“, heißt es in dessen Satzung.

Sendungsbewusst und missionarisch komme die Weltsicht der Vereinsmitglieder bei ihnen an, merken die Schreiber an. Und sie sagen: „Deshalb können wir uns nicht vorstellen, dass der Creative Space langfristig ein Treffpunkt für Jugendliche aller Weltanschauungen, Kulturen und verschiedener sozialer Hintergründe sein würde. „Viele Jugendliche würden sich, wenn sie die wirkliche Absicht der Initiatoren erkennen, zurückziehen. Es würde genau das festgeschrieben, was bei den meisten uns bekannten Freikirchlern der Fall ist: Man bleibt unter sich und unterstützt und fördert hauptsächlich Gemeindemitglieder“, heißt es weiter.

Sollte der Stadtrat letztlich mit einer Mehrheit für das Projekt stimmen, müsse „im Interesse auch des Teils der Bevölkerung, der nicht der freikirchlichen Bewegung zugehörig ist oder sie unterstützt, wenigstens vertraglich festgeschrieben werden, dass das Nutzungsrecht für die Allgemeinheit dauerhaft garantiert ist.“

Stimmen Sie ab

Was ist Ihr Wunsch? Soll der Investor Lo-Project, der vorwiegend Bürogebäude im Eifgen errichten will, den Zuschlag bekommen, oder soll das Investorenverfahren noch einmal neu aufgezogen werden? Ihre Meinung ist bei uns im Netz gefragt. Die Politiker stimmen in der Ratssitzung am 28. Juni darüber ab.

Standpunkt: Heißes Eifgen-Eisen

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Heißes Eisen, heißt es normalerweise. Zurzeit könnte man in Wermelskirchen wohl eher sagen: heißes Eifgen. Denn die Entwicklung des Areals spaltet die Meinungen. Immer mehr kristallisiert sich indes gerade heraus, dass es ein Fehler der Stadtverwaltung war, das Verfahren nicht frühzeitig zu öffnen. Denn speziell dagegen richtet sich der Unmut der Bürger derzeit. Einige favorisieren die neu eingebrachte Variante des Creative Space des Vereins Bowl Church im Eifgen. Andere finden, es sollte sich überhaupt nichts ändern am Eingang zum Eifgental-Wanderweg. Und wieder andere mögen sich gar nicht unbedingt festlegen, finden aber, dass man bisher zu wenig alternative Vorschläge gehört und gesehen hat. Immer mehr drängt sich deshalb die Frage auf, warum die Stadt das nicht auf dem Schirm hatte. Oder viel mehr warum auch die Ratsmehrheit seinerzeit den Vorschlag von WNK/UWG und Bürgerforum abgelehnt hatte, das Verfahren frühzeitig öffentlich zu machen. Das hätte sicher viele interessante Aspekte mehr eingebracht. Vor allem hätte es aber Ärger und Enttäuschung erspart, vor allem bei jenen, die ihre Ideen vorbrachten.

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