Im Gespräch

Zum Tag der Freundschaft: „Ehrlichkeit muss man sich erarbeiten“

Susanne Liebherr (l.) und Susann Ueberholz sind Freundinnen und arbeiten in einer Praxisgemeinschaft.
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Susanne Liebherr (l.) und Susann Ueberholz sind Freundinnen und arbeiten in einer Praxisgemeinschaft.

Susanne Liebherr und Susann Ueberholz sind Freundinnen und Kolleginnen.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Frau Liebherr, Frau Ueberholz, sind Sie Freundinnen oder Kolleginnen?

Susanne Liebherr: Diese Frage haben wir vielleicht wirklich noch nicht abschließend klären können. Also Kolleginnen sind wir schon lange.

Susann Ueberholz: Aber ich glaube, letztlich haben wir uns über das Kolleginnensein auch angefreundet.

Liebherr: Ich habe heute noch einmal darüber nachgedacht. Wir sind vermutlich nicht das, was man typischerweise unter „best friends“ versteht. Aber über das, was wir uns in den vergangenen Jahren gemeinsam erlebt und erarbeitet haben, sind wir uns vielleicht näher als so manche Freundinnen es sind.

Ueberholz: Wir sind hier beinahe täglich miteinander – das ist mit den anderen Freundinnen, die ich habe nicht so. Da telefoniert man ab und zu miteinander und trifft sich. Das, was wir hier haben, ist ja beinahe so etwas wie eine Partnerschaft. Im beruflichen Sinne sowieso. Dazu kommt – wir räumen unheimlich viel in unserer Beziehung auf, eben weil wir uns so oft und viel sehen. Letztlich sind wir also sicherlich beides.

Das kann man in Ihrem Fall eigentlich gar nicht trennen?

Ueberholz: Nein, das glaube ich nicht. Es sei denn, man möchte das trennen. Zu unserem dritten Kollegen im Gesundheitszentrum ist das Verhältnis sicherlich noch einmal anders als zwischen uns beiden.

Liebherr: Ich denke, dadurch, dass wir beide intensiv und hinter geschlossenen Türen mit Menschen arbeiten, können wir das auch noch einmal etwas anders betrachten.

Was macht eine gute Freundschaft für Sie aus?

Liebherr: Für mich ist ein wesentlicher Bestandteil einer guten Freundschaft die gelebte Ehrlichkeit – wenn das möglich ist. Das muss man sich natürlich erarbeiten. Wir beide haben gute, aber eben auch nicht so gute Zeiten. Das ist eben so. Was aber wichtig ist, ist das: Auch wenn wir mal uneins waren und mit dem Gedanken aneinander vorbeigegangen sind – „die ist aber doof!“ –, dann war uns immer klar, dass wir uns nie trennen würden. Wie so ein altes Ehepaar. . . Wir haben uns immer darum bemüht, die Dinge, die nicht rund gelaufen sind, auszuräumen. Eben aufzuräumen.

Ueberholz: Mir geht dabei das Thema Loyalität durch den Sinn.

Liebherr: Ja, genau. Wir könnten uns noch so sehr fetzen – nie würde ich auf die Idee kommen, Dich dann nicht mehr weiterzuempfehlen. Weil ich weiß, was Du kannst. Das muss man trennen können.
Ueberholz: Geht mir genauso.

Wie lange kennen Sie sich schon?

Liebherr: Das dürften jetzt um die 20 Jahre sein, oder? Du hast mich zu Beginn Deiner Selbstständigkeit bei mir zu Hause behandelt.

Ueberholz: 13 Jahre sind wir hier insgesamt schon geschäftliche Partner. Aber kennengelernt haben wir uns tatsächlich schon vor 20 Jahren.

Wann und woran haben Sie gemerkt, dass Sie befreundet sind?

Liebherr: Ich würde sagen, dass das immer wieder mal klar geworden ist. Das ist kein bewusster Entscheidungsmoment gewesen.
Ueberholz: Ja, das ist so ein gewisses Urvertrauen, das immer schon da gewesen ist zwischen uns. Es gibt eine Basis, die gerade auch mit dem Thema Loyalität verbunden ist.

Liebherr: Wir beide sind Platzhirsche, da gibt es durchaus Stürme. Aber trotzdem gibt es selbst dann eine tiefe Verbundenheit zwischen uns. Gegenseitiger Respekt spielt dabei auch eine Rolle.

Ueberholz: Es fing schon an, als ich Dich bei Dir zu Hause behandelt habe. Da gab es Gespräche, die nicht mehr nur oberflächlich waren. Da habe ich gemerkt, dass das zwischen uns passt.

Sehen Sie sich auch außerhalb der gemeinsamen Arbeitsräume?

Ueberholz: Nur wir beide zusammen – das ist eher selten der Fall, gemeinsam mit anderen Freundinnen dann schon eher. Wir gehen schon mal mittags zum Kaffeetrinken, aber dass wir uns am Abend dann noch treffen würden, das kommt eigentlich kaum vor.

Was muss man machen, um eine Freundschaft mit Leben zu erfüllen?

Liebherr: Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man offen und ehrlich miteinander umgeht. Für uns ist es natürlich durch den Beruf gegeben, dass wir gemeinsame Interessensgebiete haben, die wir allerdings auf unsere jeweilige Art und Weise betrachten.

Ueberholz: Ja, wir gehen aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Hintergründen an diese gemeinsamen Interessensgebiete heran.

Gibt es Erlebnisse, die eine Freundschaft ruinieren können?

Liebherr: Viele sagen ja, dass beim Geld die Freundschaft aufhört. Und das mag auch alles sein – etwa auch, wenn es um Neid oder Geld geht oder dass man sich aus irgendwelchen Gründen nicht wirklich verstanden fühlt. Wichtig ist dann die Frage: Können wir damit umgehen? Und zwar offen und ehrlich. Die Abwesenheit von Offenheit und Ehrlichkeit kann meiner Meinung nach eine Freundschaft ruinieren.

Ueberholz: Mein Vorteil mit Susanne ist, dass sie sich in die Dinge reinfühlen kann. Das kann dann auch mal wehtun, aber ich bin letztlich sehr dankbar dafür, weil ich auch viel über Beziehungen lernen konnte. Ich bin da ja ein wenig verkorkst, was das angeht. . .
Liebherr: Wie heißt es so schön – das Leben wär‘ nur halb so nett, wenn keiner einen Vogel hätt‘…

Was ist dran am Klischee, dass Männer und Frauen nicht „nur“ befreundet sein können?

Liebherr: Nein, das glaube ich nicht.

Ueberholz: Ich finde, dass Frauen und Männer durchaus gut befreundet sein können.

Liebherr: Ich finde es sogar schade, dass das nicht viel häufiger der Fall ist. Denn Männer und Frauen können sehr bereichernde Freundschaften führen. Allerdings ist klar, dass da viele Faktoren mit reinspielen, die es nicht unbedingt leicht machen.

Haben Sie selbst auch gute männliche Freunde?

Ueberholz: Ja, tatsächlich habe ich die. Dieser beste Freund ist wie ein Bruder für mich. Da ist so eine Art blindes Selbstverständnis vorhanden, wir müssen nicht jeden Tag telefonieren. Doch wenn wir telefonieren, wird das gerne auch mal eine Stunde. Wir sind immer füreinander da. Er hilft mir beispielsweise immer in Computer-Fragen, dafür bin ich ihm so dankbar. Er hilft mir beispielsweise immer bei meinen Computer-Problemen – und räumt mir immer Zeit frei, wenn ich wieder was habe. Es ist auf jeden Fall sehr schön.

Liebherr: Das dürfte es mehr geben, ich finde das sehr bereichernd.

Können Freundschaften stärkere Bindungen haben als Partnerschaften?

Ueberholz: Ich glaube, es kommt ein wenig darauf an, wie lange man sich jeweils kennt.

Liebherr: Für mich gehört zu einer wirklich guten Partnerschaft auch eine wirklich gute Freundschaft. Mein Mann ist beispielsweise auch mein guter Freund. Anders ginge das doch auch gar nicht, oder?

Ueberholz: Nein, das glaube ich auch nicht.

Wie geht man mit Eifersucht um – wenn man etwa zu viel Zeit mit dem besten Freund verbringt?

Liebherr: Letztlich gilt auch hier – offen damit umgehen. Tatsächlich hatte ich einmal eine Freundin, die sich von mir abgewendet hatte, als ich meinen jetzigen Partner gefunden hatte. Klar, es kann Eifersucht entstehen, aber es bleibt eben die Frage, ob man das gemeinsam klären kann.

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