Musik

Dudley Taft drückt mit der Gitarre Gefühle aus

Bei Dudley Taft (Mitte) und seinen Kollegen floss am Sonntagabend der Schweiß.
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Bei Dudley Taft (Mitte) und seinen Kollegen floss am Sonntagabend der Schweiß.

Grandioses Konzert im Haus Eifgen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Dudley Taft ist ein Name, den womöglich auch recht gute Kenner der Musikszene noch nie gehört haben. Dabei ist Taft gut in der amerikanischen Musikindustrie vernetzt, hat so manchen Star in seiner Freundesliste und so manche bekannte Rockgruppe begleitet. So spielte er im Vorprogramm von Kid Rock und Lenny Kravitz, um nur zwei Namen zu nennen. Mit seinem guten Freund Trey Anastasio gründete Taft seine erste Band. Anastasio gründete späterhin die Gruppe Phish.

So scheint es kein Wunder zu sein, dass sich Dudley Taft, der 1966 in Washington, D.C., geboren wurde, zu einer Musikrichtung hingezogen fühlte, die genauso viele Anteile an Blues wie an Rock und Grunge beinhaltet. Diese druckvolle Mischung brachte er am Sonntagabend im Haus Eifgen auf die Bühne. In seinem Trio unterstützen ihn der amerikanische Bassist Kasey Williams sowie der britische Drummer Nick Owsianka.

Mit einem treibenden Midtempo-Shuffle begann das annähernd zweistündige Programm „Cosmic Radio“, benannt nach Tafts letzter CD, die er 2020 veröffentlichte. Bereits im zweiten Stück nahm der Grunge-Einfluss deutlich hörbar zu. Das „Silver Light“, das Taft besang, muss aus Stahl sein.

Tafts Gitarrenspiel ist melodiengeprägt. Nur gelegentlich zeigt er, dass er hinreißend über die Saiten rasen kann. Aber das können viele Gitarristen. Hingegen verstehen es nur wenige, ein Blues-Solo zu gestalten, eine Geschichte zu erzählen, Gefühle auszudrücken. Dudley Taft gehört zu ihnen. Das Titelstück seines zweiten Albums „Deep Deep Blue“ beweist es: Ein schwerer, erdiger Blues zum Niederknien, sehr amerikanisch, sehr tief, sehr emotional, ein feines Stück Musik, dass vielleicht ZZ Top zustande bekommen hätten, als sie noch nicht auf den Mainstream schielten.

Optisch eine Mischung aus Rodeoreiter und Surflehrer

Taft moderiert sehr humorvoll die Show, erzählt von seiner Jugend und dem Problem, im amerikanischen Midwest an LPs zu kommen – damals, als es noch kein Internet gab. Mit „Broken dreams“ von Stevie Ray Vaughan geht es groovend in die Pause, nicht ohne dass Williams ein formidables Bass-Solo spielt und Owsianka seine Sticks über Becken und Toms wirbeln lässt.

Überhaupt ist die Band dann besonders stark, wenn der Leader sie „loslässt“, wenn sie über sehr lange Gitarrensoli improvisieren können, wenn der Groove sie packt und mitreißt. Wie bei „Drivin‘ south“, einem Jimi-Hendrix-Jam-Stück, das es ausschließlich auf einer obskuren LP zu hören gibt. In „One in a billion“, einem siebenminütigen rüden Rocker, stimmt Taft die Gitarre nach Grunge-Art um, so dass sie wie eine verzerrte Kreissäge klingt und noch mehr Druck erzeugt. Und mit dem unverwüstlichen Freddie-King-Titel „Going down“ geht der offizielle Teil des Konzertes mit einer treibenden Jam zu Ende, in deren Verlauf sich Taft und Williams musikalisch duellieren und Owsianka den rhythmischen Pfeffer beisteuert. Grandios.

Einer der musikalischen Höhepunkte erklingt mit der Zugabe: „Oh Well“, ein 1969 komponierter futuristischer Blues der damals noch progressiven Rockband Fleetwood Mac, dargeboten als knallharter Bluesrock. Jetzt hat der auf der Bühne fließende Schweiß auch die 30 Gäste im Eifgen erwischt, von denen keiner mehr ruhig sitzen bleiben kann.

Dudley Taft, Spross einer zutiefst republikanisch geprägten Familie, wirkt optisch wie eine Mixtur aus texanischem Rodeoreiter und obercoolen kalifornischen Surflehrer. Sein Bart ist spitz zugeschnitten, sein Cowboyhut obligat, ohne seine Sonnenbrille betritt er die Bühne nicht. Im Gespräch ist er freundlich, dem Interviewer zugewandt und humorvoll. Er gibt Auskunft, wie es ist, wenn man in einer Pandemie als Amerikaner in Europa unterwegs ist, und freut sich über jedes lobende Wort. Auch sein Logo gibt etwas vom Menschen Taft preis: ein Totenkopf mit Cowboyhut.

Termine

Weitere Hochkaräter sind im Haus Eifgen zu Gast. Am Freitag,4. November, stellt sich Ron Minis dem Wermelskirchener Pubikum als „bunter Jazz-Hund“ vor. Am 19. November ist das Doppelgastspiel der Deutschrocker Jane und Fargo vorgesehen. Anfang Dezember wird das Trio Farfarello einen Gast mitbringen, der spannende Interaktion verspricht: Julian Dawson.

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