Drohnen sollen die Rehkitze retten

Kitzrettergruppen tragen die Tiere aus der Wiese (links). Dort verstecken sich die Kitze und bleiben bewegungslos – selbst wenn der Mähdrescher kommt. Fotos: Ralf Huckriede
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Kitzrettergruppen tragen die Tiere aus der Wiese (links). Dort verstecken sich die Kitze und bleiben bewegungslos – selbst wenn der Mähdrescher kommt.

Tiere sind bei Mäharbeiten gefährdet – Kreisjägerschaft hofft auf finanzielle Unterstützung bei Technik-Anschaffung

Von Peter Klohs

In jedem Frühjahr, wenn im April und im Mai der Höhepunkt des Frühlings erreicht ist, ergibt sich im Bergischen folgende Problemlage: Die Landwirte wenden sich an die Revierpächter, weil sie ihre zum Teil extrem großen Wiesenflächen mähen wollen. Zeitgleich werden jedoch die ersten Rehkitze geboren, die diese Wiesenflächen sehr gerne nutzen.

Ralf Huckriede, Referent für die Öffentlichkeitsarbeit der Kreisjägerschaft Rheinisch-Bergischer Kreis, weiß zu diesem Problem viel zu berichten. „Die Kitze haben gegenüber den natürlichen Feinden wie Fuchs, Wolf oder auch Wildschwein keinen Fluchtinstinkt und bleiben in ihrem Versteck im zumeist hohen Gras unbeweglich liegen. Das funktioniert meistens auch hervorragend. Aber gegen die modernen Mähmaschinen haben die Kitze natürlich keine Chance. Und – andersrum betrachtet – die Fahrer auch nicht. Wenn die ein Kitz am Boden sehen, ist die Reaktionszeit gleich null.“

Um diese Problemlage so gut wie möglich zu entschärfen, haben sich vor fünf Jahren die ersten Kitzrettergruppen gegründet. „Das hat im kleinen Kreis begonnen“, sagt Ralf Huckriede. „Die Kitzretter organisieren sich über entsprechende Facebook-Seiten, wobei leicht zwischen 20 und 40 Menschen zusammenkommen. Die durchsuchen dann die Wiesen, gehen im Abstand von drei bis vier Metern durch die Natur und melden, was sie an Jungtieren finden.“ Denn nicht nur Kitze würden gerettet und mit Handschuhen am Rande der Wiese abgelegt, wo sie von der Mutter sozusagen wieder abgeholt werden würden, sondern auch Fasane und der eine oder andere Hase. „Richtig groß geworden ist die Bewegung allerdings erst im vergangenen Jahr“, sagt Huckriede. „Natürlich stößt man, je größer die Wiese ist, auch schnell an die Grenze des Machbaren.“

Die Idee, Drohnen zur Kitzfindung einzusetzen, ist schon ein paar Jahre alt und wurde in der Vergangenheit von einigen Privatleuten auf deren Kosten organisiert und durchgeführt. „Das kann natürlich keine Lösung für die Zukunft sein“, sagt Huckriede.

Kommt der Bescheid, müssen die Drohnen rasch gekauft werden

Deshalb ist für die Kreisjägerschaft die Anschaffung von Drohnen eine vorrangige Aufgabe. Beim Land Nordrhein-Westfalen, genau beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz wurde über das entsprechende Förderprogramm die Anschaffung geeigneter Drohnen mit Echtbildübertragung und Wärmekamerasystem beantragt. Das Land bezuschusst die Anschaffung der Drohnen mit 60 bis 80 Prozent.

„Wenn man eine ordentliche Drohne haben will“, weiß Ralf Huckriede, „dann kostet die zwischen 5000 und 6000 Euro. Bei solchen Summen ist die Bezuschussung schon enorm.“

Sollte das Ministerium die Kreisjägerschaft im Rheinisch-Bergischen Kreis mit einem Zuschuss bedenken, müssen die Drohnen recht schnell angeschafft werden. „Im Laufe des April. Spätestens. Und wir müssen natürlich auch Plan B in der Hinterhand haben. Sollte das Land NRW uns nicht bedenken, dann müssen wir überlegen, wie wir wenigstens drei Drohnen finanzieren können. Aber so weit ist es noch nicht.“

Ralf Huckriede ist guter Hoffnung, dass der Zuschuss-Bescheid ihn in den nächsten Wochen erreicht. Der erfolgreiche Kitzrettungseinsatz der Drohnen ist auch von anderen Punkten abhängig. „So eine Wärmebildkamera macht Temperaturunterschiede sichtbar“, erklärt Huckriede. „Das funktioniert am allerbesten morgens, wenn die Luft um 10 Grad kühl ist und im Gegensatz das Kitz mit 37 Grad Hauttemperatur sehr gut zu erkennen ist. Am wärmeren Nachmittag funktioniert das nicht so gut.“

Hintergrund

Die Kreisjägerschaft ist immer dort ansässig, wo der aktuelle Vorsitzende wohnt. Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein, Vorsitzender der KJS im Rheinisch-Bergischen Kreis, lebt in Odenthal. Für Wermelskirchen vertritt der Hegering unter dessen Leiter Norbert Drekopf dessen Interessen. Ziel der Kitzrettung durch die Drohnen ist, dass möglichst kein Kitz mehr zu Schaden kommt.

hr-wermelskirchen.de

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