Distanzunterricht: Schulen passen sich an

Derzeit ist für die meisten Schüler wieder lernen daheim angesagt. Symbolfoto: Christian Beier
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Derzeit ist für die meisten Schüler wieder lernen daheim angesagt.
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Der erste Tag nach den verlängerten Ferien verlief recht gut – aber es gibt auch noch Verbesserungsbedarf.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Das Fazit der meisten Schulleiter nach dem ersten Lockdown-Schultag fällt im Grunde ähnlich aus: Es hat ganz gut funktioniert, hier und da gibt es aber durchaus noch Verbesserungspotenzial. Und: Zum Dauerzustand, darüber sind sich die meisten einig, sollte der Distanzunterricht nicht werden.

Marion Klein von der Grundschule Am Haiderbach mit den Standorten Tente und Hünger wünscht sich, dass ab Februar ein Wechselunterricht möglich sein wird. Das heißt: Nur eine Hälfte der Klasse wird an einem Tag vor Ort unterrichtet, die andere dann am nächsten Tag. „Das hätte auch den Vorteil, dass die Schüler, die mit den Aufgaben zuhause Schwierigkeiten haben, dann vor Ort Fragen stellen könnten“, erklärt Marion Klein.

Waren es im Dezember noch viele Grundschüler, die in Tente und Hünger von ihren Eltern zur Schule geschickt wurden, haben sich die Klassen nun merklich geleert. Klein: „Die Notbetreuung nutzen wirklich nur noch ganz wenige. In Tente sind es elf Kinder, in Hünger zwölf.“ Das gemeinsame Lernen gestalte sich noch schwierig: „Bei Videokonferenzen stürzt regelmäßig unser System ab.“

Klein betont indes, dass sie froh sei über die gute Kooperation der Eltern in der schwierigen Situation. „Sie geben wirklich ihr Bestes, obwohl sie mit der Situation zuhause auch teilweise sehr überlastet sind. Viele sind berufstätig, müssen die Betreuung mit ihrem Arbeitsalltag vereinbaren und erleben dann noch, dass es eben als Eltern nicht so einfach ist, den eigenen Kindern den Lernstoff zu vermitteln. Da entsteht oft Frust.“

„Mehr Wertschätzung für den jeweils Anderen würde vieles erleichtern.“

Dietmar Paulig, Sekundarschule

Reibungslos war offenbar der Start des Distanzunterrichts am Berufskolleg mit den Standorten Wermelskirchen und Wipperfürth. Schulleiter Thilo Mücher lobt auch weiterhin das über den Sommer eingeführte PC-System „365 Grad“, das sich an der Schule flächendeckend etabliert habe. Dank guter technischer Voraussetzungen gebe es bei aller Inhomogenität in den Fächern kaum Probleme. „Wir haben ja eine große Bandbreite an Berufsgruppen“, erklärt der Schulleiter. „So ist es ja nur natürlich, dass ein angehender Steuerfachgehilfe eine bessere technische Ausrüstung zuhause hat als ein Garten- und Landschaftsbauer.“ Aber auch für die eher handwerklichen Berufsgruppen gebe es Lösungen. „Die bekommen dann eben Aufgaben, die nicht sofort gelöst werden müssen, sondern für die sie länger Zeit haben. Und sie haben die Möglichkeit, sich mit dem Smartphone in Konferenzen einzuwählen“, sagt Mücher.

Auf eine große Bandbreite an Voraussetzungen bei den Schülern trifft auch Dietmar Paulig, Schulleiter der Sekundarschule. „Wir haben ja auch noch Förderschüler“, erinnert er. An der Sekundarschule setze man auf zwei Säulen beim Distanzunterricht: Unterricht per Video zum einen und Aufgabenübermittlung per Telefon oder E-Mail zum anderen.

Die Lieferung der mobilen iPads, die die Stadt für bedürftige Familien beim Land angefordert und Ende voriger Woche erhalten hatte, erleichtere die gemeinsame Arbeit nun etwas. Allerdings hätten die Lehrer ihre Tablets noch nicht erhalten. Und: Leider gebe es unter den Sekundarschülern „nicht wenige Familien“, die daheim nicht einmal einen Internetanschluss besäßen. Paulig: „Das erschwert natürlich die Bedingungen für uns ungemein.“ Insgesamt sei es derzeit nicht einfach für alle Beteiligten, resümiert Dietmar Paulig. „Aber ich würde mir auf allen Seiten ein bisschen mehr Wertschätzung und Verständnis für den jeweils Anderen wünschen. Das würde schon vieles erleichtern.“

Hintergrund

Distanzunterricht ist per Definition „Präsenzunterricht in Distanz“. Er kann sowohl in einem geschützten Bereich in der Schule als auch außerhalb von Schule stattfinden. Die Lehrkräfte sind auch für diese Art von Unterricht verantwortlich. Sofern sie nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, kommen sie ihrer Dienstpflicht von einem anderen geschützten Bereich aus nach, beispielsweise von zu Hause.

Standpunkt

anja.siebel@rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Dietmar Paulig äußerte im Gespräch einen Wunsch, mit dem er wohl vielen aus dem Herzen spricht. Der Schulleiter der Sekundarschule wünscht sich mehr Wertschätzung für das Denken des Anderen in der Corona-Pandemie und erinnert daran, dass „wir schließlich alle in einem Boot sitzen“. 

Besser kann man wohl kaum das formulieren, was zurzeit so nötig und wohltuend wäre: mehr Gemeinschaft, mehr Wir, aus dem dann letztlich konstruktive Ideen für ein friedlicheres Miteinander entstehen würden. Studiert man dieser Tage die sozialen Netzwerke im Internet, ist davon nicht viel davon zu finden. Da wird geschimpft und beleidigt. Und auffällig ist, dass immer ein Schuldiger gesucht wird. Immer jemand, den man verantwortlich machen kann für die Situation. Vielleicht geht es aber einfach auch mal darum, auszuhalten, dass es diesen einen Schuldigen nicht immer gibt und dass in einer für alle schwierigen Lage wie dieser, im Grunde jeder Einzelne mit dafür sorgen kann, dass sie ein Stückchen erträglicher wird. Darin seine Energie legen, das ist sicher gesünder und heilbringender als Schimpfen und Wüten. 

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