Interview

Digitalisierung ist die größte Aufgabe

Direktorin Sibille Kozina mit Geschäftsleiter Gregor Schmitz vor dem Amtsgericht.
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Direktorin Sibille Kozina mit Geschäftsleiter Gregor Schmitz vor dem Amtsgericht.

Sibille Kozina ist die Direktorin des Amtsgerichts.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Frau Kozina, warum haben Sie sich für Jura entschieden?

Kozina: Ich habe mich seinerzeit für meinen Beruf entschieden, weil ich gerne mit Menschen arbeiten wollte und mich der richterliche Beruf auch interessiert hat. Ich bin seit dem 21. April 2008 Richterin – zur Direktorin des Amtsgerichts wurde ich am 28. Februar 2018 ernannt.

Wie viele Mitarbeitende gibt es im Amtsgericht und in welchen Bereichen sind diese tätig?

Kozina: Im Amtsgericht Wermelskirchen arbeiten derzeit insgesamt 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese sind grundsätzlich bereichsübergreifend tätig. Darunter sind: drei Richterinnen und Richter, drei Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger, sieben Servicekräfte, eine Gerichtsvollzieherin und die drei Mitarbeiter in der Wachtmeisterei. Die Richterinnen und Richter bearbeiten Familiensachen, Strafsachen, Zivilsachen, Zwangsvollstreckungssachen, Nachlasssachen und Betreuungssachen. Die Aufgaben der Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger sind vielfältig, um nur ein paar Beispiel zu nennen.

Welche Fälle landen vor dem Amtsgericht?

Kozina: Wie bereits erwähnt kommen Fälle aus den Bereichen Familienrecht, Strafrecht, Zivilrecht, Zwangsvollstreckungsrecht, Nachlassrecht und dem Betreuungsrecht zu uns am Amtsgericht. Außerdem werden hier Grundbuchsachen bearbeitet.

In Wipperfürth gibt es eine Staatsanwaltschaft vor Ort. Warum ist das in Wermelskirchen bislang nicht der Fall?

Kozina: Tatsächlich gibt es dieses Konzept bei uns noch nicht. Die Staatsanwältin vor Ort in Wipperfürth ist allerdings nicht die einzige an einem Amtsgericht – das Modell wird auch an anderen Amtsgerichten ausprobiert. Letztlich ist das Konzept in Probe, die Erfahrungen damit werden abgewartet und ausgewertet, um dann zu entscheiden, ob es weiter ausgebaut werden kann.

Haben Sie in der Justiz auch mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, die es derzeit überall gibt?

Kozina: Grundsätzlich gilt die Tatsache, dass die vom Amtsgericht angeforderten Kräfte uns dann auch zugeteilt werden. Inwiefern es schwierig ist, diese Kräfte zu finden und auszubilden, kann ich daher nicht beurteilen.

Wie wird man eigentlich zur Gerichtsdirektorin?

Kozina: Was die wichtigste Voraussetzung ist – man sollte Interesse an Verwaltungstätigkeiten haben. Die Stellen selbst werden dann allerdings ganz einfach ausgeschrieben, so dass man sich darauf bewerben kann. Das ist ein ganz normaler Bewerbungsprozess – wobei man es durchaus als Bestenauslese bezeichnen kann. Wer dann auf die jeweilige Direktionsstelle berufen wird, entscheidet am Ende das zuständige Oberlandesgericht.

Welche Herausforderungen sind derzeit in der Justiz die größten?

Kozina: Ganz klar – für die Justiz von heute stellt die Digitalisierung eine der größten Herausforderungen dar. Dabei stellt sich dann durchaus auch die Frage, inwiefern es zum Einsatz von künstlichen Intelligenzen im Rahmen der Justizarbeit kommen kann. Dafür müssten dann allerdings natürlich auch die entsprechenden Rahmenbedingungen und Voraussetzungen geschaffen werden. Ich gehe davon aus, dass sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz interne Arbeitsgruppen im Justizministerium beschäftigten. Wahrscheinlich ist es, dass die Künstliche Intelligenz im Bereich von Massenverfahren zum Einsatz kommen könnten – etwa im Bereich der Fluggastrechte.

Ist die Justiz personell und finanziell gut genug aufgestellt?

Kozina: Ich habe keine Anhaltspunkte, dass dem nicht so wäre.

Was ist Ihrer Ansicht nach die wichtigste Eigenschaft, die eine Richterin beziehungsweise ein Richter mitbringen muss?

Kozina:Der Beruf des Richters ist ein sehr vielschichtiger und vielfältiger. Entsprechend gibt es eine ganze Menge an Eigenschaften und Komponenten, die einen guten Richter oder eine gute Richterin auszeichnen. So sollte man etwa auf jeden Fall gut zuhören können. Wichtig ist auch, dass man eine gute Abwägung dessen, was man zu hören bekommt, vornehmen können muss. Eine weitere wichtige Eigenschaft einer Richterin oder eines Richters muss die Fähigkeit sein, unparteiisch bleiben zu können – schließlich wird man in den Gerichtsverhandlungen sehr oft sehr gegensätzliche Aussagen der beteiligten Parteien zu hören bekommen. Und natürlich muss auch die Grundlage stimmen – die juristischen Kenntnisse sind das Handwerkszeug eines jeden Richters.

Ab und zu kommt es vor, dass Angeklagte nicht zur Verhandlung erscheinen. Was glauben Sie, ist der Grund für so ein Verhalten?

Kozina: Letztendlich kann ich nicht sagen, was in den Menschen vorgeht, die sich so verhalten. Aber ich kann mir durchaus verschiedene Gründe für so ein Verhalten vorstellen. Ein Grund mag etwa die Angst vor dem Gericht oder dem Verfahren und seinen möglichen Konsequenzen sein – eine gewisse Vogel-Strauß-Taktik sozusagen. Das kann man vielleicht sogar noch verstehen, wenn auch nicht akzeptieren. Andere Gründe können auch ein fehlendes oder nicht gut ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein des Angeklagten sein – oder schlicht auch Unzuverlässigkeit.

Wie wichtig ist die Mediation als Schritt vor der Verhandlung?

Kozina: Das ist natürlich eine schwierig zu beantwortende Frage, da es hier auf den jeweiligen Einzelfall ankommt – und auch einen ganz anderen Bereich außerhalb des Gerichts betrifft. Und außerdem bekommt das Gericht nicht mit, was im Rahmen einer Mediation gemacht wird. Abgesehen davon: Wenn die Mediation vor der Verhandlung durchgeführt wird, wird das Gericht hiervon zumindest im Falle einer erfolgreichen Beendigung auch gar keine Kenntnis erlangen.

Hintergrund

Öffnungszeiten: Die Sprechzeiten im Amtsgericht sind von Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 15 Uhr.

Kontakt: Brückenweg 2-4, 42499 Wermelskirchen, Tel. (0 21 96) 71 20, E-Mail: poststelle@ag-­wermelskirchen.nrw.de

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