Nachweis

Digitaler Impfpass spaltet die Meinungen

Ein QR-Code soll künftig den digitalen Nachweis erbringen. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Ein QR-Code soll künftig den digitalen Nachweis erbringen.

Apotheken gehen davon aus, ab Montag die Dokumente ausstellen zu können – Sicher ist das aber nicht.

Von Anja Carolina Siebel

Nicht immer den gelben Impfpass bei sich tragen zu müssen, sondern den Impfnachweis digital im Smartphone parat haben. In vielen EU-Ländern ist das schon möglich; gestern gab Gesundheitsminister Jens Spahn für Deutschland das Startsignal.

Der digitale Nachweis kann etwa bei Reisen, Restaurantbesuchen oder bei Kulturveranstaltungen nützlich sein, wenn dort ein Impfnachweis verlangt wird. Der QR-Code für den Nachweis soll in den Impfzentren, in Apotheken und später auch bei den Hausärzten erhältlich sein. Mit zwei Apps ist der Nachweis dann im Idealfall abrufbar: mit der Corona-Warnapp, die viele schon auf dem Smartphone haben, sowie einer speziellen App, die den Namen Covpass trägt.

Nun ist das Ganze in der Praxis offenbar nicht ganz so einfach, wie es erst einmal klingt. „Bisher ist die entsprechende Software noch gar nicht bei uns in den Praxen“, sagt der Wermelskirchener Hausarzt Harald Bergerhoff. „Angekündigt ist das für Mitte Juli, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob es dann klappt“, zeigt er sich pessimistisch. Ihm graue auch vor dem logistischen Aufwand für sein Team, räumt Bergerhoff ein: „Die QR-Codes zu erstellen, das kostet ja auch Zeit. Wir können das auf keinen Fall während der Praxiszeit machen. Das wird dann wohl eine Heimarbeit nach Feierabend.“

„Wir gehen davon aus, dass der Start reibungslos verläuft.“

Dr. Thomas Winterfeld, Apotheker

In den Apotheken von Dr. Thomas Winterfeld in Burscheid und Wermelskirchen sind die Teams indes schon darauf vorbereitet, bereits ab kommenden Montag ihren vollständig geimpften Kunden digitale Impfpässe ausstellen zu können. „Bei uns Impfpass digitalisieren“ ist als Feld auf der Homepage der Montanus-Apotheken bereits vorhanden. „Wir gehen davon aus, dass der Start reibungslos verläuft und finden es auch positiv, dass Impfpässe jetzt digitalisiert werden sollen“, sagt Winterfeld auf Nachfrage.

Die Kunden können sich, sobald die Software eingetroffen ist, im Internet einen Termin buchen – ähnlich wie das auch schon bei den Schnelltests gemacht wird. „Mitzubringen sind dann natürlich der gelbe Impfpass sowie der Personalausweis, damit wir die Daten auch zuordnen können“, betont der Apotheker.

Auch Ulla Buhlmann (Bergische Apotheke) geht davon aus, ab Montag digitale Impfausweise ausstellen zu können. „Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob die Software tatsächlich bis dahin freigeschaltet ist“, sagt sie. Es handelt sich um eine spezielle IBM-Software, die – im Falle der Apotheken – auch nur für diese zugänglich ist.

Dass sie zusammen mit ihrem Team den logistischen Aufwand stemmen wird, dessen ist Ulla Buhlmann sicher. „Wir wissen aber noch nicht, wie wir das angehen, ob mit Termin oder ohne. Das hängt ja auch davon ab, wie viele Leute auf einmal hier stehen. Wir müssen das abwarten.“

In den Arztpraxen soll es etwas anders laufen: „Um den Aufwand für die Arztpraxen möglichst gering zu halten, ist das Ausstellen der Impfzertifikate direkt aus dem Praxisverwaltungssystem geplant“, schreibt Christoph Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, auf Nachfrage. „So können die dokumentierten Patientendaten aus dem Verwaltungssystem für das Zertifikat genutzt werden. Die Bundesregierung hat in einer Ausschreibung die PVS-Hersteller aufgefordert, mit dem Software-Update bis Ende Juni – spätestens zum 12. Juli – ein entsprechendes Modul bereitzustellen. Vorher werden die nordrheinischen Arztpraxen keine Zertifikate mit QR-Code erstellen können. In anderen Regionen haben die Kassenärztlichen Vereinigungen indes bereits reagiert.

In den Impfzentren sollen die Zweitgeimpften künftig per Post den QR-Code als Nachweis zugeschickt bekommen.

Corona

Im Kreis sind am Donnerstag zwölf weitere bestätigte Corona-Fälle bekannt geworden: fünf in Bergisch Gladbach, einer in Kürten, einer in Overath, einer in Rösrath und vier in Wermelskirchen. 15 Personen, die an Covid-19 erkrankt sind, befinden sich aktuell in Krankenhäusern im Kreisgebiet, fünf auf der Intensivstation, zwei an Beatmungsplätzen. Die tagesaktuelle Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut Robert Koch-Institut (RKI) nun bei 16,6.

Standpunkt: Längst überfällig

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Die Theorie ist meistens ein bisschen einfacher als schließlich die Praxis. Ob und wie der Start des digitalen Impfpasses bei jenen funktioniert, die letztlich die Arbeit damit haben, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings, dass die digitale Version eines Impfpasses dringend überfällig ist. Es ist wirklich bitter, dass im digitalen 21. Jahrhundert ein in einer Pandemie so wichtiges Dokument wie der Impfpass lediglich in Papierform kursiert. Wer sich ein wenig beim Internetshoppen auskennt, wird obendrein feststellen, dass es bei namhaften Internetanbietern völlig legal die gelben Impfpässe zu bestellen gibt. Ein Paradies für Fälscher. Nun also endlich der digitale Pass. Aber wie eigentlich vieles in der letzten Zeit hat auch der einen holprigen Start in Deutschland. Wir kennen das ja bereits von den FFP2-Masken und den Schnelltests. Da die Impfpass-Digitalisierung nun sogar mit dem Einrichten einer speziellen Software verbunden ist, mag man kaum drüber nachdenken, was da alles schief gehen und haken könnte. Aber vielleicht geht ja diesmal alles gut und läuft reibungslos. Wünschen wir es uns doch einfach mal.

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