Kabarett

Dieter Nuhr macht vor keiner Religion halt

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In seinem neuen Programm distanzierte sich Dieter Nuhr von den Stammtischen der Republik.

Von Martina Hoga

Die Kattwinkelsche Fabrik gehört seit langem zur Vor-Tournée-Station des Künstlers, am Freitagabend füllte er wieder den kleinen Saal und begeisterte die Zuschauer. „Das muss ich mir notieren“, sagte Nuhr wiederholt, scheinbar zu sich selbst, wenn der Applaus besonders lautstark ausfiel. Und das tat er oft. Er habe seinen Zenit erreicht und überlegt, ob er überhaupt ein neues Programm schreiben solle, berichtete Dieter Nuhr dem erstaunten Publikum. „Ich habe es in ein Album von Bushido geschafft“, löste Nuhr auf und versuchte sich daran, „zurück zu dissen“, was in Rapper-Fachkreisen als Höflichkeit gelte. 

So begab sich der Comedian, wie – leider – so viele seiner Kollegen, auf die F-Wort-Ebene. Nazis und Islamisten ernteten seinen Spott: „Dieses Programm ist nichts für euch, tut lieber etwas Sinnvolles und lasst euch einschläfern.“ Genauso die Religionen Christentum und Islam. Wie zu seiner Verteidigung auf Vorwürfe in sozialen Netzwerken, „islamophob“ und „ausländerfeindlich“ zu sein, betonte Nuhr, dass er sich über alle Religionen gleichermaßen lustig mache. Im neuen Programm nimmt das Christentum breiteren komödiantischen Raum ein als der Islam. Gott sei im Alten Testament noch voll motiviert gewesen, im Neuen hingegen herrsche das „Lassez faire“. Dass das christliche Abendland untergehen könne, diese Befürchtung teile er nicht, meinte Nuhr. Die Weihnachtsbäume seien viel zu tief im Steuerrecht verwurzelt, sagte er und zählte die verschiedenen Mehrwertsteuersätze auf, die auf Weihnachtsbäume erhoben werden.

Nuhrs kabarettistische Streifzüge umrissen zahlreiche Themen, vom „Geschlechterkrempel“ (O-Ton) – wenn er die Zuschauer begrüße, melde sich immer eine Stimme, die die „Zuschauerinnen“ anmahne. Doch wenn er „60 Geschlechter“ begrüßen wolle, sei der Abend zu Ende lange bevor das Programm angefangen habe. Überängstliche Eltern, die ihre Kinder nicht mehr auf Bäume klettern lassen und mit Sturzhelm auf den Spielplatz schicken, thematisierte er genauso wie die Bundeswehr, die uns verteidigen könne, weil sie die „modernsten Kindertagesstätten“ hätte. Der thematische Kreis schloss sich wieder mit den diversen Steuersätzen für unterschiedliche Kaffeespezialitäten und: Bushido. Er, Nuhr, sei unsterblich, weil er auf dessen Album vertreten sei.

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